Zwei Jahre Jugendstrafe für 17-jährigen Sexualstraftäter

- Wolfratshauser muss umgehend stationäre Therapie antreten

VON SEBASTIAN BONNEMEIER Wolfratshausen/München - Zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren wurde gestern in nicht öffentlicher Sitzung ein 17-jähriger Sexualstraftäter aus Wolfratshausen verurteilt. Das Amtsgericht München hob den Haftbefehl auf und wies den Jugendlichen an, innerhalb von drei Tagen eine stationäre Therapie anzutreten. Nach Ablauf von vier Monaten wird über eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung entschieden. "Dies wird bei vorbehaltloser Mitarbeit meines Mandanten an der Therapie der Fall sein", erklärte Verteidiger Wolfgang Bendler gestern gegenüber unserer Zeitung.

Wie berichtet war der Prozess am Dienstag vergangener Woche unterbrochen worden, um dem Jugendlichen ein Aufnahmegespräch in einer Therapie-Einrichtung in Rheinland-Pfalz zu ermöglichen. "Dieses Gespräch ist erfolgreich verlaufen", bestätigte Bendler.

Mit dem Urteil orientierte sich das Jugendschöffengericht unter Vorsitz der Richterin Ulla Biedler von Bessenyö weitgehend am Antrag der Verteidigung: Wolfgang Bendler hatte ein Jahr und sechs Monate bei sofortigem Therapiebeginn beantragt. Staatsanwältin Claudia Gehri hatte eine Vollzugsstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert.

Kindesmissbrauch in 38 Fällen

Sexuellen Missbrauch von Kindern in 38 Fällen, davon in einem Fall mit sexueller Nötigung, hatte die Staatsanwaltschaft München I dem Wolfratshauser zur Last gelegt. Der damals 16-Jährige war am 3. Juni vergangenen Jahres verhaftet worden, am 11. Dezember 2002 wurde Anklage erhoben. Die sexuellen Handlungen an zwei Mädchen und fünf Buben sollen entweder im Sommer 2000 oder im Sommer 2001 begonnen haben - "der genaue Zeitpunkt ließ sich auch in der Hauptverhandlung nicht mehr rekonstruieren", berichtete Bendler.

Der schwerwiegendste Anklagevorwurf bezog sich nach Aussage des Anwalts auf den mehrfachen sexuellen Missbrauch an einem zur Tatzeit neunjährigen Mädchen. An den Geschehnissen waren teilweise auch andere Buben beteiligt, gegen die das Verfahren wegen Strafunmündigkeit jedoch eingestellt wurde. "Daraus resultiert die hohe Anzahl an Tatvorwürfen gegen meinen Mandanten - die anderen Jungen sind nur Opfer, weil sie zur Tatzeit unter 14 waren, sonst wären auch sie Täter", sagte Bendler. "Deren Eltern sollten nicht glauben, dass das eigentliche Problem ad acta gelegt ist, nur weil einer jetzt verurteilt wurde."

Weitere Vorfälle ereigneten sich in der Beziehung des Angeklagten zu seiner anfangs noch nicht 14-jährigen Freundin. Diese räumte vor Gericht jedoch ein, dass alle sexuellen Kontakte einvernehmlich erfolgt seien. Schon während des Ermittlungsverfahrens fallen gelassen wurde der Vorwurf der Vergewaltigung eines anderen Mädchens. Bendler: "Die Aussage des angeblichen Opfers war völlig unglaubwürdig."

"Kein atypisches Sexualverhalten"

Positiv für den Angeklagten wirkte sich das Ergebnis der psychologischen Beurteilung aus: Der Gutachter bescheinigte dem 17-Jährigen eine "hinreichende Motivation für therapeutische Maßnahmen". Zudem sei er "nicht aggressiv" und habe "über das Geschehene hinaus kein atypisches Sexualverhalten".

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