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Auf dieser Fläche zwischen dem bestehenden Industriegebiet und dem Gut Buchberg soll das neue Gewerbegebiet Gelting II entstehen. Weil es sich bei dem Gelände um eine verfüllte Kiesgrube handelt, muss die Stadt für den Straßenbau erst den Untergrund stabilisieren. Das soll nun durch eine so genannte Rüttelstopfverdichtung erfolgen.

Gewerbegebiet Gelting II

Zukunftsprojekt oder Draufzahlgeschäft ?

Geretsried - Bei nur zwei Gegenstimmen hat der Stadtrat am Dienstagabend den Baubeschluss für das neue Gewerbegebiet Gelting II gefasst. So eindeutig das Ergebnis war – die Zweifel an dem Erfolg des millionenschweren Vorhabens mehren sich.

Eigentlich wollte die Stadt noch in diesem Jahr mit dem Verkauf der Grundstücke beginnen. 8,36 Hektar der insgesamt rund zwölf Hektar großen Fläche sind verwertbar. Doch die Erschließung der mit Bauschutt verfüllten Kiesgrube gestaltet sich wie berichtet schwierig. Für alle Baumaßnahmen, so hat ein Gutachten ergeben, müssen Bodenverbesserungen durchgeführt werden. Die Stadt wird dies für den Straßenbau tun. Für die einzelnen Baugrundstücke sind die Käufer selbst verantwortlich.

Nach Prüfung von drei Varianten hat sich die Stadt für eine so genannte Rüttelstopfverdichtung entschieden. Dabei werden Stahlrohre in den Boden eingebracht, so genannte Rüttelsäulen. Die Hohlräume, die beim Herausziehen entstehen, werden mit Schotter verfüllt. Die Maßnahme dauert rund sechs Wochen und kostet etwa 700 000 Euro brutto. Trotzdem soll es bei den ursprünglich veranschlagten Erschließungskosten von 4,2 Millionen Euro bleiben. Die Bodenverbesserung soll im ersten Halbjahr durchgeführt werden, danach werden Kanal- und Wasserleitungen sowie die anderen Sparten verlegt. Der Straßenbau erfolgt im nächsten Jahr. Erst dann können auch die Grundstücke bebaut werden.

Gegen die Erschließung des Gewerbegebiets stimmten einzig Volker Witte und Beate Paulerberg von den Grünen. Witte nannte das Bodengutachten „erschreckend“. Seine Fraktion habe immer gemahnt, erst den Untergrund zu untersuchen. „Jetzt haben wir den Salat“, sagte Witte. Er glaubt nicht, dass man mit 4,2 Millionen Euro Erschließungskosten auskommen wird.

SPD-Fraktionschef Hans Hopfner wollte nicht soweit gehen, das Projekt zu stoppen. Dennoch fürchtet auch er, dass das neue Gewerbegebiet für die Stadt ein Draufzahlgeschäft werden könnte. Wenn die Betriebe viel Geld für die Bodenverdichtung ausgeben müssen, werde sich dies auf den Kaufpreis niederschlagen. Hopfner: „Ich habe den Eindruck, dass das Gewergebiet Gelting II kein Erfolgsmodell wird.“ „Gefühle können trügen“, sagte dazu Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei) und warnte davor, das Projekt „kaputt zu reden“. Die Bauwerber seien über den aktuellen Sachstand informiert. „Ich kann ihnen versichern, dass die Preise im grünen Bereich sind und die Stadt nicht draufzahlen wird.“ Das bestätigten Volker Reeh (CSU) und Robert Lug (Freie Wähler), die zusammen mit der Wirtschaftsförderin Annette Hilpert die Gespräche mit über 20 Interessenten führen.

„So ist das Geschäft“, sagte Bürgermeisterkandidat Lug an die Adresse seines Mitbewerbers Hopfner. Man könne nicht erwarten, ein Grundstück 1:1 zu kaufen und zu verkaufen. Natürlich wäre es einfacher, „ein problemfreies“ Grundstück“ zu vermarkten. Aber da man ein solches nicht habe, müsse man sich eben der schwierigen Aufgabe stellen. Wem das zu viel Arbeit sei, so Lug, der riskiere, dass bestehende Betriebe nicht expandieren können und Gewerbesteuereinnahmen wegbrechen.

„Wir haben Gelting II nicht gekauft, um ein Geschäft zu machen. Das ist nicht unsere Aufgabe“, sagte Vize-Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU). Das neue Gewerbegebiet sei eine langfristige und nachhaltige Infrastrukturmaßnahme zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts. Die Gewerbesteuer ist dabei für Meinl „kein Argument“. Es gehe vor allem um Arbeits- und Ausbildungsplätze. Dass die Kosten für das neue Gewerbegebiet gedeckt sein müssen, in diesem Punkt gab er Witte und Hopfner Recht. „Aber ein Geschäft wollten wir damit nicht machen.“ (sas)

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