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Nach Schlägen und Tritten war das 48-jährige Opfer fünf Wochen krankgeschrieben. 

"Ich bin kein schlechter Lebensgefährte"

Eurasburger Rentner schlägt seine Freundin

Wolfratshausen/Eurasburg - Zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten hat das Wolfratshauser Amtsgericht einen Rentner (65) aus Eurasburg verurteilt.

Ein Mann schlägt seine Lebensgefährtin in den Magen. Sie geht zu Boden, er tritt er ihr in die Rippen. Fünf Wochen ist die Frau krankgeschrieben. Als sie wieder zur Arbeit gehen will, sperrt der Mann die Haustür ab. In der Nacht fingert die Frau den Schlüssel aus seiner Hosentasche, schleicht sich aus dem Haus. Ihr Freund holt sie mit dem Auto ein. Sie hat Angst, steigt in den Wagen und fährt mit ihm zurück nach Hause. Dort zertrümmert der Mann den Laptop seiner Freundin. Jetzt wurde der 65 Jahre alte Rentner aus der Gemeinde Eurasburg zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Außer den Tätlichkeiten gegen seine 48-jährige Lebensgefährtin sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte sich mindestens zwölf Mal hinters Steuer eines Pkw gesetzt hatte, obwohl er schon seit Jahren keinen Führerschein mehr besitzt – und bereits mehrmals wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt wurde.

Lediglich ein Mal sei er gefahren, um seine Tochter zur Bushaltestelle zu fahren, behauptete der Angeklagte in der Verhandlung. „An dem Morgen, als ich von der Polizei geschnappt worden bin.“

Alle weiteren Vorwürfe stritt er ab. „Was meine Frau sagt, stimmt nicht.“ Zwar habe man wegen der Arbeit gestritten, „aber ich habe ihr nie wehgetan. Ich habe sie noch nie geschlagen.“ Der Laptop sei bei dem Streit versehentlich zu Boden gefallen. „Ich habe ihn hochgehoben, gesehen, dass er kaputt ist und noch mal zu Boden geworfen.“

„Wer soll denn diesen Unsinn glauben?“ fragte Richter Helmut Berger, bevor er die Zeugin in den Sitzungssaal rief. Als die 48-Jährige – nach eindringlichem Hinweis des Richters auf die gravierenden Folgen eine Falschaussage – zu reden begann, verfinsterte sich die Miene ihres Freundes zusehends. Die Frau berichtete detailliert von den Ereignissen am 25. November 2015, wegen denen sie den Mann, mit dem sie seit 20 Jahren liiert ist, schließlich im Januar anzeigte. Wenige Tage später wollte sie die Anzeige zurücknehmen. „Wir haben Gespräche gehabt, dass in Zukunft alles besser läuft“, begründete die Geschädigte ihre Motive. Nun bat sie den Richter: „Geben Sie ihm noch eine Chance.“ Dagegen sprachen unter anderem vier frühere Verurteilungen. Zuletzt war der gelernte Automechaniker im September 2015 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, die Bewährungszeit lief erst drei Monate, als er erneut straffällig wurde.

„Er hat keinerlei Einsicht in seine Verurteilungen“, bestätigte der Bewährungshelfer den Eindruck, den man in der Verhandlung vom Angeklagten gewinnen musste. „Seit 2012 ist er in Deutschland, und seitdem gibt es eine Verurteilung nach der anderen. Und Besserung ist nicht in Sicht.“ Er habe seiner Frau nur Gutes tun wollen, sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort. „Ich bin kein schlechter Lebensgefährte und kein schlechter Vater und bitte noch mal um eine Chance.“

Er habe „Hochachtung vor der Frau“, die in ihrer Aussage die bei der Polizei gemachten Angaben wiederholt hatte, erklärte Richter Berger in seiner Urteilsbegründung. Dem Rentner empfahl er, seine Wut runterzuschlucken und nicht an der Freundin oder der Tochter auszulassen. „Wenn irgendetwas passiert nach dieser Verhandlung, geht es sofort in U-Haft.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

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