„Lieder-Gebühren vom Spielgeld abzwacken“: Im Martinsrieder katholischen Kindergarten St. Martin wird gerne gesungen. Leiterin Michaela Sarbinski spielt dazu auf der Gitarre. Foto: rutt

Abkassieren bei den Kleinsten

Würmtal - Weil die Gema Geld für vervielfältigte Liederzettel einkassieren will, blekommen Eltern bei der musikalischen Früherziehung ihrer Kinder keine Kopien mehr.

Noch immer ist nicht geklärt, ob der Freistaat einen Pauschalvertrag aushandeln kann, um Kindergärten, -tagesstätten und vorschulische Einrichtungen weitere Hürden zu ersparen. Diesen hatte die Musikrechte-Gesellschaft Gema im Namen der urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaft VG Musikedition voriges Jahr Lizenzanträge zugeschickt. Darin mahnt die Gema: Für das Vervielfältigen von Noten und Liedtexten braucht es die Genehmigung des Urhebers beziehungsweise eines Berechtigten.

Diese Klausel gilt seit über 20 Jahren, trotzdem blieb das Verteilen von Liederzetteln in Kindereinrichtungen gang und gäbe. „Jetzt bekommen sie die Möglichkeit, das nicht mehr illegal zu tun“, erklärt Gema-Sprecher Peter Hempel. Doch das kostet: 56 Euro für 500 Kopien, 112 Euro für 1000 Kopien plus Mehrwertsteuer und Verwaltungsaufwand.

„Das ist übertrieben“, findet Ingrid Canepa, Leiterin des Gräfelfinger Kindergartens Sonnenblume. „Wir geben keine Lieder mehr raus“, sagt sie. Gegebenenfalls würden zu bestimmten Anlässen Texte verteilt und wieder eingesammelt.

Auch vom Planegger Gemeindekindergarten bekommen Eltern keine Kopien mehr. „Wir haben das eingestellt“, bedauert die erfahrene Pädagogin Christa Sponfeldner. „Das ist ein Handicap.“ Zwar dürfe sie traditionelle Lieder bedenkenlos verteilen, doch die Abgrenzung des „Kulturguts“ sei nicht eindeutig. Darum gibt sie Eltern Tipps, wo sie sich die Texte beschaffen können, um mit den Kindern zu üben.

Im Martinsrieder Kindergarten St. Martin sind nun Liederbücher für Eltern, die sich über Jahrzehnte bewährt haben, tabu. Mit einem Umfang von je 25 Seiten für 72 Eltern würde eine Gebühr von 168 Euro fällig. „Wir müssten es vom so genannten Spielgeld abzwacken“, sagt Leiterin Michaela Sarbinski. Das bedeutet: Von den 1000 Euro pro Gruppe bliebe für Spiele, Bastelpapier und weitere Utensilien weniger übrig.

Das größte Problem sehen die Betroffenen jedoch nicht in den Kosten. „Es geht mehr um den bürokratischen Aufwand als um den Geldbetrag“, betont Rita Strobel-Brugger, die im Rathaus Planegg für Kinderbetreuung zuständig ist. „Erzieher müssten jedes viertel Jahr Titel, Verfasser und Anzahl der Kopien auflisten, sie der Gema zur Abrechnung vorlegen und gegebenenfalls nachzahlen.“

Dieser Aufwand wäre auch der Chefin des Neurieder Kindergartens am Haderner Weg zu mühsam. „Wir haben genug bürokratischen Aufwand“, klagt Elke Kohlenbeck, die in 40 Berufsjahren Berge von Liedblättern angesammelt hat. „Da weiß ich doch heute nicht mehr, von wem und woher die Texte sind.“ Die Forderung der Gema hält sie schlichtweg für „Schwachsinn“. Gemeindemitarbeiterin Rita Strobel-Brugger hofft, dass es bald - wie bei den Schulen - Pauschalverträge gibt. Dann könnten Eltern ohne weiteres Liedzettel bekommen und zuhause mit ihren Kindern singen, „was ja auch zum Wohl des Kindes ist“.

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