Geschundene Körper und Gesichter voller Leid. Es ist eines der wenigen Werke von Karl Maldek, das ohne Titel ist.

Wo Worte verstummen . . .

Geretsried - Sein Leben lang wollte der Maler Karl Maldek das Unrecht in der Welt nicht nur kommentieren, er wollte wachrütteln. Seine Bilder tun dies noch heute - acht Jahre nach seinem Tod.

Eine Auswahl von 17 Werken ist noch bis zum 4. August im Kunstbunker in Geretsried zu sehen.

Diese Bilder, die hoch oben an den Wänden der Kunsthalle hängen, wirken gleichberechtigt neben der dort aktuell gezeigten Ausstellung „Wir lebten in einer Oase des Friedens“. Darin wird das Schicksal der jungen Frauen und Lehrerinnen nachgezeichnet, die einst in der jüdischen Mädchenschule Wolfratshausen lernten und lehrten. Sie wurden 1938 aus der Flößerstadt vertrieben, viele von ihnen haben die Nazis ermordet. Maldek erzählt in seinen Bildern von dem Leid und dem Schrecken der Verfolgten und Gequälten. Wo Worte verstummen, erheben seine Werke ihre Stimme. Auf schwarz-weiße Zeichnungen reduziert, zeigt Maldek das Wesentliche in verstörender Klarheit: Gewalt, Tyrannei, Hoffnungslosigkeit und Schmerz. Obwohl häufig nur schemenhaft angedeutet, erfasst der Blick sofort das Wesentliche und erkennt die geschundenen Körper der Geächteten sowie das Leid in ihren Gesichtern.

Dass die Maldek-Werke im Kunstbunker zu sehen sind, ist dem Hausherrn Albrecht Widmann zu verdanken, der Karl Maldek noch selbst kennengelernt hatte. Als es nach dem Tod des Künstlers im Jahr 2004 darum ging, einen Aufbewahrungsort für seinen Nachlass zu finden, hatte sich Widmann aktiv dafür eingesetzt, seine Bilder zu erwerben. So ermöglichte er es sowohl der Stadt Wolfratshausen als auch Geretsried, jeweils 200 Maldek-Bilder zu erhalten. Doch weil in beiden Städten der Platz fehlt, um sie öffentlich auszustellen, sind sie eingelagert worden. Widmann bedauert das sehr. Zu Recht. Denn die Bilder mahnen und erinnern zugleich. Sie zeigen, wozu Menschen fähig sind.

(njd)

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