Zwei Männer an einem Schreibtisch.
+
Wie sieht die künftige Gesundheitsversorgung im Landkreis aus? Landrat Josef Niedermaier stellte am Mittwochvormittag in einem Pressegespräch das Gutachten der Vicondo Healthcare GmbH vor und erläuterte die Handlungsempfehlungen der Berliner Unternehmensberater. Links im Bild: Wolfgang Krause, Leiter der Abteilung 1 (Zentrale Angelegenheiten) in der Kreisbehörde in Bad Tölz.

Pressegespräch im Landratsamt

Zukunft der Kreisklinik: Das sagt Landrat Josef Niedermaier

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
    schließen
  • Clara Wildenrath
    Clara Wildenrath
    schließen

Hat die Kreisklinik Wolfratshausen noch eine Zukunft? Ja und nein, erklärte Landrat Josef Niedermaier in einem Pressegespräch.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das bis dato unter Verschluss gehaltene Gutachten der Berliner Unternehmensberatung Vicondo (wir berichteten) hat in den vergangenen Tagen heftigen Protest ausgelöst. In einem Pressegespräch stellte Landrat Josef Niedermaier am Mittwoch mit Blick auf die künftige Gesundheitsversorgung im Landkreis fest: „Wir wollen die stationäre Versorgung in Wolfratshausen aufrechterhalten.“ Und weiter: „Das ist der klare politische Wille, der Auftrag aus dem Lenkungskreis und auch meine persönliche Meinung“.

Was passiert mit der Geburtshilfeabteilung?

Die Geburtshilfeabteilung in der Wolfratshauser Kreisklinik soll nach seinen Worten – anders als von Vicondo vorgeschlagen – in der Einrichtung am Moosbauerweg verbleiben. Der Landrat widersprach nachdrücklich den „Vermutungen“, nach denen die Kreisklinik in einen sogenannten Gesundheitscampus umgewandelt werden soll, der praktisch nur noch ambulante Behandlungen anbietet. Diese Handlungsempfehlung hatte die Berliner Beratungsgesellschaft nach einer Analyse der Gesundheitsversorgung im Landkreis ausgearbeitet. Teil der Expertise, die der Kreisausschuss im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte, war, dass die Geburtshilfe und die akutstationäre Versorgung komplett von der privaten Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz übernommen werden sollte.

Kreisklinik: Gesucht wird ein „strategischer Kooperationspartner“

Das sei zwar thematisiert worden, räumte Niedermaier am Mittwoch ein, es entspreche aber nicht den Vorgaben des Lenkungsausschusses im Kreistag. Ziel sei vielmehr, belastbare Versorgungsstrukturen aufzubauen, ohne die beiden jetzigen Klinikstandorte im Kreis zu gefährden. Fakt sei aber, so Niedermaier mit Blick auf Wolfratshausen, dass sich „an der Ausrichtung etwas ändern muss, um die Kreisklinik langfristig zu erhalten“. Die 170 Betten, die sie derzeit zur Verfügung hat, müssten aller Wahrscheinlichkeit nach reduziert werden. Denn die Fördermittel für Investitionen und laufende Sachkosten richten sich nach dem festgestellten Bettenbedarf, erklärte Niedermaier – und der sei definitiv niedriger. Der Bettenüberschuss im Großraum München führe zu einem „gnadenlosen Wettbewerb“ unter den Krankenhäusern, unter dem letztlich die Versorgungsqualität leide. Zudem gehe die Entwicklung in der Medizin immer mehr weg von stationären und hin zu ambulanten Behandlungen.

„Wenn sich jetzt nichts ändert, steigt das Risiko um ein Vielfaches, dass die Kreisklinik irgendwann vor dem Aus steht“, betonte der Landrat, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der gemeinnützigen Kreisklinik GmbH. Was genau sich ändern soll, müsse ergebnisoffen diskutiert werden. Niedermaier: „Es darf keine No-Go-Überlegungen geben.“

Es wird in jedem Krankenhaus Einschränkungen geben müssen, und es wird nicht jeder Juhu schreien.“

Josef Niedermaier, Landrat

Als Moderator für diesen komplexen Prozess habe der Landkreis im Juli 2020 die Vicondo Healthcare GmbH ins Boot geholt. Die hatte das mögliche Szenario eines „intersektoralen Gesundheitscampus“ in Wolfratshausen entwickelt, um den stationären Standort zu stärken. Nicht, um stationäre Behandlungen in der Asklepios-Stadtklinik in der Kreisstadt zu bündeln, so Niedermaier. In einem solchen Campus könnten Fachärzte angesiedelt werden, zu denen die Patienten über einen zentralen Empfang gelangen, um „wohnortnah schnellstmöglich Hilfe zu bekommen“. Auch viele Operationen könnten in einem Gesundheitscampus ambulant durchgeführt und unnötige Notaufnahmen vermieden werden. Niedermaier wies darauf hin, dass solche Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) beispielsweise in Oberfranken „schon lange ganz normal“ seien.

Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Wohin auch immer der Weg der Umstrukturierung führen soll: Als erstes will der Landrat „nach einem strategischen Kooperationspartner suchen, um der Wettbewerbssituation entgegenzutreten“. Gemeint ist ein neuer Investor, Holding-Gesellschafter oder Träger für die bisher kommunale Kreisklinik. In Frage kommen nach Worten Niedermaiers dafür vor allem die Krankenhausbetreiber in den Nachbarlandkreisen – also Starnberg, Agatharied im Landkreis Miesbach und die Klinik-Kette Asklepios. Prinzipiell, so der Landrat, darüber hinaus das Klinikum Garmisch-Partenkirchen und das Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Dazu muss man wissen: Die Kreisklinik Wolfratshausen ist seit 2005 akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der LMU. In jedem Fall will der Landkreis vertraglich festlegen, dass ihm nach der Übernahme beziehungsweise bei Kooperationen Mitbestimmungsrechte und ein Zustimmungsvorbehalt bleiben.

Landrat schließt Verkauf der Kreisklinik kategorisch aus

Das Ziel sei, das Leistungsportfolio der Kreisklinik auf mehrere Standorte zu verteilen und Schwerpunkte zu setzen – aber nicht, einen Standort ausbluten zu lassen, beteuerte Niedermaier. Auch an geltenden Verträgen mit dem Klinikum Starnberg, die den Bestand der Geburtshilfe in Wolfratshausen sichern, wolle niemand rütteln. „Wir werden jeden Partner auf Herz und Nieren prüfen“, versprach der Landrat. Einen Verkauf der Kreisklinik Wolfratshausen schloss er kategorisch aus. Eines sei aber klar: „Es wird in jedem Krankenhaus Einschränkungen geben müssen, und es wird nicht jeder Juhu schreien.“ Die Betroffenheit, das heißt übersetzt den Widerstand, der sich vor allem im Norden des Landkreises formiert, dürfe man nicht zur Leitlinie machen. Niedermaier: „Das System muss effektiver werden – und besser.“

Am 20. Mai berät der Kreistag darüber, ob sich der Landrat wie geplant auf die Suche nach einem neuen Klinikbetreiber für den Standort Wolfratshausen begeben soll. (cw/cce)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare