Auftrag für Machbarkeitsstudie

Perfekte Welle gesucht

Wolfratshausen – Die Stadt hat die Machbarkeitsstudie für eine stehende Surfwelle nahe der Weidachmühle in Auftrag gegeben. „Wenn es schnell geht“, sagt Tourismusmanagerin Gisela Gleißl, „liegt das Ergebnis bis Ende des Jahres vor.“

Der Kultur-, Sozial- und Sportausschuss hatte die Verwaltung vor gut zwei Wochen mit der Vergabe einstimmig beauftragt. Zuvor hatte Gleißl das Prestige-Projekt dem Gremium wie berichtet ausführlich vorgestellt. Die Stadträte versprechen sich von der Welle einen neuen Tourismusmagneten für die Flößerstadt, mit dem auch zahlungskräftige Sportler mittleren Alters angelockt werden sollen. In München erfreut sich das Wellensurfen derzeit größter Beliebtheit.

Forschung für die ideale Welle

Das detaillierte Gutachten wird laut der Tourismusmanagerin federführend der Innsbrucker Professor Markus Aufleger erstellen. „Er ist eine Koryphäe im Bereich Wasser und Wellen“, sagt Gleißl. Der Leiter des Abteilungsbereichs Wasserbau forsche „seit Jahren an der idealen Welle“. Dafür hätten er und seine Kollegen viele Wellenarten künstlich nachgebaut und vermessen. „Auf einigen davon können nun prinzipiell sogar Figuren in Spielzeuggröße surfen“, sagt die Tourismusmanagerin.

Das gilt es festzustellen

Die Stadt interessiert laut Gleißl unter anderem, wie hoch die Fließgeschwindigkeit des Kanalwassers ist. Zudem gilt es festzustellen, welche Wassermengen für den Betrieb einer Surfwelle überhaupt nötig sind. „Dann können wir auch sagen, welche baulichen Maßnahmen erforderlich sind. Wahrscheinlich wird es mehrere Alternativen geben.“ Ziel der Stadt ist laut Gleißl „eine super Welle“, die nach Möglichkeit permanent nutzbar ist. Dafür könnte eventuell ein Betonpflock im Wasser versenkt werden, der die Welle formt. Gleißl: „Sonst sind die Nutzungszeiten von Witterung und Jahreszeit abhängig.“

Votum des Kraftwerksbetreibers entscheidend

Momentan schwankt die Wassermenge am angedachten Standort im Kanal unterhalb der Weidachmühle ohnehin stark. Verantwortlich ist ein privater Kraftwerksbetreiber aus Memmingen, der in der Weidachmühle mit zwei Turbinen Strom erzeugt. Dafür reguliert er die Wassermenge nach Bedarf. Ob die Surfwelle wirklich gebaut werden kann, hängt laut Bürgermeister Helmut Forster auch stark vom Votum des Memmingers ab. In einem Vorgespräch mit dem Rathauschef hatte dieser sich zwar vorsichtig optimistisch geäußert, der Stadt vor einer Entscheidung aber „Hausaufgaben“ (Forster) aufgetragen. „Mit dem Gutachten erledigen wir das“, erklärt Gleißl. „Wir können in Kürze belastbare Zahlen liefern.“

Wasserkraftwerk im Kastenmühlwehr kein Hinderniss

Der Innsbrucker Gutachter werde zudem den Standort rund um die Welle genau vermessen. Die Haftungsfrage und mögliche Baukosten würden ebenfalls geklärt. Kein Hindernis für das Projekt dürften derweil Pläne der Wolfratshauser Stadtwerke sein, ein Wasserkraftwerk im Kastenmühlwehr zu installieren. „Die Diskussion führen wir seit einem dreiviertel Jahr“, erklärt Stadtwerke-Chef Jürgen Moritz auf Anfrage unserer Zeitung. „Mit der Turbine kommen wir einer möglichen Welle wahrscheinlich nicht in die Quere.“ Unter anderem sei die Wirtschaftlichkeit eines Schachtkraftwerks von der künftigen Bundesregierung und ihren Entscheidungen zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz abhängig. Außerdem habe der Memminger Kraftwerksbetreiber für einen Großteil des Kanalwassers das Nutzungsvorrecht. (dor)

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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