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Die besten Zitate vom Wolfratshauser Amtsgericht aus dem Verhandlungsjahr 2015 - Teil eins (von vier).

Lustig, skurril, zum Nachdenken

Teil 1 der besten Zitate vom Wolfratshauser Gericht

Wolfratshausen - Skurril, lustig, bisweilen nachdenklich: Im Verhandlungsjahr 2015 gab es viele spannende Zitate am Wolfratshauser Amtsgericht. Wir fassen die besten zusammen. Heute: Teil 1.

Wir präsentieren Ihnen die besten Zitate des Wolfratshauser Amtsgerichts in vier Teilen. Morgen lesen Sie Teil zwei.

„Wenn Du so weitermachst, kannst Du den Gerichtssaal als Zweitwohnsitz anmelden.“ Jugendgerichtshelfer zum jugendlichen Angeklagten, der innerhalb von drei Jahren zum fünften Mal vor Gericht stand.

Richter zum Zeugen: „Wo trafen Sie den Angeklagten zum ersten Mal?“ Zeuge zum Richter: „Das war, als er mich getroffen hat – mit der Faust im Gesicht.“

Richter zur Angeklagten: „Das war halt dumm in dem Moment.“ Die Angeklagte: „Sie sagen es.“ Die bereits acht Mal vorbestrafte Mutter hatte Babybodys, Aptamil, Damen-Slips und Öttinger-Weizen Grapefruit für 44 Euro gestohlen – unter offener Bewährung.

„Wenn Feuer im Herzen ist, kommt Rauch aus den Augen.“ Zeugin über ihren Hang, einen notorischen Kleinkriminellen zu lieben.

„Ich verzweifle an dieser Welt und an den Zuhörern dieser Welt.“ Der Angeklagter, der eine Mobilfunkhotline mit 800 Anrufen bombardierte und sich missverstanden fühlt. „Und wir verzweifeln an Ihnen“, entgegnet Richter Helmut Berger. „Wer derart häufig anruft, beleidigend und ausfallend wird – das kann nicht ansatzweise nachvollzogen werden.“

„Ein Schmerzensgeld wäre angebracht, aber hier ungeeignet. Der Geschädigte würde das Geld sicher gleich anlegen – und zwar hochprozentig.“ Jugendgerichtshelfer über Sinn und Unsinn einer Geldzahlung an einen gerichtsbekannten Heranwachsenden mit massivem Alkoholproblem.

„Warum Jugendrecht? Er macht das, was Erwachsene auch machen – fährt besoffen Auto.“ Richter Berger begründet, warum er einen 20-Jährigen, der mit 1,66 Promille in einen Gartenzaun gefahren ist, nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt.

„Wenn man mir die Natur und die Sonne nimmt, können Sie mir gleich einen Strick geben.“ Angeklagter begründet, warum er mit einer Haftstrafe ein Problem hätte.

„Sie sollten es nicht darauf anlegen, dass wir uns hier wiedersehen. Ich kann Ihnen garantieren, dass es dann anders ausgeht.“ Abschiedsgruß des Jugendrichters an den wegen Körperverletzung verurteilten Jugendlichen, nachdem er ihn mit einer Schmerzensgeldzahlung hat davonkommen lassen.

„Ich trink nix mehr. In Bernau gibt’s ja keinen Alkohol. Sind zu wenig Russen da.“ Angeklagter, der aus der Justizvollzuganstalt am Chiemsee zur Verhandlung vorgeführt wird, zur unfreiwilligen Bewältigung seines Alkoholproblems.

„Dieser Reifen hatte kein leichtes Leben.“ Urteil eines Kfz-Gutachters zu den glatt gefahren Reifen eines 500-PS-Jaguars. Mit dem Wagen war auf der regenfeuchten A9 ein Unfall verursacht worden, der für zwei Pkw mit Totalschaden endete.

„Eine Frage, Herr Richter: Ist der Konsum von Marihuana in Deutschland legal oder illegal?“ Angeklagter Kiffer, dem Handeltreiben vorgeworfen wird. „Der Konsum ist nicht strafbar“, erklärt ihm seine Verteidigerin: „Aber es ist sehr schwer, in Deutschland legal zu konsumieren. In der Regel geht Besitz voraus.“

„Alle hatten was getrunken.“ Jugendlicher (20), der auf dem Geretsrieder Volksfest in eine Schlägerei verwickelt war. „Das ist sehr lebensnah.“ Kommentar des Jugendrichters.

„Ihr prügelt Euch, setzt den ganzen Apparat in Bewegung, dann vertragt ihr euch und wir sitzen hier und müssen uns Geschichten vom toten Hund anhören.“ Richter Berger zum Zeugen, der seinen Kumpel nach einer Prügelei angezeigt hatte. In der Verhandlung mochte er sich an die Prügelei nicht mehr erinnern.

„Getrunken habe ich zehn Bier und ein paar Longdrinks. Aber gegen Ende habe ich mich ganz gut gefühlt. Ich war der Überzeugung, ich müsste noch heimfahren.“ Angeklagter (23) der auf der Rückfahrt von einer ausgedehnten Feier seinen Audi frontal gegen einen Baum steuerte.

„Manchmal muss man sich wundern. Das ist doch Kinderei hoch zehn.“ Richter Bergers Einschätzung zu einem Geretsrieder Rentner (66), der wegen rückständiger Mieten einen Ladeneingang mit einem ausrangierten Transporter und einem Betonklotz verbarrikadierte.

„Ich bin stinksauer. Das ist Unsinn hoch drei.“ Richter Berger zur Zeugin, die ihrem Ex-Mann ein Verfahren wegen versuchter Nötigung und Bedrohung angehängt hatte und vor Gericht eine wirre, den ursprünglichen Aussagen widersprechende Erklärung abgab.

Zusammengetragen von Rudi Stallein

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