+
Obdachlos

Hilfsbedarf „wird noch weiter ansteigen“

Zahlen steigen: Jeder Wolfratshauser kann obdachlos werden

Obdachlosigkeit trifft längst nicht mehr nur „Alkoholiker und Bildungsferne“. Die Wolfratshauser  Obdachlosenbeauftragte, Ines Lobenstein, berichtet von steigenden Zahlen und einem neuen Klientel. 

Wolfratshausen – Die Lage ist angespannt. „Eine Verschärfung der Wohnungsnot wurde in diesem Jahr deutlich“, sagte Ines Lobenstein, Caritas-Mitarbeiterin und Obdachlosenbeauftragte der Stadt, als sie dem Ausschuss für Kultur, Jugend, Sport und Soziales vor Kurzem ihren Jahresbericht vorlegte.

Ines Lobenstein Obdachlosenbeauftragtein Wolfratshausen

Die Stadt Wolfratshausen beherbergt Obdachlose in drei Unterkünfte. Die meisten sind im Haus Schlickenrieder an der Münchner Straße untergebracht. Hier leben derzeit elf Menschen, vier zogen im Jahr 2017 aus, so Lobenstein. Die Stadt hat außerdem vier Quartiere an der Sauerlacher Straße gemietet, in denen derzeit neun Wohnungssuchende eine kurzfristige Bleibe gefunden haben. Drei weitere Wolfratshauser leben in städtischen Wohnungen am Steghiaslweg. Im vergangenen Jahr wohnten insgesamt 33 Männer und Frauen in einer Unterkunft in der Loisachstadt.

Lesen Sie auch: „Bodenlose Frechheit“: Busfahrer lässt Mütter mit Kinderwagen stehen

Das Klientel, mit dem Lobenstein arbeitet, habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, berichtete die Obdachlosenbeauftragte. „Auch Polizisten, Krankenschwestern, Pfleger oder Erzieherinnen müssen intensiv nach Wohnungen suchen.“ In den Einrichtungen lebten längst nicht mehr bloß „Alkoholiker und Bildungsferne“, sondern „teilweise sehr intelligente Menschen“. Viele würden unverschuldet in die Notlage rutschen. Etwa Wolfratshauser, die bislang in einer Partnerschaft lebten, könnten plötzlich in einer der Einrichtungen landen. „Alleine ist die gemeinsame Wohnung zu teuer, und bezahlbaren Wohnraum gibt es viel zu wenig“, so Lobenstein.

Damit es in solchen Fällen nicht zum Äußersten kommt, berät die Caritas Familien in schweren finanziellen Krisensituationen – im vergangenen Jahr waren das immerhin 211 Haushalte. „In allen Fällen konnte die drohende Obdachlosigkeit verhindert werden.“

Der bereits große Hilfsbedarf „wird noch weiter ansteigen“, prognostizierte Lobenstein. Alle Unterkünfte seien nahezu das ganze Jahr ausgelastet gewesen. „Die hohe Belegung der Unterkünfte liegt zum großen Teil an der extremen Knappheit im Bereich der Sozialwohnungen.“ Die werden in Wolfratshausen laut der Caritas-Mitarbeiterin händeringend benötigt. „Personen mit einem geringen Einkommen finden hier keinen bezahlbaren Wohnraum.“ Wer heute einen Sozialwohnungsantrag stellt, könne mit Wartezeiten von bis zu fünf Jahren rechnen.

Das Problem wird laut Lobenstein noch verschärft – schon lange brauchen nicht mehr bloß gebürtige Wolfratshauser eine Wohnung im Stadtgebiet. „Immer mehr Anerkennungen von Asylbewerbern und Familiennachzüge werden in der kommenden Zeit den Wohnungsmarkt zusätzlich belasten“, warnte sie.

Das Gremium zollte Ines Lobenstein großen Respekt für ihre Arbeit. Bürgermeister Klaus Heilinglechner hob ihr leidenschaftliches Engagement hervor. „Man merkt, dass Ihnen die Menschen am Herzen liegen“, sagte er.

Dominik Stallein

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zukunft der Kreisklinik Wolfratshausen: Wachsen oder weichen
Zukunft der Kreisklinik Wolfratshausen: Wachsen oder weichen
Ministerin Klöckner will Tiefkühlpizza schrumpfen - Gustavo-Fans reagieren mit Shitstorm
Julia Klöckner (CDU) will gemeinsam mit der Ernährungsindustrie die Tiefkühlpizza schrumpfen. Gustavo-Fans sehen darin einen Angriff auf ihr großes Pizza-Idol und …
Ministerin Klöckner will Tiefkühlpizza schrumpfen - Gustavo-Fans reagieren mit Shitstorm
Deshalb hat die Tafel eine neue Vorsitzende
Die Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel hat eine neue Vorsitzende. In einer außerordentlichen Versammlung wählten die Mitglieder Heidemarie Ritter zur neuen Chefin.
Deshalb hat die Tafel eine neue Vorsitzende
Punkt im Spitzenspiel:HSG bleibt vorne
Die Bezirksliga-Handballer erkämpfen sich ein 23:23 gegen Würm-Mitte II und bleiben damit auf Tabellenplatz eins.
Punkt im Spitzenspiel:HSG bleibt vorne

Kommentare