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"Zynisch und unerträglich"

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Mobilfunkkritiker Schmidt wiederholt Nazi-Vergleich - die Politik geht empört auf Distanz.

Als "völlig indiskutabel" bezeichnet der Kochler SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel die Aussagen Schmidts. Der hatte wie berichtet bei einem Gedankenaustausch mit der CSU-Politikerin Ilse Aigner festgestellt, dass Mobilfunkkritiker "in eine Ecke wie im Dritten Reich" gedrängt würden. Gottlieb Pischeltsrieder aus Icking sagte in der selben Veranstaltung: "Wir Elektrosensible werden behandelt wie Juden und Zigeuner damals."

Initiativen-Sprecher Schmidt schickte unserer Zeitung einen mehrseitigen "Veranstaltungsbericht". Darin findet sich kein Wort der Entschuldigung -­ im Gegenteil: Es sei "mit den Zuständen im Dritten Reich vergleichbar, dass keiner der Verantwortlichen heute wie damals hinschaut und das Leid der Betroffenen zur Kenntnis nimmt", so der Wolfratshauser.

Schmidt kündigt in dem Schreiben weitere Info-Veranstaltungen an: Mit dem Leiter des Tölzer Gesundheitsamtes, Dr. Franz Hartmann, mit Klaus Barthel sowie mit Stadträten der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW). Unisono lehnen die Eingeladenen ein Treffen mit den Mobilfunkkritikern allerdings ab: Bevor sich Schmidt und Pischeltsrieder nicht öffentlich für die "unvorstellbaren Aussagen" entschuldigt hätten, "ziehen wir unsere Zusage für ein Treffen zurück", sagt Wolfratshausens Dritter Bürgermeister Helmut Forster (BVW).

Gesundheitsamtschef Hartmann hatte einem Termin am 18. Oktober in Königsdorf zugestimmt: "Der wird natürlich nicht stattfinden, wenn sich die betreffenden Personen nicht vorher öffentlich entschuldigen." Er sei "fassungslos", sagt Hartmann, dass Schmidt und andere "die Leiden der NS-Opfer mit den Beschwernissen der Mobilfunkkritiker vergleichen".

"Die Vergleiche müssen vom Tisch", betont Barthel, der im Dezember den Mobilfunkkritikern in Geretsried Rede und Antwort stehen wollte. "Aber solange solche völlig unangemessenen Vergleiche im Raum stehen, ist keine sachliche Diskussion möglich."

Die Grünen-Kreisrätin Carola Lössl verlangt von Hans Schmidt -­ er ist pikanterweise mit der Kreissprecherin der Grünen verheiratet ­-, persönliche Konsequenzen zu ziehen: Schmidt solle sich entschuldigen und zurücktreten. Die "grauenvollen Leiden der Juden und Zigeuner im Dritten Reich" mit "gesundheitlichen Störungen bei guternährten Elektrosensiblen zu vergleichen, ist zynisch und unerträglich". (cce)

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