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600 Enten schwimmen um die Wette

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Entenrennen an der Würm bei der Gräfelfinger Friedenskirche
766df741-2aa7-4d33-9cc9-a66d9f0de3e7.jpg © Michael Schönwälder

Ein Raunen geht durch die Menge, dann ein lauter Schrei: „Sie kommen!“ Es ist ein Riesenspektakel, wenn Hunderte gelbe Gummienten die Würm hinab schwimmen – wie an diesem Samstag.

Würmtal – Nach zwei Jahren Pause startete im Würmtal am Samstag das spannendste „Sportereignis“ der Saison: Das Entenrennen des Vereins „Miteinander“ auf der Würm zwischen den Brücken an der Germeringer Straße und an der Friedenskirche. Ein tüchtiger Platzregen am Morgen hatte noch das Niedrigwasser im Fluss etwas aufgefüllt. Trotzdem waren die Schwimmzeiten der 600 Gummienten die längsten seit Gründung des Vereins vor 18 Jahren.

Spiel-und-Spaß-Oase in Pfarrers Garten

Mittags waren Tische und Bänke – von der Gemeinde entliehen und unter Schirmen und Zelten mithilfe der Feuerwehr bei der Friedenskirche aufgebaut – trocken gewischt, der Grill brutzelte, der Kaffee duftete und das reichhaltige Kuchenbuffet lockte. Selbst die Spiel-und-Spaß-Oase für die Kleinen, wofür der im Urlaub weilende Pfarrer Walter Ziermann seinen Garten zur Verfügung gestellt hatte, war nicht allzu matschig. Die Entlein, die in den örtlichen Geschäften für den Verein verkauft worden waren, konnten mit Zertifikaten versehen einchecken. „Ein bis zwei Minuten geben wir den Letzten noch eine Chance, die bisher dem Wetter nicht getraut haben“, verkündete Anneliese Bradel vom Verein, der mit Erlösen aus verschiedenen Aktivitäten eine Diakonstelle für die Jugendarbeit mitfinanziert.

Termin auf September verlegt

Kurz nach 14 Uhr wurden die Enten zum Start gefahren und möglichst gleichzeitig in die Fluten gekippt. „Einige haben sich geschüttelt, weil´s heuer so kalt war!“ – der Termin war wegen der vielen nachgeholten Veranstaltungen diesmal in den September verschoben worden. Aber alle freuten sich, dass nach zwei Jahren Pause und „online-Rennen“ in den Badewannen wieder ein richtiges gemeinsames Fest möglich war. Die Wiese wimmelte von Familien von Großeltern bis Babys. Kinder und Jugendliche arbeiteten fleißig überall mit. „Ich bin seit meinem zweiten Lebensjahr dabei“, erzählte ein Teenager. Auch die „Asyl-Jungs“, die bereits 2015 zum ersten Mal angeheuert wurden, halfen eifrig, unter anderem am „internationalen Grill“ mit Ali aus Somalia und Richard aus Uganda. Bürgermeister Hermann Nafziger sprach seine Freude über die Einladung aus und dankte dem Verein und den Mitarbeitern vom Bauhof für ihren Einsatz.

„Sie kommen!“

Allmählich stieg die Spannung. Die „Fänger“, Daniel Kleindienst vom Vorstand und sein Team, stiegen unter Applaus in Stiefeln und Wathosen in den Fluss. Peter Sickinger als Inhaber der Fischereirechte hatte sein Okay gegeben und noch dazu Semmeln gespendet. Die Wartenden drängten sich auf der Brücke und an den Ufern, die Kinder fest an der Hand, damit keiner unfreiwillig mitschwimmt. Um 14.27 Uhr erscholl der Schrei: „Sie kommen!“ Aber noch eine halbe Stunde musste man sich gedulden und mit Essen und Trinken zu familienfreundlichen Preisen vorliebnehmen, ehe die letzte Ente ihr Ziel erreicht hatte.

Preis für die lahmste Ente

In feierlichem Zug wurden die zehn Sieger in blauen Eimern auf die Bühne getragen und die Nummern ausgerufen. Die Spannung wurde schier unerträglich. Gutscheine der Bäckerei Vorort, von Intersport und Wortschatz gab es zu gewinnen, Eintritts- und Familienkarten für beliebte Freizeiteinrichtungen. Ein Mädchen aus der Sonnenblumengruppe des Kindergartens darf an der Boulderwand in Thalkirchen klettern, ein Vorschüler im Kletterwald Vaterstetten, andere das Deutsche Museum besuchen oder am Starnberger See schippern. Selbst die „lahmste Ente“ erhielt eine Jahreskarte fürs Pasinger Westbad, um mit ihrer Besitzerin und deren Oma bis zum nächsten Rennen fleißig zu trainieren. Unter den 589 leer Ausgegangenen wurden noch lustige Entchen-Handpuppen verteilt und von den Gemeinden gestiftete Trostpreise verlost.

Alles in allem war es ein tolles „Miteinander“. Diejenigen, die diesmal ohne Preis heimgehen mussten, konnten sich trösten mit einem fröhlichen Familienfest, einer Ente für die Badewanne, einer Gratis-Schulung in Geduld und Frustrationstoleranz und einer neuen Chance für das Rennen im nächsten Jahr.

Friederike Tschochner

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