Schutz vor Corona

Altenheim-Betreiber gegen Impfpflicht

  • Victoria Strachwitz
    VonVictoria Strachwitz
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Für medizinisches Personal in Frankreich gilt jetzt eine Impfpflicht. Vertreter von Altenheimen und Krankenhäusern im Würmtal sehen das skeptisch.

Würmtal – Die Pocken wurden mit Hilfe der Impfpflicht ausgerottet. Einzelne europäische Staaten gehen jetzt dazu über, eine Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Altenpflege einzuführen, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen.

„Wir bräuchten keine Impfpflicht“, ist Tilman Götzner, Geschäftsführer der Gräfelfinger Wolfart-Klinik überzeugt. Er schätzt, dass 90 Prozent der Mitarbeiter in seiner Klinik geimpft sind – vor allem die, die Kontakt zu Patienten haben. „Wir haben ein paar, die partout nicht wollen.“ Aber eine Impfpflicht sieht er kritisch. „Es ist traurig, wenn man das braucht, um die Pandemie einzudämmen.“

Auch Doris Schneider, die Geschäftsleiterin Altenheime der Caritas, sagt: „Eine Impfpflicht kann aus unserer Sicht nicht der richtige Weg sein.“ Sie warnt sogar davor. „Bei Mitarbeitenden braucht es weiterhin Überzeugungsarbeit oder mehr Vorteile, aber keine Impfpflicht. Hier ist die Gefahr einer Flucht aus dem Beruf sehr, sehr hoch.“ Rund 70 Prozent ihrer Mitarbeiter in den Einrichtungen Maria Eich in Krailling und St. Gisela in Gräfelfing seien geimpft. Und „es lassen sich immer wieder noch Mitarbeitende nachimpfen“. Bedenken seien sehr unterschiedlich, zum Teil auch unklar.

Im Planegger Waldsanatorium sind mittlerweile über zwei Drittel der Mitarbeiter geimpft. Im Gräfelfinger Rudolf- und Maria-Gunst-Haus sind nach Angaben der Geschäftsführerin Maria Lehr 70 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Eine Impfpflicht hält auch sie für schwierig und führt auch die Persönlichkeitsrechte als Grund an. Sie meint, dass eine Impfpflicht, wenn überhaupt, international gelten müsse, um der Pandemie wirklich Herr zu werden. Dass nicht alle ihre Mitarbeiter geimpft sind, liege zum Teil daran, dass manche zu den Genesenen zählen und sich daher noch nicht impfen lassen können, andere aber sagten: „Ich weiß nicht, was die Nebenwirkungen sind.“

Im Helios-Klinikum München West in Pasing wird daher darauf gesetzt, „unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so umfangreich und transparent wie möglich über die Impfung aufzuklären und ihnen so mögliche Bedenken zu nehmen“, so Sprecher Marten Deseyve. Die Impfquote der bei Helios geimpften Pflegekräfte sowie Ärzte liege aktuell bei über 70 Prozent. „Die Zahl der Mitarbeitenden, die ihre Covid-Impfungen über externe Anbieter (Impfzentren oder hausärztlich) erhalten haben, liegt uns aus Datenschutzgründen nicht vor, sodass die tatsächliche Impfquote deutlich höher ist.“

Doris Schneider meint, was die Altenheime betrifft, sei durch die hohe Impfbereitschaft der Bewohner mittlerweile ein sehr hohes Schutzziel erreicht. Bei den Bewohnern ihrer Einrichtungen in Krailling und Gräfelfing liegt die Impfquote bei rund 90 Prozent. Im Waldsanatorium sind es fast alle Bewohner, so Sprecher Wolfgang Dausch. Und im Rudolf- und Maria-Gunst-Haus ebenfalls 90 Prozent. Schneider sagt, bei sehr wenigen gebe es Bedenken, zum Teil aus medizinischen Gründen, zum Teil durch die Angehörigen. Bei Bewohnern, die palliativ versorgt werden, mache es in der Regel keinen Sinn, noch eine Impfung durchzuführen.

Sollte die dritte Impfung kommen, hoffen die Verantwortlichen in den Seniorenheimen auf bessere Planung und weniger Papierarbeit. „Hier braucht es Vorüberlegungen und Handlungssicherheit für die Einrichtungen und nicht nochmal ad-hoc-Aktionen zu Weihnachten“, so Schneider.

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