Anleger um Millionen geprellt

Krailling - Wegen bandenmäßigen Betrugs steht ein 37-jähriger Kraillinger vor Gericht. Mit zwei anderen Männern soll er Anleger um mehrere Millionen Euro geprellt haben.

Er konnte selbst nicht so recht erklären, warum er bei einem betrügerischen Anlagesystem mitgemacht hatte. Offenbar hatte er selbst daran geglaubt. Er sprach von „Garantien“, von „Sicherheiten“ und von „Kontakten zu Händlern der europäischen Zentralbank“. Doch letztlich musste ein 37-jähriger Kraillinger, Unternehmensberater und Gesellschafter einiger Germeringer Kommanditgesellschaften, zugeben, was ihm die Anklage vorwirft. Jetzt steht er mit einem Versicherungskaufmann (54), der zur Tatzeit in Germering wohnte, und einem Anlageberater (58) aus Buttenwiesen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs vor dem Landgericht München II.

Alle drei sind in Untersuchungshaft. Um mehr als 2,8 Millionen sollen sie Anleger geprellt haben. Darüber hinaus sollen der Kraillinger und der Buttenwiesener Anlegern mehr als 600 000 Euro abgeknöpft haben. Der Ex- Germeringer allein habe noch einmal 200 000 Euro abgezweigt - außerdem soll er im Germeringer Büro eine Gaspistole gebunkert haben, mit der man Patronenmunition verschießen konnte. Der 54-Jährige hat ebenfalls über seinen Anwalt alle Vorwürfe einräumen lassen. Der dritte Angeklagte wird sich erst noch äußern. Das Geld soll für Glücksspiel, Autos und ein Boot drauf gegangen sein.

Zunächst wurde laut Anklage eine Firma in Panama gegründet, um bei einer anderen Firma Gelder anzulegen - diese gehörte einem Geschäftspartner, der bereits 2010 wegen Betrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war. „2009 wollte man davon wegkommen“, sagte der Kraillinger, „weil Panama nicht so einen tollen Ruf hatte.“

Ab Juli 2009 wurden diverse Kommanditgesellschaften (KG) in Germering gegründet. Der Kraillinger wurde persönlich haftender Gesellschafter der jeweiligen Firma und Buchhalter. Die Anleger sollten über dieses Unternehmen wiederum einer weiteren, kroatischen Firma Kapital überlassen. Pro Kalenderquartal sollten neun bis 18 Prozent Zinsen herausspringen. Das Geld sei jedoch nur verwendet worden, um vermeintliche Erträge an Anleger auszuzahlen, Provisionen an Vermittler zu zahlen und Betriebs- und Lebenshaltung der Männer zu bestreiten.

Vor Gericht versuchte der Kraillinger immer wieder, sein Vorgehen zu erklären. Man habe ihm gesagt, die Gelder seien sicher; er sei davon ausgegangen, dass der 54-jährige Kompagnon über genügend Kontakte verfüge. „Angeblich gibt es ein weltumspannendes Trading- Netz.“ Der Vorsitzende Richter Martin Rieder lachte darüber: „Das gibt es angeblich schon seit Jahrzehnten. Wenn das funktionieren würde, würde ich hier nicht sitzen.“ Der Kraillinger muss sich auch wegen Untreue verantworten: Mehr als 300 000 Euro habe er mit einer Vollmacht vom Konto einer pflegebedürftigen Frau (89) aus Wolfratshausen abgeräumt. „Das tut mir fürchterlich leid“, entschuldigte er sich. Der Prozess dauert an.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ein Geschenk am idealen Standort“
„Ein Geschenk am idealen Standort“
Gustl Bayrhammer: Steter Kampf gegen das „Seppl-Image“
Gustl Bayrhammer: Steter Kampf gegen das „Seppl-Image“
Tests zeigen: UVC-Strahlung tötet Coronavirus ab - Entdeckung könnte vieles verändern
Tests zeigen: UVC-Strahlung tötet Coronavirus ab - Entdeckung könnte vieles verändern

Kommentare