Zwei halbe Bier am Abend - dann ist Zapfenstreich

- Alkoholausschank in Jugendzentren ist eine Gratwanderung

VON SEBASTIAN BONNEMEIER Geretsried/Wolfratshausen - Nach zwei Bier ist Schluss. So handhaben die meisten Jugendzentren im Landkreis die Gratwanderung zwischen Suchtmittelfreiheit und bewusstem Umgang mit Alkohol. Nach intensiver Diskussion öffnet sich jetzt auch der Saftladen in Geretsried für das Thema.

Im Wolfratshauser Jugendhaus "La Vida" gibt es nach 18 Uhr zwei halbe Bier für Besucher ab 16 Jahren. "Wir hatten die Befürchtung, dass die Jugendlichen Alkohol reinschmuggeln, wenn wir ein vollkommenes Verbot aussprechen", berichtet Jugendhaus-Leiterin Iris Leykamm. Groß sei die Nachfrage aber ohnehin nicht, was die Sozialpädagogin nicht nur darauf zurückführt, dass Bier im "La Vida" dreimal teurer ist als alkoholfreie Getränke. "Die Jugendlichen brauchen`s einfach nicht", meint sie. Die Regelung biete jedoch Gelegenheit, zum Nachdenken anzuregen.

Diesen Aspekt hält auch Kreisjugendpfleger Heinfried Barton für besonders wichtig. "Den bewussten Umgang mit Alkohol muss man lernen", glaubt er. "Wenn kein Bier ausgeschenkt wird, besorgen die Jugendlichen es sich woanders - eine bewusste Auseinandersetzung mit der Thematik findet dann aber nicht statt."

Im Geretsrieder Ein-Stein haben die Betreuer Fragebögen verteilt. "Die Jugendlichen haben sich für einen Bier-Ausschank ausgesprochen", berichtet Mitarbeiterin Irina Pfafenrod. Die Beschränkungen sind im Ein-Stein dieselben wie in Wolfratshausen. Pfafenrod: "Die Jugendlichen akzeptieren diese Grenzen."

Seit der Eröffnung vor 20 Jahren gehört die Suchtmittelfreiheit zum Konzept des Saftladens in Geretsried. Angesichts der Situation im Ein-Stein hat der Trägerverein Jugendarbeit laut Sozialpädagoge Oliver Spalt aber vergangenen Monat beschlossen, die Jugendlichen mit in die Entscheidung einzubinden. Innerhalb eines Rahmens, der weitgehend dem im "La Vida" entspricht, können die Mitbestimmungsgremien den Alkoholausschank regeln. Halbjährlich soll diese Regelung mit den Sozialpädagogen neu diskutiert werden. "Der Koordinationskreis hat sich gegen Alkohol während des normalen Betriebs ausgesprochen", erklärt Spalt. Nur während größerer Veranstaltungen, etwa Open-Air-Konzerten, befürworteten die Jugendlichen Alkoholika. Spalt: "Dieser eingeschränkte Alkoholausschank wird nach der Vorstandssitzung des Trägervereins im April erfolgen."

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