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Als liebestolle Hausfrau in Leopardenleggins war Couplet-AG-Mitglied Bianca Bachmann auf der Suche nach dem „Bierbauch-Haserl“.

Zuckersüße Satirepillen

Königsdorf – Einen denkbar ungünstigeren Zeitpunkt hätte sich die Couplet AG für ihren Auftritt in der Königsdorfer Jugendsiedlung Hochland am Samstagabend nicht aussuchen können. Zum einen brannten allerorts die Sonnwendfeuer lichterloh, zum anderen spielte Deutschland gegen Ghana und die WM-begeisterten Fußballfans hatten sich zum Public Viewing in Bars und Biergärten versammelt. Immerhin kamen rund 100 Kabarett-Liebhaber, um sich das neue Programm „Perlen für das Volk“ anzusehen – leider zu wenig fürs angekündigte Sternenzelt.

Der Stimmung tat es dennoch keinen Abbruch. Anstatt zum Kabarett-Ende pünktlich zur WM-Halbzeitpause per Beamer und Leinwand überzuwechseln, forderte das begeisterte Publikum mehr von den herrlich bayerisch-zynischen Kabarett-Schmankerl als Zugaben. Die „Glücksperlen“, die die Couplet AG knapp zwei Stunden ins Publikum warf, hatten ihre Wirkung also nicht verfehlt. Geistreich, satirisch und herrlich banal brachten die vier Kabarettisten Jürgen Kirner, Bianca Bachmann, Bernhard Gruber (Begleitung Diadonische Harmonika) und Berni Filser (Gitarre) in immer neuen Rollen, Sketchen und gesungenen Couplets den oft dubiosen und aberwitzigen Alltagskram aufs Tableau.

Die Kernfrage des Abends lautete: Was ist Glück? Ist es Schokolade oder sind es zuckersüßen Satirepillen – ein Mix aus Politiker-Parodie, Prominenten-Spott und Kleinbürger-Milieu – verabreichten sie dem Publikum ganz direkt, in dem sich Bianca Bachmann immer wieder ins Publikum begab. Ein Gast in der vordersten Reihe wurde so kurzerhand zum Finanzbeamten „Novotny“ ins Bühnenspiel integriert und in einer „fabelhaften Beamtenpatenschaft“ für den Abend adoptiert. Später suchte Bachmann als liebestolle Hausfrau in Leopardenleggings nach den „Bierbauch-Haserln“ im Publikum, denen sie dann sanft über „den Ranzen“ streichelte. Als Spielerfrau „Jacky“ weiß Bachmann, was Sportler glücklich macht, nämlich „Spargelspritz, der macht Spieler spitz“. Gegen politisches Unbehagen hingegen hat die Couplet AG ihr eigenes Rezept und verteilte „Söder-Rectal-Zapferl“ im Publikum.

Schlag auf Schlag reihten sich rotzfreche Persiflagen und Parodien über Gott und die Welt aneinander. Die AG spart auch nicht an Moralpredigten. So lautet etwa ihre abgewandelte Version des bekannten BR-Werbespots „Da bin i dahoam“: „I bin da Herr Pfarrer, und bei meine jungen Ministranten bin i dahoam.“ Die vier preisgekrönten Münchner Kabarettisten sind ihrem Stil treu geblieben. Auch in ihrem neuen Programm sind sie geniale Verwandlungskünstler, Dialektsammler und Musikunterhalter. Beispielsweise Jürgen Kirner, wenn er im breiten Wiener Slang den schmierigen und dubiosen Versicherungsmakler „Rosso von Inkasso“ mimt.

Von Andrea Weber

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