Quo vadis, Wolfratshausen: Welche Entwicklung die Loisachstadt in den nächsten 20 Jahren nehmen sollte, darüber diskutierte Bürgermeister Helmut Forster (re.) mit dem Vorsitzenden der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW), Walter Steinbach (li.), sowie knapp 40 UWW-Mitgliedern. Foto: Sabine Hermsdorf

Wunsch trifft Wirklichkeit

Wolfratshausen - Schlafstadt, Tourismusort und/oder attraktiver Gewerbestandort: Die Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW) wollte am Montagabend von Bürgermeister Helmut Forster wissen, wohin der Weg Wolfratshausens führt.

„Wer Visionen hat, sollte lieber gleich zum Arzt gehen“: Diesen Ratschlag erteilte Altkanzler Helmut Schmidt seinem Genossen Willy Brandt im Bundestagswahlkampf 1980. Ganz anderer Meinung ist UWW-Chef Walter Steinbach: „Es fehlt die Vision“, bilanzierte er nach einem zweieinhalbstündigen Gedankenaustausch mit Bürgermeister Forster. Er spüre keine Aufbruchsstimmung, lautete Steinbachs Eigendiagnose. Er erlaubte sich den „Hinweis“ an den Rathauschef, doch bitte „ein wenig forscher für Wolfratshausen einzutreten“. Steinbach hegt jedoch die Hoffnung, „dass im Hintergrund mehr läuft“, als der Bürgermeister am Montag preisgab.

23 Millionen Euro

investiert

Dass in Wolfratshausen „einiges passiert“, davon ist Forster felsenfest überzeugt. „Vision ist ein toller Begriff, aber ich kann damit nichts anfangen“, holte er die Unternehmer in die Realität einer knapp 18 000 Einwohner zählenden Kommune zurück. 23 Millionen Euro habe die Stadt in den vergangenen drei Jahren investiert, unter anderem in den Rathausumbau, eine neue Obdachlosenunterkunft, die wiedereröffnete Loisachhalle sowie in die Sanierung und Modernisierung der Hammerschmiedschule und der Waldramer Schule. Visionen würden an leeren öffentlichen Kassen („Spenden sind immer willkommen!“) scheitern, so der Rathauschef. Als Beispiel nannte er die von der UWW immer wieder angestoßene Umgehungsstraßen-Diskussion: Ein solches Vorhaben sei nicht förderungsfähig, erklärte Forster den knapp 40 Anwesenden, die etwa 100 Millionen Euro Baukosten müsste die Stadt alleine stemmen. „Da muss man doch ehrlich sein - es gibt definitiv keine Möglichkeit für eine Umgehungsstraße“, schon gar nicht über Nachbargrundstücke, ergänzte der Rathauschef. Im Süden (Geretsried) würde im Falle des Falles ein unantastbares Flora-Fauna-Habitat-Gebiet berührt, im Norden (Icking) gibt es einen Gemeinderatsbeschluss, keinen Quadratmeter der Isartalgemeinde für den Bau einer Umgehungsstraße herzugeben. (cce)

Auch interessant

Kommentare