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Tempokontrolle in Gräfelfing: Im Würmtal überwachen Polizei und der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit. 

60 Jahre Radarkontrolle

Raser um Ausreden selten verlegen

Würmtal - Vor 60 Jahren wurde in Deutschland die Radarkontrolle eingeführt. Temposünder sind bis heute um Ausreden nicht verlegen, wenn es darum geht, ihre Raserei zu rechtfertigen – auch im Würmtal.

Bis Schleier, Schleppe, Brautkleid für eine Hochzeit richtig sitzen, das dauert. Endlich kann der Vater seine Tochter in die Kirche fahren. Los geht’s – und schon blitzt’s. Wolfgang Braun vom Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland, der für die Verkehrsüberwachung in den Würmtal-Gemeinden zuständig ist, muss laut lachen, wenn er an dieses Radarfoto denkt: Vorne im Bild der fröhliche Brautvater, hinten eine sichtlich aufgeregte Braut. In Gedanken ganz woanders, und natürlich viel zu schnell unterwegs. Die Kontrolleure von Zweckverband und Polizei, die auf den Straßen im Würmtal die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen überprüfen, kennen keine Gnade. Auch nicht bei Hochzeiten.

Am 21. Januar vor 60 Jahren wurde in Düsseldorf der erste Feldversuch mit einer Radarfalle gestartet. Ab 1958 wurde das Modell in Serie hergestellt. Inzwischen gibt es unterschiedliche Messmethoden. Auch die Ausreden der Raser sind vielfältig. „Es gibt Rechtfertigungsgründe“, sagt Braun. In Planegg zum Beispiel hätten seine Kollegen einen Autofahrer erwischt, als dieser 41 Stundenkilometer zu schnell durch den Ort gerast sei. „Das war richtig heftig“, sagt Braun. Wie sich herausstellte, hatte man die Polizei geblitzt. Eine Streife auf Verfolgungsjagd rechtfertigt überhöhte Geschwindigkeit. Andere Ausreden haben keine guten Aussichten, was die Einstellung des Bußgeldverfahrens betrifft. Der Motorradfahrer, der 50 km/h zu schnell durch Krailling raste, die Autofahrer, die rund 40 km/h zu schnell durch Tempo-30-Zonen in Gräfelfing und Neuried rauschten, mussten die Konsequenzen für ihr Handeln tragen, berichtet Braun.

Rechtfertigungen für ihre Temposünden finden Autofahrer oft mit viel Phantasie: Man habe den Verkehr nicht aufhalten wollen. Oder: Der Wind habe das Fahrzeug angeschoben. „Es ist nicht so, dass sich jeder gegen Strafen wehrt“, sagt Braun. „Das meiste wird einfach bezahlt.“ Aber es gebe eben auch Querulanten. Oder wie Josef Schmid, Mitarbeiter Verkehr in der Gautinger Polizeiinspektion, sagt: „Ausreden finden’s immer welche.“ Manche behaupteten, sie hätten das Temposchild nicht gesehen. „Dabei schaut der Messtechniker vorher, ob man das Schild erkennen kann.“ Eine sehr häufige und beliebte Ausrede sei, dass der Temposünder ein dringendes Bedürfnis hatte und auf die Toilette musste, berichtet Schmid. Auch deshalb dürfe allerdings keiner aufs Gas drücken. Bei groben Verstößen recherchieren Braun und seine Kollegen sogar, ob der Betroffene gerade auf dem Weg nach Hause oder von Zuhause war, ob er also vielleicht gerade noch eine Toilette in seiner Nähe hatte. Der Bußgeldbescheid lasse sich dann eventuell besser begründen und einem Einspruch durch den Betroffenen könne der Zweckverband dann besser begegnen.

„Natürlich sind manche nicht belehrbar“, sagt Braun. Sie zögen das Verfahren in die Länge, um ein drohendes Fahrverbot zu verzögern. Und nicht nur schriftlich bläst den Kontrolleuren 60 Jahre nach Einführung der Geschwindigkeitskontrolle Wind entgegen. Oftmals würden die Kontrolleure beschimpft, so Schmid. „Das ist reine Abzocke, warum gerade hier“, heiße es dann. „Und dann wird einem gesagt, wo man sich besser hinstellen soll.“ Manche Raser hätten es selbst bei der Kontrolle noch eilig „Machen’s schnell, mir pressiert’s“, bekommt Schmid des Öfteren zu hören. Am liebsten ist dem Polizisten immer noch ein Temposünder, der auch dazu steht und erklärt: „Tut mir leid, ich habe nicht aufgepasst.“

Victoria Strachwitz

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