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Die Wolfratshauser Prominenz bekam auf dem Starkbierfest vom zürnenden Engel Aloisius einiges zu hören. Das Publikum stimmte johlend zu.
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„Zefix, halleluja“

Starkbierfest: Engel Aloisius liest den Lokal-Promis die Leviten

Auch ohne Singspiel fehlte es beim Wolfratshauser Starkbierfest nicht an humorigen Erkenntnissen und derber Schelte: Der Engel Aloisius alias Ludwig Gollwitzer las der lokalen Politprominenz gehörig die Leviten. 

Wolfratshausen – Nach dem grandiosen Spektakel, das die Loisachtaler Bauernbühne im vorigen Jahr abgeliefert hatte, gab es heuer ein krasses Kontrastprogramm. Das Laientheater hatte bekanntlich wegen der zeitaufwendigen Proben für den „Brandner Kasper“, den es diesen Sommer beim Flussfestival aufführen wird, ihren Auftritt beim Starkbierfest aus dem Kalender gestrichen. Dennoch strömte das Volk wieder zu Hunderten in die nahezu ausverkaufte Loisachhalle – und musste sein Kommen nicht bereuen.

Engel Aloisius überbringt „göttliche Ratschläge“

Starkbierfest ohne Derblecken – das geht gar nicht. Deshalb schlüpfte Ludwig Gollwitzer, Vorsitzender der Bauernbühne, ins weiße Nachthemd, setzte sich ein rotes Dienstmannkäppi aufs Haupt und rumpelte als Engel Aloisius auf die mit weißen Wölkchen sparsam dekorierte Loisachhallenbühne herab, um der kommunalen Parteienriege die „göttlichen Ratschläge“ zu überbringen. Die waren einst mal für die Bayerische Regierung bestimmt. Dorthin hatte Aloisius es aber nie geschafft, weil er seinen Auftrag über die eine oder andere Maß im Hofbräuhaus vergessen hatte. Dieses Glück war den Wolfratshauser Promis nicht beschieden.

Schelte und Hosianna

Von einem Leserbriefe textenden und Citymanager-tauglichen Bürger über die Lügen- äh Lokalpresse bis zu den „Stadträten, die lieber ihre Ehefrauen arbeiten lassen“ (in Anspielung auf die Medienpräsenz der Gattin des zweiten Bürgermeisters), von der Abschaffung des Christbaums („Des hätt i ned amoi Eich zuatraut!“) über das Hickhack ums interkommunale Hallenbad („Kriag’n dead’s as ned, aber mitschwimma derft’s.“) bis zur vor allem bald grün eingefärbten Innenstadt (in leer stehenden Gebäuden des Immobilienmaklers Gröbmaier leuchtet nachts grünes Licht) war Aloisius kein Thema entgangen. Unterstützt von gesungenen, frechen Hosianna-Einlagen, die Eveline Hörschelmann als Engelchen im neckisch-kurzen Hemdchen zur Musik ihres hinter einer weißen Wolke verborgenen Ehemanns zum Besten gab.

Göttlicher Abgesandte schmunzelt süffisant über die eine oder andere Idee der Bürger

Der göttliche Abgesandte ätzte derweil über den Umgang der Wolfratshauser Bürger mit neuen Ideen: „Die gilt es jetzt ganz fein säuberlich zu sezieren, madig zu machen und dann die besten Filetstücke auf die eigenen Parteifahnen zu schreiben!“ Über manche Idee konnte der zürnende Engel schmunzeln – etwa die angedachte „Ponte Casa Don Alfredo“, die Parkbrücke über der Loisach. Hinsichtlich der Parkplatzdebatten in der Flößerstadt empfahl Aloisius süffisant einen Blick über die Stadtgrenze hinaus: „Wenn dieses Wolfratshausen in Geretsried lieg’n dad, dann hätt‘ da Krämmel den Bergwald schon lang obrasiert, 2000 Wohnungen drüber baut und drunter a zwölfstöckiges Parkhaus!“

Dem Engel hat die Nachbarstadt mächtig imponiert

Überhaupt musste Aloisius bei seinem Anflug auf Wolfratshausen die Nachbarstadt mächtig imponiert haben. Immer wieder nahm er dort Anleihen für Verbesserungsvorschläge. So empfahl er der CSU, sich zwecks dringend nötiger Überarbeitung ihrer Internetpräsenz mal „den Müller anzuschau’n“. „Der postet, wo a hi’fahrt, wos a isst, wo a hin bieselt und wos a für a Unterhos’n trogt. Konn ma zwar geteilter Meinung drüber sei, ob oam des ned gehörig auf’n Sack geht – aber zumindest is’ er kommunikativ!“

Zum Abschied kernige Denkanstöße

Johlenden Applaus erntete indirekt einer, der bei seinem kommunalpolitischen Wirken gewöhnlich eher Dresche statt himmlischen Beistand bekommt. „Wia de mit ihr‘m Bürgermeister umgeht“, zürnte der göttliche Abgesandte mit der Bürgervereinigung, „do mechat ma ja liaba in da CSU sei. Do woaß ma wenigstens, woran ma is. Do Fleischert’s.“ Anders bei der Bürgervereinigung: „Da san a paar dabei, de schlagen ihr‘n Bürgermeister nieder, dann lassn’s’n kriacha, bis a langsam wieda hochkommt – dann haun’s wieda drauf.“ Mit kernigen Denkanstößen verabschiedete sich Aloisius, bevor die Partyband Bergluft wieder die musikalische Gestaltung übernahm: „Zeit ist, dass wieder Hirn und Wahrheit regiert und ned Lüge und Intrige, dass a jeda sei Ego in seine Schranken verweist, dass’s endlich amoi wieder für was san und ned immer gega ois.“ Zefix, halleluja.

Von Rudi Stallein

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