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Immer mittwochs verteilen Mitarbeiter des Würmtal-Tisches ab 12 Uhr auf dem Gelände des TSV Gräfelfing Lebensmittel an Bedürftige – darunter ein großer Kreis alter Männer.

Situation seit 2005 verschlechtert

Altersarmut hat sich teils verdreifacht

Die Altersarmut im Würmtal ist nicht alarmierend hoch, aber sie hat deutlich zugenommen. Vor allem in Planegg.

Der Trend ist klar erkennbar. Im Würmtal hat die Altersarmut in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Was Krailling und Gauting betrifft, ist die Entwicklung noch relativ moderat im Vergleich zu den Gemeinden im Landkreis München.

In Planegg ist die Altersarmut am stärksten gestiegen. Dort hat sich die Zahl der Empfänger von Leistungen zur Grundsicherung im Alter innerhalb der vergangenen elf Jahre verdreifacht. Bezogen dort im September 2005 noch 15 Personen über 65 Jahre Leistungen, waren es im September 2016 insgesamt 46. In Neuried hat sich die Zahl im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt (von 9 auf 22), in Gräfelfing ebenfalls (von 22 auf 48). Die Sprecherin des Landratsamtes München, Franziska Herr: „Es muss klar bejaht werden, dass die Altersarmut in den genannten drei Gemeinden zugenommen hat.“ Warum dem so sei, könne sie nicht beurteilen. „Sicher könnte man es in den Kontext der allgemein gestiegenen Lebenshaltungskosten setzen. Dazu haben wir aber keine belastbaren Zahlen.“

Der Leiter des Fachbereichs Sozialwesen im Starnberger Landratsamt, Friedrich Büttner, sagt für seinen Zuständigkeitsbereich, in den auch Krailling und Gauting fallen, ebenfalls: „Die Erhöhung der Altersarmut in den beiden Gemeinden folgt dem allgemeinen Trend in allen Gemeinden. Zuzug ist hier wohl eher weniger dafür verantwortlich. Vielmehr nimmt die Zahl der Rentenempfänger, deren Rente zu gering ist, kontinuierlich zu.“ So ist die Zahl in Krailling von Ende 2005 bis Ende 2015 von 14 auf 25 und in Gauting von 30 auf 53 angestiegen.

Beim Würmtal-Tisch, wo Lebensmittel an Bedürftige abgegeben werden, mache sich dieser Anstieg allerdings kaum bemerkbar, sagt die Verantwortliche Petra Schaber. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre seien zwar etwas mehr ältere Menschen zum Würmtal-Tisch gekommen. Der Zuwachs sei aber nicht eklatant, sagt sie.

Die Zahlen des Landratsamtes München belegen, dass deutlich mehr Frauen als Männer Leistungen beziehen. Herr vermutet, dass Frauen oftmals weniger Rente bezögen, da sie meist weniger lange arbeiteten – bedingt durch Schwangerschaften oder Elternzeiten. Petra Schaber vom Würmtal-Tisch kann allerdings nicht bestätigen, dass zu ihr mehr Frauen kommen, im Gegenteil. „Es ist ein großer Kreis alter Männer.“ Das habe sie sehr gewundert“, sagt sie und hat eine Vermutung: „Offenbar kommen Frauen besser mit ihrer Altersarmut zurecht.“ Was die älteren Männer betrifft, habe sie beobachtet: „Die mögen gerne Fertigprodukte und keine Salate.“

Victoria Strachwitz

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