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Letzte Besprechung als Trainer: Gerhard Thanner (sitzend) mit der U 13 der JFG Wolfratshausen beim Bezirksoberliga-Spiel in Ingolstadt.

Fußball

Thanners besonderer Blick für Talente

Gerhard Thanner war Trainer bei der JFG Wolfratshausen. Jetzt scoutet er Nachwuchs für die Münchner Löwen.

Wolfratshausen Jahrelang war er eine Institution im Jugendfußball des Landkreises. Als Trainer und Jugendkoordinator der JFG Wolfratshausen (und zuvor beim TuS Geretsried) schubste Gerhard Thanner manchen talentierten Nachwuchsfußballer auf seiner persönlichen Karriereleiter ein Stückchen weiter nach oben – einige bis in die Leistungszentren der Münchner Profiklubs. Nun hat für den 47-Jährigen ein neuer Abschnitt begonnen. Als Scout beim TSV 1860 München bildet Thanner nicht mehr selbst aus, sondern sucht gezielt nach Talenten für den Profinachwuchs.

Dafür hat der gebürtige Wolfratshauser nachweislich ein besonderes Gespür. Zumindest, was seine eigenen Mannschaften betrifft. Dafür zog er manchen „Volltreffer“ an Land. So verabschiedeten sich im Sommer gleich drei D-Junioren aus der Bezirksoberligamannschaft der JFG Wolfratshausen Richtung Giesing: Torhüter Muck Riedmüller (zuvor Bad Tölz), Torjäger Christian Walter (zuvor Penzberg) und Nico Hermann. Besonders Hermann darf als Beleg dafür gelten, dass Gerhard Thanner „sieht, wenn ein Spieler Perspektive hat“, wie ein langjähriger Trainerkollege bestätigt.

Spielertrainer bei der DJK „war mein größter Fehler“

Der junge Kicker aus Söcking war beim Sichtungstraining für den DFB-Stützpunkt durchs Raster gefallen. 30 Kinder kamen in die engere Auswahl, Hermann war nicht darunter. Thanner war dennoch von dem Söckinger überzeugt. „Er war für sein Alter körperlich sehr, sehr stark. Ein robuster Spieler“, skizziert der Coach den damals Elfjährigen. Zwei Jahre später spielt Herrmann in der Regionalauswahl und seit diesem Sommer in der U 15 des TSV 1860 München.

Dorthin hat es sein Förderer nun auch geschafft. Als aktiver Spieler war ihm dies verwehrt geblieben. „Es gab mal Anfragen“, sagt Thanner, der als C-Jugendlicher beim TSV Wolfratshausen, und später, als er mit der A-Jugend der FT Starnberg in der Bayernliga spielte, ins Blickfeld des Münchner Traditionsklubs gerückt war. Aber damals habe er gerade eine Lehre als Groß- und Einzelhandelskaufmann gemacht, weshalb die Eltern ihr Veto gegen einen Wechsel einlegten. So blieb der in Starnberg bestens ausgebildete, technisch versierte Mittelfeldspieler dem Landkreisfußball erhalten. Nach zwei Spielzeiten in Starnberg wechselte Thanner zurück zu seinem Stammverein, der damals noch in der Bezirksliga spielte.

Ebenso wie die DJK Waldram, seiner nächsten „sehr erfolgreichen“ Station. Dort begann er mit Mitte 20 auch seine Trainerkarriere. Brachte erst die B-Jugend in die Kreisliga und danach die A-Jugend. Als er mit dieser vor dem Aufstieg in die Bayernliga stand, erlag er dem Drängen des Vorstands und übernahm als Spielertrainer die abstiegsbedrohte Herrenmannschaft. „Das war eine schöne Erfahrung, aber im Nachhinein betrachtet auch mein größter Fehler“, sagt Thanner, der sich wenig später als Jugendtrainer beim TuS Geretsried deutlich wohler fühlte.

„Du kannst ein Training durchziehen, wie Du es Dir vorstellst, weil immer genügend Spieler da sind“, begründet der Coach seine Vorliebe für den Jugendfußball und ergänzt lachend: „Bei den Herren muss immer einer arbeiten, ein anderer studiert, und der Dritte muss zur Freundin. Das gibt’s im Jugendbereich nicht.“ Hinzu komme eine oft ausgeprägte Lernbereitschaft der jungen Kicker. „Gerade im D-Jugend-Alter ist es sensationell, wie schnell die Spieler Sachen umsetzen“, schwärmt Thanner. Sein persönlicher Ehrgeiz, möglichst hochklassig zu spielen, bescherte ihm nicht nur Freunde, wenn Spieler anderer Vereine sein Interesse weckten. „Das ist ja immer das Gleiche und eine relativ einfache Geschichte: Wer gibt schon gerne seine Spieler her“, zeigt er Verständnis für die Trainerkollegen. Zumal er in jungen Jahren ähnliche Gefühlswallungen durchlebte. „Am Anfang war es für mich auch Mist, wenn ein Spieler gewechselt ist, nach Unterhaching, Sechzig oder zu den Bayern“, sagt der Trainer. Später, als Auswahl- und Stützpunkttrainer machte er einen Sinneswandel durch. „Jedes Kind hat den Traum, nach oben zu kommen. Warum soll ich nicht Förderer sein?“

Scout-Job ist heiß begehrt: 100 Bewerber

So „beförderte“ er in den vergangenen Jahren mehr als ein Dutzend Nachwuchskicker zu den drei Münchner Top-Klubs. Allein sieben JFG-Spieler schafften den Sprung in den vergangenen zwei Spielzeiten. Indirekt bescherten sie so auch ihrem Trainer einen neuen Job. Denn der Kontakt kam zustande, als die Sechziger sich mal wieder für einen Spieler aus der Wolfratshauser D-Jugend interessierten. Inzwischen „scoutet“ Thanner bereits im zweiten Jahr und hält für die Jugendabteilung der Blauen Ausschau nach geeigneten Spielern. In einem Team von insgesamt rund 30 Kollegen, die sich über ganz Bayern verteilen und alle ihre speziellen Bereiche haben. „Der Job ist immer noch heiß begehrt, rund 100 Leute haben sich dafür beworben, obwohl Sechzig derzeit vierte Liga spielt“, verrät Thanner. Langsam hat er sich daran gewöhnt, nicht mehr als Trainer am Spielfeldrand zu stehen. „Nach dem letzten Spiel beim FC Ingolstadt war es schon komisch. Auf einmal hast Du kein Training mehr“, sagt der Scout. Aber inzwischen könne er es „genießen, am Fußballplatz zu stehen, und es ist egal, wer gewinnt“.

Eine Rückkehr auf die Trainerbank sehe er derzeit nicht. Eher könne er sich vorstellen, als „Kaderplaner“ zu arbeiten, wenn Amateurvereine sich in der Hinsicht „mal anders aufstellen. Vielleicht ist das meins“, überlegt er laut. „Gezielt Spieler für bestimmte Positionen suchen – einen Linksfuß, 23 Jahre…“, sagt Thanner und lacht. „Da bin ich lange genug im Geschäft, um das auch im höheren Amateurbereich zu machen.“

Und was ist nun das Geheimnis beim Scouting? Wie siebt man die besten Talente aus der breiten Masse heraus? Dafür gebe es kein Idealrezept sagt der Talentspäher, dem nachgesagt wird, „einfach ein Auge dafür zu haben“. Aber eine Garantie sei das auch nicht. Eine 100-Prozent-Quote gebe es nicht, sagt er und führt ein prominentes Beispiel an. „Als ich Mats Hummels damals in der A-Jugend beim FC Bayern gesehen habe, hätte ich darauf gewettet, dass der nicht Profi wird. Aber da war ich nicht der Einzige.“ Der Rest ist bekannt.

Rudi Stallein

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