Zeitreisender Teufel am Königssee

- Markus Neumaier spielt in Jesus-Musical den "Herrn der Finsternis"

Feldkirchen - In sportlicher, legerer Kleidung sitzt Markus Neumaier in seinem bäuerlich-modern mit hellem Holz möblierten Wohnzimmer und schaut über den Garten nach Süden, wo sich schemenhaft die Alpenkulisse abzeichnet. Der waschechte Berchtesgadener lebt seit vier Jahren in Feldkirchen bei Egling, vis-a-vis vom Gasthof Hansch, wo er sich gern mit seinen Stammtisch-Spezln trifft, viel lieber als mit anderen Schauspielern.

"Manche kennen mich vom Fernsehen", sagt er, aber das sei in dieser Runde nicht wichtig. Markus Neumaier freut sich, dass er hier akzeptiert wurde, wie er ist: als "stinknormaler Mensch". Zum Einstand zeigte er im Januar 2003 mit seinen Kollegen von der Münchner Iberl-Bühne, die ihm eine Art zweite Heimat wurde, beim Hansch das Stück "Heiliger Sankt Benedikt". Über die Ostertage, ab 3. April, steht er mit einer gewaltigen Musical-Rolle im Theater am Königssee auf der Bühne: Er spielt den "Herrn der Finsternis" im Stück "2000 Jahre Jesus", einer Erfolgsproduktion des Komponisten Klaus Ammann und der Regisseurin Barbara Mende.

Jobben am Skilift und Platteln am "Platzl"

Bühnenluft schnupperte Neumaier schon mit dreieinhalb Jahren, als er von seinem Vater, einem Münchner Musikanten und Schuhplattler, das Platteln lernte. "Meine Mutter spielte im Berchtesgadener Bauerntheater. Da habe ich hinter der Bühne alles mitbekommen." Und er konnte den Akteuren bald ihre Texte einsagen. Mit zehn Jahren spielte er in Alfred Vohrers Neuverfilmung von Ludwig Ganghofers "Edelweißkönig" seine erste Filmrolle, den kleinen Sohn von Adrian Hoven.

Auf Drängen seines Vaters lernte er erst ein solides Handwerk - Gas-Wasser-Installateur - worüber er heute froh ist. "Ich kenne das Leben", sagt Neumaier. In seinen harten Anfangsjahren als Schauspieler fuhr er auch mal Bier und Papier aus, jobbte am Skilift oder bei einem Installateur und trat im Münchner "Platzl" und im Hofbräuhaus als Schuhplattler auf. "Seit 1987 habe ich ausgeholfen beim Chiemgauer Volkstheater und anderen Volksbühnen", erinnert sich der Berchtesgadener. Zwei Jahre später entschied er sich dafür, sein Hobby zum Beruf zu machen, da er sich vor Angeboten kaum mehr retten konnte: Seine Natürlichkeit, die von keiner Schauspielschule verbogen wurde, war und ist gefragt. 1990 kam er zur Iberl-Bühne, wo er seitdem festes Mitglied ist und fast täglich auftritt. Er spielte Rollen wie den Räuber Kneißl oder Gagge, den Preisboxer. Georg Maier, das Herz Iberl-Bühne, betrachtet er als seinen geistigen Vater: "Ihm habe ich alles zu verdanken."

Eine Schwäche hat er für die "Bösen": Gauner, Einbrecher oder den zwielichtigen Bergknappen "Pfnüer", den er vergangenes Jahr am Königssee im Musical "Salzsaga" darstellte.

"Jesus möchte ich gar nicht spielen"

Über die "bombastische" Rolle des "Herrn der Finsternis" freut er sich ganz besonders, zumal er erneut als "Lokalmatador" in seiner Heimat auftritt. "Jesus möchte ich gar nicht spielen. Judas - darüber können wir reden." Wenn er im Sprechgesang einige Sätze aus seiner Rolle rezitiert, spürt man ein Vibrieren, eine Magie. "Ich bin ein Zeitreisender", verrät der 38-Jährige. Er stiftet Herodes zum Kindermord an, ist der lockende Versucher in der Wüste, erscheint in der Gestalt eines Aufrührers oder Sensationsreporters. Natürlich hat sich Neumaier auch den viel diskutierten Mel-Gibson-Streifen "Die Passion Christi" angeschaut. "Spannung kommt da nicht auf." Dem Film fehlten gute Dialoge. "Ich weiß nicht, ob man das in der heutigen Zeit so bringen muss", meint er zu den drastischen Nahaufnahmen der Gewaltszenen. Für ihn ist Mel Gibson "halt ein cleverer Geschäftsmann". Was unterscheidet das Musical "2000 Jahre Jesus" von anderen Jesus-Produktionen? "Die Brücke zu unserer Zeit", sagt der Darsteller des "Herrn der Finsternis", der den Menschen im Stück einen Spiegel vorhält: den "Dränglern", den "Betschwestern", den Möchtegern-Superstars oder den Fitness-Süchtigen. "Beeindruckend" seien die Massenszenen auf der 500 Quadratmeter großen Doppelbühne, auf der zwölf Profidarsteller, 50 Laienschauspieler und 16 Musiker singen, spielen und tanzen. Die Kreuzigungsszene sei nur kurz, die Peitsche nur musikalisch angedeutet. Die schlichte Botschaft der Produktion - "Glaube, Liebe, Hoffnung" - steht für ihn in Widerspruch zu den "endlosen Diskussionen" über Kopftuch und Kruzifix.

Nicht nur auf der Bühne, auch in seiner Freizeit ist Markus Neumaier ein "wilder Hund". Seine größte Leidenschaft ist das Eishockey. "Letztes Jahr habe ich noch in Reichersbeuern in der Liga gespielt." Vor zwei Jahren gründete er mit Ex-Nationalspielern und Tölzern die Eishockey-Sternstunden-Mannschaft. "Wir haben noch nie verloren", erzählt er stolz.

Zwischen Watzmann und Meeresgrund

In seinem Zimmer hängen zwischen Szenenfotos Mannschaftsbilder. Er bestieg die Watzmann-Ostwand und fährt Bergradl - "warum soll ich Mountainbike sagen?" -, geht Skifahren und Tauchen. "Das ist aktive Erholung für mich." Er sei ein richtiger "Zappelphilipp", sagt Neumaier schmunzelnd. Darum ist es für ihn nichts Ungewöhnliches, wenn er um Mitternacht nach der Vorstellung noch zum Rodeln und auf einen Tee auf den Blomberg fährt.

Veronika Mergenthal

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