Silke Güther von der Fahrschule International Driving School in Gräfelfing (hier mit Mario am Steuer des Audi E-Tron) sieht im Online-Unterricht einen großen Pluspunkt – für Fahrlehrer wie auch für die Schüler.
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Silke Güther von der Fahrschule International Driving School in Gräfelfing (hier mit Mario am Steuer des Audi E-Tron) sieht im Online-Unterricht einen großen Pluspunkt – für Fahrlehrer wie auch für die Schüler.

Öffnung nach dem Lockdown

Ansturm auf die Fahrschulen

Die Fahrschulen im Würmtal sind wieder geöffnet. Nach über neun Wochen pandemiebedingter Zwangsschließung werden sie jetzt mit Arbeit überschüttet.

Würmtal – „Der Andrang ist riesig, das wird lustig mit den Fahrprüfungen“, sagt Florian Erlacher, Ausbildungsfahrlehrer und Inhaber von „Flo’s Fahrschule“ in Planegg und Stockdorf. Mit FFP2-Maske, Abstand, regelmäßigem Desinfizieren und Unterbrechungen zum Lüften sind Theorieunterricht, Fahrstunden und Fahrprüfungen wieder zugelassen. Neu ist die Möglichkeit des Online-Theorieunterrichts, den die Fahrschulen seit Kurzem beantragen können.

Noch keine finanzielle Unterstützung

In Flo’s Fahrschule findet der Theorieunterricht nun online über Zoom statt und „funktioniert mit Flipchart und Videos super“, so Florian Erlacher. Was die Fahrstunden angeht, seien er und seine drei Kollegen „voll im Einsatz“, um alle Schüler schnellstmöglich auf die aufgeschobenen Fahrprüfungen vorzubereiten. Wenn es nicht so einen Mangel an Fahrlehrern gäbe, würde Erlacher „sofort zwei weitere einstellen“. Der Ansturm der Führerscheinanwärter sei enorm – Fahrlehrer würden aber überall händeringend gesucht. Auf die Rückzahlung des Kurzarbeitergeldes, das er für seine Mitarbeiter vorgestreckt hat, und finanzielle Unterstützung für den zweiten Lockdown wartet Erlacher immer noch – und ist damit nicht der Einzige.

Auch Julia und Stefan Fehr, Inhaber der Fahrschule Fehr in Neuried, bezeichnen die Lage als schwierig: Insgesamt vier Monate mussten die Fahrschulen seit Ausbruch der Pandemie geschlossen bleiben – ohne Einkommen und mit laufenden Kosten. Während des ersten Lockdowns haben Julia Fehr und ihr Mann einen Kredit aufgenommen. Um den zweiten Lockdown zu überstehen, musste das Ehepaar privat Geld investieren.

Das vorgestreckte Kurzarbeitergeld komme laut Julia Fehr „meist erst vier Wochen später, und die Verluste, die wir zu verzeichnen haben, sind hoch“. Auch hätten nicht alle Führerscheinanwärter Verständnis dafür, dass sie zurzeit vorübergehend auch mal länger auf die nächste Übungsstunde warten müssten. „Manche Fahrschüler drohen sogar mit dem Fahrschulwechsel“, erzählt Julia Fehr. Wohin ist unklar, schließlich hat momentan wohl jede Fahrschule damit zu kämpfen, die durch die Zwangsschließung verloren gegangene Zeit wieder einzuholen. Trotz guter Aufstellung sucht auch das Team der Fahrschule Fehr noch weitere Fahrlehrer zur Unterstützung.

Die Theoriestunden finden weiterhin vor Ort statt. Das zusätzliche Angebot des Online-Unterrichts sei nur unter strengen Auflagen möglich und auch nur bis September zulässig. Bei all der Arbeit und dem Stress, den die Fahrschule mit den nachzuholenden Fahrstunden hat, würde der digitale Unterricht noch mehr Zeit- und Arbeitsaufwand mit sich bringen.

Nur noch neun Prüfungen pro Tag

Roland Diehl von der gleichnamigen Fahrschule in Krailling und Gauting hat „gemischte Gefühle“, was den digitalen Theorieunterricht angeht: Für viele Fahrschulanwärter sei der Online-Unterricht daheim eine gute und sichere Alternative zum Präsenzunterricht. Für die Leute, die kein passendes Endgerät besitzen, müssen die Theoriestunden aber weiterhin vor Ort angeboten werden. Wer beide Formen anbietet, wie Roland Diehl und sein Team, hat dann die doppelte Arbeit. Und davon gebe es seit der Wiederöffnung schon genug. Zusätzlich sorgt auch eine neue Regelung vom TÜV für vermehrten Rückstau bei den Fahrprüfungen: Seit diesem Jahr dürfen nur noch neun Prüfungen pro Tag stattfinden, nicht mehr elf bis zwölf.

„Die letzten neun Wochen zu überstehen war schwer“, sagt Roland Diehl. Was finanzielle Unterstützung für die harte Zeit angeht, habe auch er „noch keinen Cent gesehen“. Seine Rücklagen und etwas von der Rente hätten ihn über Wasser gehalten. Einen kleinen Vorteil bringe wenigstens das viele coronabedingte Lüften: So können die Fahrlehrer die kurzen Pausen sinnvoll nutzen, um den Schülern mehr Technisches am Auto zu zeigen und zu erklären.

Für Silke Güther, Fahrlehrerin und Inhaberin der „International Driving School“ in Gräfelfing, stellt der Online-Unterricht einen „großen Pluspunkt“ dar. „Für Fahrschulen ist das ein positiver Fortschritt“, findet Güther. Gerade für die Fahrschüler sei das eine flexiblere Möglichkeit, die Theoriestunden schnellstmöglich und ohne Fahrtweg nachzuholen.

Lange Zwangspausen „sehr ärgerlich“

Die langen Zwangspausen zwischen den Fahrstunden seien „sehr ärgerlich für die Schüler“ gewesen. Jetzt, wo bald die Abschlussprüfungen bevorstehen, erhöhe sich für einige Führerscheinanwärter auch deutlich der Druck. Nach Güthers Erfahrung verlerne zwar niemand das Fahren, weil er eine Zeit nicht üben konnte, doch würden sich zwischenzeitlich oftmals Unsicherheiten aufbauen. Um wieder ins Fahren rein zu kommen, wären dann häufig zusätzliche Fahrstunden nötig – welche wiederum die Kosten für den Führerschein in die Höhe treiben.

Für die Fahrlehrer ist es laut Güther momentan ebenfalls nicht einfach. Lange waren sie in Kurzarbeit und bauten ihren Resturlaub pandemiebedingt im Winter ab. Positiv habe sich Corona dafür auf die Arbeitszeiten der Fahrlehrer ausgewirkt: „Die waren schon vorher gut und sind durch die vielen Leute im Homeoffice noch mal besser geworden“, so Güther. Weil Fahrschüler, die von zu Hause aus arbeiten, flexibler sind, finden nun auch viele Stunden am Vormittag statt.

Lara Listl

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