Spaziergang im so genannten Park: Adolf Lorenz vor dem Pentenrieder Maibaum. foto: js

Adolf Lorenz: "In erster Linie bin ich Pentenrieder"

Pentenried - Die Familie von Adolf Lorenz kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Egerland nach Pentenried. Der "Tag der Heimat" bedeutet ihm nichts. Die neue Heimat seiner Eltern umso mehr.

„Servus, Franz Xaver!“ Adolf Lorenz begrüßt einen Nachbarn auf der Straße. Der Mann grüßt zurück. Nicht mehr alle täten das hier, erzählt Lorenz. Denn viele Leute, die neu herzögen, legten wenig Wert auf das Zusammengehörigkeitsgefühl der Pentenrieder.

„Es reicht ihnen, hier ihr Haus zu haben“, sagt Lorenz. Ihm liegt das Miteinander am Herzen: Die Nachbarn helfen sich gegenseitig, sie feiern zusammen, und sie grüßen sich auf der Straße. „Heimat ist ein Gefühl, das mit einem Ort zusammenhängt - und mit den Menschen, die dort wohnen“. Mit zwölf Jahren kam der bald 68-Jährige aus München nach Pentenried. Heute ist er der Vorsitzende des Siedlervereins. Viel kann er erzählen, über den Friedhof, dessen Leichenhalle die Pentenrieder mit Kriegsschutt aus München gebaut haben, oder über den „Park“, wie die Einwohner den kleinen Platz nennen, auf dem der Maibaum steht und wo die ersten Pentenrieder damals versucht haben, einen Brunnen zu bohren. An dieser Stelle hat der Verein 2006 Schaukästen aufgestellt, die die Geschichte des Ortes dokumentieren: In Bayern angekommen bauten die Flüchtlinge die Siedlung neu auf. Sie errichteten Häuser, für die sie zunächst keine Baugenehmigungen hatten, auf Grundstücken, die ihnen noch nicht gehörten.

Neben dem Park liegt der Gasthof Lorenz, den seine Eltern in den 1950er Jahren übernommen haben. Sie stammten aus Franzensbad im heutigen Tschechien. Als sie nach Deutschland kamen, war ihr Sohn zwei Jahre alt. „Das Egerland war die alte Heimat meiner Eltern, und das ist auch immer so geblieben. Aber ihre zweite Heimat war hier“, sagt er. Über ihr früheres Leben hätten seine Eltern nie viel erzählt. „Es ist nicht die Generation, die viel über diese Dinge gesprochen hat.“

Für ihn selbst spielt das Thema „Vertreibung“ keine Rolle. Diskussionen über Vertriebenenpolitik oder die umstrittene Bund-der-Vertriebenen-Vorsitzende Erika Steinbach verfolgt Lorenz als politisch interessierter Mensch, aber nicht als Sohn Betroffener. Seine Heimat ist Oberbayern. „In erster Linie bin ich Pentenrieder. Dann bin ich Kraillinger, und weil ich dort das Reden gelernt habe, fühle ich mich auch ein bisschen als Münchner.“

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