Zwischen Kabeljau und edlem Zander

- Der Politische Aschermittwoch der CSU

VON SABINE SCHÖRNER Geretsried - Geretsried ist nicht Passau, und Dr. Thomas Goppel ist nicht Ministerpräsident. Und so war der Politische Aschermittwoch des CSU-Ortsverbandes in den Ratsstuben eher gebackener Kabeljau als edler Lachs oder Zander. Rund 150 Gäste waren zum Fischessen gekommen, darunter die gesamte CSU-Landkreis-Prominenz. Auch eine Reihe von Hochschul-Professoren begrüßte CSU-Ortsvorsitzender Gerhard Meinl. "Bildung, der Rohstoff für die Zukunft", darüber wollte Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Thomas Goppel an diesem Abend reden.

Die Zeit bis zum Eintreffen von Landrat Manfred Nagler und dessen Vize, CSU-Kreischef Martin Bachhuber, nutzte Instrumentenbauer Meinl für Werbung in eigener Sache. "Musik macht intelligent", sagte er und bedauerte, dass nur zehn Prozent der Deutschen diese Chance nutzen. Auf der Bühne saßen rund 20 angehende Musikpädagogen: der 1. Klassenmusizierkurs der Musikhochschule München unter Leitung von Bernd Schumacher. Goppel verglich das Zusammenspiel des noch jungen Ensembles später mit dem der Mitglieder der Europäischen Union.

Ins Straßburger Parlament will Dr. Gabriele Stauner am 13. Juni wieder einziehen. "Wir haben uns vergewissert, dass keine ukrainischen Geheimdienstbeamten mitgekommen sind", begrüßte Meinl die Europa-Abgeordnete. Wegen ihrer Recherchen über verschwundene Babys in der Ukraine war auf die Wolfratshauserin wie berichtet ein Geheimdienstgeneral angesetzt worden. Dass es mit Listenplatz 10 für Stauner schwer werden wird bei der Wahl, räumte Goppel ein. "Wir brauchen eine gute Wahlbeteiligung, damit wir eine bayerische Vertretung in Europa haben."

Cornelia Irmer und ihre "Phobie gegen Parteien"

In Geretsried könnte die Wahlbeteiligung höher ausfallen. Zeitgleich mit der Europawahl stellt sich CSU-Bürgermeister Hans Schmid zur Wiederwahl. Seine parteifreie Herausforderin Cornelia Irmer saß am Mittwoch am anderen Ende des Saals. "Woher kommt Ihre Phobie gegen Parteien?", fragte Meinl in ihre Richtung. 90 Prozent der Beschlüsse im Stadtrat würden einstimmig gefasst. Auch beim Thema Suchthilfe habe man "über die Parteigrenzen hinweg" gegen das Bürgerbegehren gestimmt. Man dürfe die Stadtpolitik nicht isoliert betrachten, erklärte Meinl weiter. "Die ganze Politik ist auf die kommunale Ebene herunterzubrechen" - auch die in Europa. Die Ausweisung von FFH-Gebieten habe Auswirkungen auf die S-Bahn-Verlängerung. Die EU-Erweiterung habe Einflüsse auf die Finanzlage in Bund, Land und Kommune. Meinl gab allen Geretsriedern den Rat, die Haushaltspläne zu lesen - "auch wenn es langweilig ist". Jährlich 600 000 Euro für die Musikschule, Investitionen von 26,7 Millionen Euro in den vergangenen zwölf Jahren. "Es ist unglaublich was sich diese Kommune leistet" sagte der CSU-Ortschef unter dem Beifall der Zuhörer.

Damit hatte Minister Goppel das Wort. Mit einem Witz zum Politischen Aschermittwoch stieg er ein. An diesem Tag seien die kantigen Sätze erlaubt, die sich die Politiker angesichts der Medienpräsenz sonst abgewöhnt hätten, meinte Goppel. Er selbst gab sich allerdings wenig kantig. Nach einem langen Prolog über den Wettbewerb in Europa ("Wir riskieren, ins Mittelmaß abzusacken") verteidigte er die schnelle Einführung des achtjährigen Gymnasiums. Im Jahr 2012 drängten in acht Bundesländern doppelte Abiturjahrgänge an die Hochschulen, dem müsse Bayern zuvorkommen. Als "dumm" bezeichnete Goppel die Vorschläge von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, Spitzen-Universitäten zusätzlich zu fördern. "Elite entwickelt sich nicht nach dem Geld, sondern nach dem Geist", sagte Goppel und skizzierte grob seine Reformpläne. Mit dem allgemeinen Appell, "Wir brauchen keine Nörgler, sondern Entscheider", schloss der Minister nach einer Stunde seinen Vortrag. Es gab freundlich langen Beifall.

Auch interessant

Kommentare