Ein Polizist steht neben einem Auto (Symbolbild).
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Nach einem Unfall trafen sich zwei Autofahrer vor Gericht wieder (Symbolbild).

Münchner verurteilt

Zwei Cowboys auf der A95: Geldstrafe wegen Nötigung

  • vonRudi Stallein
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Wollte er seinen Hintermann maßregeln? Ein Matiz-Fahrer bremste im Baustellenbereich auf der Autobahn so stark ab, dass er einen Unfall verursachte.

Wolfratshausen – Ein Matiz bremst in einer Baustelle auf der A95 bei Wolfratshausen plötzlich so stark ab, dass ihm ein nachfolgender SUV ins Heck rauscht. Die Folge: Der Kleinwagen ist Schrott; und sein Fahrer hat neben dem Sachschaden auch noch ein Strafverfahren am Hals. Er sei nur deshalb so abrupt in die Bremse gestiegen, weil er den Hintermann maßregeln wollte, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. Per Strafbefehl wurde der Münchner (56) deshalb wegen Nötigung zu einer Geldstrafe sowie drei Monaten Fahrverbot verdonnert. Weil er damit nicht einverstanden war, bekam er Gelegenheit, seine Sicht der Dinge in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht darzulegen.

Der Angeklagte sei ja nicht lebensmüde, schloss dessen Verteidiger schon aufgrund der enormen Größenunterschiede zwischen den zwei Fahrzeugen ein absichtliches „Ausbremsen“ aus. Der Beschuldigte räumte zwar ein, dass er sich am 26. Oktober vorigen Jahres über das dichte Auffahren des SUV so sehr geärgert habe, dass er sein Handy gezückt hatte, um den Drängler zu fotografieren. „Ich wollte ihn anzeigen“, sagte der Mann. Doch die im hinteren Auto hätten sich „recht lustig gemacht“. Dann habe er plötzlich etwas Blitzendes am Fahrbahnrand gesehen und deshalb von etwa 90 auf 50 km/h heruntergebremst. Aber: „Es lag da nichts auf der Straße“, sagte ein Polizist, der den Unfallort untersucht hatte.

Der Geschädigte, ein Software-Entwickler aus Kochel am See auf dem Rückweg von München, erklärte, dass er den „Kleinwagen mit komischem Fahrverhalten in der Baustelle“ mittels Lichthupe aufgefordert habe, rechts zu fahren. Darüber habe sich der Angeklagte „fürchterlich aufgeregt“.

„Da waren zwei Cowboys auf der Straße unterwegs. Sie haben sich hochgeschaukelt, beide sind an dem Unfall nicht unschuldig“, fasste der Verteidiger seine Einschätzung zusammen. Als das Gericht zu verstehen gab, dass bei einer entsprechenden Einlassung des Angeklagten womöglich statt drei Monaten auch nur ein Monat Fahrverbot denkbar sei, beschränkte der Verteidiger seinen Einspruch auf die Rechtsfolgen, also die Höhe der Strafe – was wiederum ein Schuldeingeständnis voraussetzt. Richter Helmut Berger verurteilte den Münchner wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro (gesamt 750 Euro) sowie einen Monat Fahrverbot. rst

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