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Den „Tod der Innenstadt“ fürchtet Bürgermeister Klaus Heilinglechner, sollte sich der Baustopp am ehemaligen Isar-Kaufhaus über Monate hinziehen.

Baustellen-Stopp

Isar-Kaufhaus: Elefantenrunde bleibt ohne Ergebnis

Eine Gesprächsrunde aller Beteiligten bleibt ergebnislos. Die Baustelle Isar-Kaufhaus ruht weiterhin. Der Rathauschef fürchtet den „Tod der Innenstadt“.

Wolfratshausen – Hinter verschlossenen Türen suchten die Projektbeteiligten eine Lösung. Auf der Baustelle am ehemaligen Isar-Kaufhaus in der Altstadt ruhen wie berichtet die Arbeiten. Zum einen, weil sich beim Abriss Statikprobleme am südlichen Nachbargebäude auftaten. Zum anderen, weil der geplante Neubau eines Geschäfts- und Wohnhauses am Untermarkt 7-11 auf der nördlichen Seite nach Einschätzung des Verwaltungsgerichts gegen Abstandsregelungen verstößt.

Ende vergangene Woche trafen sich Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Projektleiter Frank Maiberger und Mitarbeiter der Verkehrs-, Bau- und Emissionsschutz-Abteilungen des Landratsamts in Bad Tölz. Gemeinsam wollten sich die Teilnehmer der Elefantenrunde auf das weitere Vorgehen einigen. Ergiebig war das Treffen, das von der Stadt Wolfratshausen initiiert wurde, laut Heilinglechner nicht: „Es hat sich keine konkrete Lösung abgezeichnet“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung.

In den vergangenen Wochen habe sich klar gezeigt, dass es eine kurzfristig umsetzbare Lösung „nur über den Dialog mit den Nachbarn geben kann“. Die Eilklage eines Ehepaares, das ein Gebäude in Rufweite der Großbaustelle besitzt, hatte bei der Prüfung des Verwaltungsgerichts den Ausschlag für die Entscheidung gegeben, die Baugenehmigung auszusetzen. Trotz mehrmaliger Bekundungen der Projektgesellschaft, der Untermarkt 7-11 GmbH mit Sitz in Grünwald, eine kooperative Lösung anzustreben, konnte der Streit bis dato nicht gütlich beigelegt werden.

Heilinglechner rechnet damit, dass sich das auf absehbare Zeit auch nicht ändern wird. „Wir wissen im Moment nicht, ob wir drei Monate warten müssen oder noch länger.“ Einen deutlich kürzeren Zeitraum hält er für wenig realistisch – „das wird wohl definitiv nichts“. Der Rathauschef setzt seine Hoffnung auf einen neuerlichen Dialog: „Wir müssen versuchen, eine Lösung zu finden, die allen Beteiligten gerecht wird.“ Schließlich sei nicht alleine dieses konkrete Projekt von der rechtlich undurchsichtigen Lage betroffen – sondern die gesamte Wolfratshauser Innenstadt. „Es gibt viele Gewerbetreibende in der Altstadt, für die diese Baustelle geschäftsentscheidend ist.“ Sollte viele Monate keine Lösung gefunden werden, könnte das im schlimmsten Fall den „Tod der Innenstadt“ bedeuten. Der Bürgermeister würde sich wünschen, dass die Kläger in weiteren Gesprächen mit dem potenziellen Bauherrn „auch an das Wohl der Stadt denken“, und sich kooperativ zeigen.

Ein Grund, warum die Elefantenrunde ohne konkretes Ergebnis auseinander ging, ist nach Heilinglechners Einschätzung auch, dass die konkrete Rechtslage bisher kaum verhandelt wurde. Man habe beim Ortstermin des Verwaltungsgerichts den Eindruck gewinnen können, „dass die Richter eigentlich keine Entscheidung treffen wollten“.

Auch interessant: Ortstermin am Isar-Kaufhaus: So lautet die vorläufige Einschätzung des Gerichts

Heilinglechner sieht in der Causa Isar-Kaufhaus einen „Vorzeigefall“, bei dem „niemand in ein Wespennest stechen möchte“. Das würde Entscheidungen empfindlich in die Länge ziehen. Viele andere Städte würden gespannt auf die Lösung im Wolfratshauser Baustellenstreit warten. Der Rathauschef möchte vermeiden, dass die Beteiligten aus Angst, einen Fehler zu begehen, „den Ball im Kreis herumspielen, und nichts weitergeht“.

Apropos: Wie die Pressesprecherin des Landratsamts, Marlies Peischer, auf Nachfrage erklärt, wartet die Kreisbehörde immer noch auf eine schriftliche Begründung der Entscheidung des Verwaltungsgerichts. „Wann diese vorliegt, ist uns nicht bekannt“, sagt Peischer. Erst wenn die Entscheidung schriftlich begründet vorliegt, kann der Investor gegen die Aussetzung der Baugenehmigung vorgehen. Die Untermarkt 7-11 GmbH hat bereits angekündigt, Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen zu wollen.

dst

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