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Wieder vereint: Gabriel und Claudia Brandl erlebten am Sonntagabend schlimme Stunden. Der Bub war in den Menschemassen in der Allianz-Arena verloren gegangen und schlug sich auf eigene Faust nach Hause durch. 

Nach Spiel gegen Bremen

Zwölfjähriger in Allianz Arena verschollen: Jetzt spricht die Mutter und stellt klar

Es war ein Traum für Gabriel Brandl (12) aus Höhenrain: seinen FC Bayern in der Allianz Arena spielen und siegen sehen. Doch gleich nach dem Abpfiff der Partie gegen Werder Bremen verlor er seine beiden erwachsenen Begleiter. Und ein Albtraum für die ganze Familie begann.

Wolfratshausen/Höhenrain – Es schien der perfekte Nachmittag für Gabriel Brandl zu werden. Wieder einmal, zum dritten Mal insgesamt, durfte der junge Fußballer aus der C-Jugend des FSV Höhenrain ins Stadion und seinem FC Bayern zuschauen. Die Mama war daheim, der Papa auf Kur, aber er war auch so in besten Händen: Zwei Freunde der Familie passten auf ihn auf. Als dann auch noch sein großes Idol Thomas Müller zwei Treffer zum Erfolg gegen Bremen beisteuerte, war Gabriel selig. Doch lange konnte er sich nicht am 4:2-Sieg seiner Helden freuen.

Nach dem Schlusspfiff musste Gabriel schnell auf die Toilette. Wer je in der Arena gewesen ist, weiß, was los ist, wenn sich mit einem Schlag über 70.000 Leute auf den Heimweg machen. Als der Bub vor die Toilettentür trat, konnte er seine Begleiter einfach nicht sehen. Der eine wartete am einen, der andere am anderen Ausgang des Stadion-WCs. Und trotzdem verfehlten sie sich, irgendwie passierte es in dem ganz normalen Tohuwabohu nach Spielende. Plötzlich war Gabriel ganz allein unter Tausenden von Fußballfans. Und bekam Angst.

Der Hubschrauber kreiste über der Arena

Seine Begleiter reagierten schnell. Umgehend informierten sie die Polizei, die sofort eine groß angelegte Suchaktion startete, unter anderem mit einem Hubschrauber. Im Internet schlug der Fall hohe Wellen. Auf den Plattformen Facebook und Twitter wurde die Vermisstenmeldung tausendfach geteilt – bis in die späten Abendstunden hinein ohne Erfolg. Man war in größter Sorge um den Buben, von dem es zunächst hieß, er würde aus Wolfratshausen stammen. Erst am nächsten Tag stellte sich heraus, dass er in Höhenrain daheim ist.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Gabriel hatte sich allein auf den Heimweg gemacht. „Ich habe vermutet, dass die beiden schon zur U-Bahn gegangen sind“, erzählt er am nächsten Tag. Sein Handy hatte er nicht dabei, sonst hätte er anrufen können.

An der U-Bahn-Station Fröttmaning die große Enttäuschung: Niemand war da. Also stieg Gabriel tränenüberströmt in die U 6 in Richtung Norden. Irgendwann kam er an der Endstation Garching Forschungszentrum an. Dann fuhr er völlig verzweifelt in die Gegenrichtung und landete in Großhadern, die Station am anderen Ende der Linie. Der Bub muss ein Bild des Jammers abgegeben haben. Trotzdem: Kein einziger Mensch hat ihn gefragt, ob er ihm irgendwie helfen kann.

Vier Kilometer zu Fuß durch Eis und Schnee

Mutter Claudia Brandl verbrachte den Sonntagabend mit quälendem Warten. Alle halbe Stunde ab 17.30 Uhr bekam sie Bescheid, doch die Nachrichten waren keine guten. „Ich habe bloß gehört, dass sie ihn immer noch nicht gefunden haben.“ Auch Gabriels Vater hatte seinen Kurort Ohlstadt verlassen, um den Bub um die Arena herum zu suchen. Irgendwann forderte die Polizei sogar ein Kleidungsstück des Buben an, damit Hunde die Fährte aufnehmen können. In diesem Moment klingelte es: Gabriel stand vor der Tür, völlig durchgefroren, fix und fertig. Es war kurz nach 22 Uhr, als sich Mutter und Sohn in die Arme fielen.

Was den Buben gerettet hatte: Irgendwann während der endlosen U-Bahnfahrt erinnerte er sich plötzlich, dass vom Harras aus – einer Station der U 6 – die S-Bahn in Richtung Wolfratshausen fährt. Also stieg er dort aus, fuhr bis nach Icking und marschierte dann mehr als vier Kilometer durch Eis und Schnee zu Fuß nach Hause. Genauer: Gabriel rannte. „Mir war einfach so wahnsinnig kalt“, erzählt er.

Am Tag danach sind Mutter und Sohn erschöpft, aber glücklich. „Ich bin so froh, dass Gabriel wieder daheim ist“, erklärt die Mutter. Der Junior musste nicht in die Schule, er erholte sich von den körperlichen und seelischen Strapazen. In die Allianz Arena will er trotzdem wieder. Thomas Müller Fußball spielen zu sehen: Das wiegt jede Irrfahrt auf. Dominik Stallein

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