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Blick nach oben: Prof. Harald Kurzak (li.) und Bürgermeister Christoph Göbel bei der Vorstellung der Pläne.

St 2063 neu im Kreuzfeuer der Bürgerbeteiligung

Gräfelfing - Die Planungen zur Umgehungsstraße St 2063 neu sind im Bürgerhaus vorgestellt worden. Aus dem Publikum kamen viele kritische Nachfragen, vereinzelt Häme und Unterstellungen – aber auch Lob.

Wer als Gutachter und Planer für die Gemeinde Gräfelfing arbeitet, darf in Zeiten von Bürgerbeteiligung und Wutbürgertum nicht dünnhäutig sein. Prof. Harald Kurzak, der seit 40 Jahren die Verkehrsströme der Region berechnet und prognostiziert, musste sich anhören, „Dinge absichtlich falsch dargestellt“ zu haben und „ein Meister in der Kunst des Weglassens und Verschweigens“ zu sein. Ein anderer Redner unterstellte sämtlichen Experten eine Gefälligkeitshaltung nach dem Motto „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Und ein dritter Zuschauer attestierte dem Bürgermeister, lediglich „sein Baby“ durchbringen zu wollen und drohte schon mal einen Bürgerentscheid an.

Es gab auch sachlichere Wortmeldungen. Joachim Bender (Grüne) mahnte die Offenlegung der Kosten an, was der Bürgermeister, wie schon in öffentlicher Sitzung, umgehend tat: 27 Millionen Euro kostet die Straße ohne Grunderwerb; einen Teil davon zahlt der Staat. Und 400 000 Euro setzt die Gemeinde für die Planung an. Joachim Bender lehnte das gesamte Projekt als „Riesenpopanz“ mit schlechtem Kosten-Nutzen-Verhältnis ab.

Fritz Köhle nannte die Umgehungsstraße „phantastisch“, doch bezweifelte er die Funktionstüchtigkeit der Würmtalstraße, in der die Verkehrsmenge sich verdoppeln wird, und sagte, er sei froh, nicht dort zu wohnen. Franz Lang, Initiator des Bürgerbegehrens gegen das Biomasse-Heizkraftwerk, lehnt auch dieses Projekt vehement ab. Er kritisierte die Umwege, zu denen mancher Gräfelfinger durch den geplanten Teilrückbau der bisherigen Staatsstraße gezwungen werde. Eine Bewohnerin der Heitmeiersiedlung monierte, weiterhin „auf einer Verkehrsinsel“ leben zu müssen.

Auch den Ärger von Planeggs Bürgermeisterin Annemarie Detsch zog Prof. Kurzak sich zu, die dem Sachverständigen nach der Veranstaltung vorwarf, sich Entscheidungen des Planegger Gemeinderates angemaßt zu haben. Kurzak hatte, wie auch einige Redner, klar gemacht, dass die Weiterführung der Umgehungsstraße nach Süden sinnvoll und nötig sei – und auch kommen werde. Prof. Kurzak: „Planegg wird nachziehen müssen, denn der Verkehr wird drücken. Aber wenn niemand anfängt, baut auch niemand weiter.“

Friedrich Schreiber befürwortete das Projekt ausdrücklich und nannte es überfällig. „Es grenzt an Schwachsinn, den Verkehr aus drei Gewerbegebieten auf die alte Dorfstraße zu leiten, wenn dahinter Platz ist.“ Dies sei ein „Versäumnis und trauriges Erbe“ anderer Generationen.

Mit Rudolf Pongratz befürwortete schließlich ein Anwohner des Quartiers Würmtalstraße das Projekt und dankte Bürgermeister Göbel für die Initiative. Allerdings sei eine Fortführung bei Martinsried dringend geboten.

Über die weiteren Zeitabläufe sagte Göbel: „Ich habe den festen Entschluss, dass in dieser Legislaturperiode über die Umgehungsstraße entschieden wird – so oder so.“

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