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Der Meister und seine Uhr: Christian Schmeller muss als Uhrmacher alle Kirchturmuhren in Bad Tölz kontrollieren – auch seine selbstgebaute erste mobile Kirchturmuhr Deutschlands wird zur Zeitumstellung eine Stunde vorgedreht.

EU-Parlament will Sommerzeit überprüfen lassen

Die Zeitumstellung ist für viele ein Kraftakt im Halbjahrestakt

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Etwa halbjährlich wird die Uhr umgestellt. Für Mensch und Tier bedeutet das, sich immer wieder umzugewöhnen. Nicht wenige empfinden die Zeitumstellung deshalb als Kraftakt. Jetzt könnte damit Schluss sein – sehr zur Freude vieler Landkreisbewohner.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Sommer vor, im Winter zurück: Die Zeitumstellung bringt viele Menschen im Halbjahrestakt aus ihrem gewohnten Rhythmus. Nun könnte das letzte Stündlein dieses Problems schlagen. Das EU-Parlament hat jüngst eine Überprüfung der Sommerzeit gefordert. Die Regelung ist seit Jahren umstritten.

Dr. Manfred Fleischer hält die Zeitumstellung für einen „Schmarrn“.

„Tatsächlich gibt es Menschen, die ein paar Tage brauchen, sich darauf einzustellen“, sagt Heiner Müller. Der Geretsrieder Arzt hört in seiner Praxis an der Elbestraße öfter den Wunsch nach einer Abschaffung der Zeitumstellung – unter Beibehaltung der Sommerzeit. Medizinisch betrachtet sei die Umstellung eher lästig – mehr aber auch nicht. „Nach einer Woche ist das wieder vergessen.“

Zeiger vor, Zeiger zurück: Dr. Manfred Fleischer wäre sehr froh, wenn damit endlich Schluss ist. „Ich bin einer von denen, die das schon spüren“, sagt der Wolfratshauser. Und Energie einsparen lasse sich damit auch nicht, sagt der promovierte Forstwirt. Das bestätigen Erhebungen des Umweltbundesamts. Zwar wird durch die Zeitumstellung im Sommer abends weniger häufig das Licht angeknipst. Im Frühjahr und Herbst wird in den Morgenstunden aber auch mehr geheizt. Das hebt sich gegenseitig auf. „Ich habe das immer schon für einen Schmarrn gehalten“, schließt Fleischer daraus.

Vor vier Jahren hatte er – nicht ganz ernst gemeint – eine Initiative zur Abschaffung zur Sommerzeit starten wollen. Seither habe er viele Gespräche geführt. „Schön, wenn darüber jetzt nicht nur fünf Leute sprechen, sondern ein paar tausend.“ Auch wenn sich das EU-Parlament nun mit diesem Thema beschäftigt, werde es aber noch ein paar Jahre dauern, bis es eine Entscheidung geben wird, mutmaßt Fleischer.

Landwirt Franz Wirtensohn käme die Abschaffung der Zeitumstellung sehr gelegen. „Das wär’ ein Traum“, meint der Geltinger. Für Mensch und Tier wäre es einfacher, wenn man sich nicht jedes halbe Jahr wieder umgewöhnen müsste. Optimal aus seiner Sicht wäre die Beibehaltung der Sommerzeit. „Dann ist es abends eine Stunde länger hell, des wär’ scho a g’wandte Sach’“, sagt der 63-Jährige.

Ursula Fiechtner wäre die Winterzeit lieber als die Sommerzeit.

Kreisbäuerin Ursula Fiechtner mag es eigentlich, wenn der Tag mehr Sonnenstunden hat. „Aber mein Mann ist draußen, bis die Dämmerung hereinbricht“, sagt die 55-Jährige. „Von daher wär’ mir die Winterzeit lieber, dann würde er früher zum Arbeiten aufhören“, meint die Wackersbergerin schmunzelnd. Die Fiechtners haben 28 Stück Fleckvieh in ihrem Laufstall. Die Tiere wüssten genau, wann es zum Melken geht. Am Tag der Zeitumstellung müsste man jede Kuh aus dem Dösen herausholen, das sei schon ein bisschen anstrengend, weil man selber auch mit dem Frühaufstehen zu kämpfen habe. „Das kann dann schon mal länger dauern.“

Frühes Aufstehen und Mehrarbeit bringt die Zeitumstellung für Uhrmacher Christian Schmeller mit sich. Der 49-Jährige kontrolliert an diesem Tag in den frühen Morgenstunden, ob sich alle Kirchturmuhren in Bad Tölz selbstständig richtig umgestellt haben. In den Tagen nach dem Wechsel häufe sich der Andrang in seiner Werkstatt, berichtet Schmeller. Im Zeitalter der Quarzuhren sei das tägliche Aufziehen und Nachstellen von Uhren zwar nicht mehr notwendig. „Man trägt die Uhr das ganze Jahr am Arm und muss sich eigentlich nicht darum kümmern“, sagt der Tölzer. „Aber wenn die Zeitumstellung ist, wird die Uhr wieder bewusst in die Hand genommen, die Krone herausgezogen und die Zeiger verstellt.“ Erst dann würden die Leute merken, wenn die Krone verbogen sei oder manchmal sogar fehle. „Ich empfehle meinen Kunden, einmal jährlich zur Zeitumstellung auch gleich die Batteriewechseln zu lassen.“

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