Wolfratshausen: Surfwelle Wolfratshausen: Durchkreuzt ein vom Aussterben bedrohter Fisch die Pläne? 
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Dauerbrenner: Seit sieben Jahren steht das Projekt Surfwelle auf der Tagesordnung der politischen Entscheidungsträger und der Stadtverwaltung. Unser Foto entstand bei einem Ortstermin in Weidach im Mai 2018

Stadt muss Umweltgutachten „nachbessern“

Surfwelle Wolfratshausen: Durchkreuzt ein vom Aussterben bedrohter Fisch die Pläne? 

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Dunkle Wolken sind über dem Surfwellen-Projekt aufgezogen: Nicht nur die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise könnten die Pläne durchkreuzen, sondern auch der vom Aussterben bedrohte Huchen. Der Fischereifachverband sorgt sich um dessen Laichgebiet in Weidach. 

Wolfratshausen – Im Januar, nach sieben Jahren kontroverser Diskussion, sah die Welt der Surf-Fans in der Flößerstadt rosa-rot aus: Nach einer konzertierten Spendenaktion lagen insgesamt rund 120 000 Euro auf dem Tisch, mit 19 zu 5 Stimmen beschloss der Stadtrat daraufhin, das Projekt Surfwelle weiter zu verfolgen. Doch inzwischen sind dunkle Wolken über dem Vorhaben heraufgezogen. Die Corona-Pandemie wird wirtschaftliche Folgen für die Loisachstadt haben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Räte in ihrer Klausurtagung Ende Juli die Surfwelle aus dem Investitionsplan streichen. Und: Der Huchen, ein stark vom Aussterben bedrohter Speisefisch, hat das Umweltgutachten der Stadt durchkreuzt.

Die in Weidach geplante künstliche Surfwelle stand schon mehrfach auf des Messers Schneide. Zuletzt im Dezember vergangenen Jahres, weil der in Aussicht gestellte Zuschuss aus dem EU-Förderprogramm „Leader“ geringer ausfiel als bis zu diesem Zeitpunkt angenommen. Statt 335 000 Euro bekommt die Loisachstadt nur 270 000 Euro, stellte das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim fest. Der Grund: Die Kosten für die Beratung und die freihändige Vergabe der Objekt- und Tragwerksplanung, die in der Gesamtkalkulation enthalten ist, seien nicht förderfähig.

Wolfratshausen: Surfwelle stand schon mehrfach vor dem Aus

Hinter verschlossenen Türen rangen die Stadträte in der Folge um die Rettung des Projekts und sprachen sich schließlich im Januar in einer Sondersitzung mit großer Mehrheit für die Fortführung der ehrgeizigen Unternehmung aus. Im selben Atemzug deckelte das Gremium allerdings den städtischen Investitionskostenzuschuss auf maximal 400 000 Euro. Josef Praller, Fraktionschef der BVW, legte Wert auf die Feststellung, „dass wir hier heute nicht über den Bau der Welle beschließen, sondern über den Finanzierungsrahmen“.

Gegen die Fortsetzung des Projekts votierten unter anderem Richard Kugler (Liste WOR), Mitglied des „Aktionsbündnis Wolfratshauser Bürger gegen den Bau einer Surfwelle in Weidach“, sowie Gerlinde Berchtold. Die SPD-Stadträtin plädierte dafür, die Reißleine zu ziehen, da es „sehr wahrscheinlich“ sei, dass es zu einer Baukostensteigerung komme. Berchtold rechnete im Januar nach eigenen Worten mit einem Plus von 200 000 Euro.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner

Die Zusage der EU-Fördermittel habe trotz Corona-Krise Bestand, sagt Bürgermeister Klaus Heilinglechner im Gespräch mit unserer Zeitung. „Bis 2022“ müsse die Loisachstadt alle Rechnungen einreichen, dann sei mit der Auszahlung des „Leader“-Zuschusses zu rechnen. Was bis auf den Tag jedoch fehlt, ist die wasserrechtliche Genehmigung für den Bau der künstlichen Sport- und Freizeitanlage.

Zusage der Fördermittel hat trotz Corona Bestand

In diesem Kontext habe sich der Fischereifachverband zu Wort gemeldet, der sorge sich um das Laichgebiet des Huchens in Weidach. Aus diesem Grund sei das Umweltgutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte, noch einmal „nachgebessert worden“, so Heilinglechner. Nun müsse abgewartet werden, wie das Wasserwirtschaftsamt Weilheim entscheidet. Es sei möglich, dass die Behörde mit Blick auf den vom Aussterben bedrohten Fisch dem Surferverein, der die künstliche Welle betreiben will, Betriebsbeschränkungen auferlege. Im Detail kenne er sich nur mit Kühen aus, merkt der ehemalige Bio-Landwirt an, doch inzwischen wisse er, „dass der Huchen auch einen besonderen Beutefisch braucht“. Auch dessen Vorkommen dürfe in Isar und Loisach nicht gefährdet werden.

„In Bayern eine Wasserbaumaßnahme durchführen zu wollen, ist eine echte Herausforderung“, stellt der Rathauschef fest. Seit Beginn des Surfwellen-Vorhabens habe die Stadt „locker mit zwei Dutzend Behörden und Interessensverbänden zu tun gehabt“, bilanziert der 53-Jährige. Der Verein „Surfing Wolfratshausen“ kann nach seinen Worten „derzeit nichts unternehmen“. Sehe man von der Tatsache ab, „dass man die Mitglieder bei der Stange halten muss, die mittlerweile seit sieben Jahren für die Welle kämpfen“.

Bliebe da noch die Klausurtagung des Stadtrates am 24. und 25. Juli. Heilinglechner lässt sich an seinen eigenen Worten messen: „Es gibt keine heiligen Kühe“, das heißt, alle geplanten Investitionen kommen auf den Prüfstand. Falls die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie „tatsächlich so dramatisch werden wie viele befürchten“, könne dies das endgültige Aus für die Surfwelle bedeuten.

Umweltgutachten: Fischereifachverband sorgt sich um Laichgebiet des Huchens

Die zweite Steuerschätzung für das laufende Jahr trifft am 30. Juni im Rathaus ein. Bis dato gibt’s laut Bürgermeister fortlaufend Prognosen vom Bayerischen Städtetag. Was besagen die? „In Städten wie Wolfratshausen werden die Steuereinnahmen um 20 Prozent zurückgehen.“ Heilinglechner persönlich rechnet sogar mit bis zu 40 Prozent weniger. Aber er gibt zu bedenken, dass sich die Steuereinnahmen in den vergangenen Jahren auf hohem Niveau bewegt hätten. Von sogenannten Schlüsselzuweisungen, mit denen Vater Staat einkommensschwachen Kommunen unter die Arme greift, habe der Wolfratshauser Bürgermeister „nur träumen können“.

cce

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