Antolinis feuriger Trommelwirbel

- Star-Drummer gab Clubkonzert

VON ANITA ROMAN Gräfelfing - "Wir spielen weder Punk, noch Rock`n`Roll oder Biergarten-Dixie-Musik", wendet sich der Profi-Schlagzeuger Charly Antolini an sein bewusst klein gehaltenes Publikum, das Samstagabend im Café Voltaire zum Schlemmen, Hören und Mitswingen eingetroffen ist. Antolini, der dreimal zum Jazz-Drummer des Jahres gekürt wurde und sich in der Tradition von Buddy Rich, Louie Bellson, Gene Krupa, Sam Woodjard und Jo Jones hören lässt, zeigte, was er kann.

"Leider bekam ich heute", fährt Antolini fort, "um 9 Uhr früh einen Adrelaninschock: Unsere Sängerin Gail Anderson, die Jazzlady der Black Music, rief mich an und sagte, sie habe die Grippe und könne nicht singen." Doch Antolini, der mit berühmten amerikanischen Jazzmusikern wie Sidney Bechet, Albert Nicholas und Bill Coleman gespielt und sogar mit dem "King of Swing", Benny Goodman, zusammengearbeitet hatte, hat natürlich - Profi wie er ist - einen bezaubernden Ersatz aus dem Münchner Raum gefunden: die junge Jazzlady Melanie Barn. Sie macht Lady Day, der berühmten Billie Holiday, nicht nur rein äußerlich durch einen unverkennbaren Holiday-Look (allerdings mit einer schwarzen statt rosafarbenen Orchidee im Haar) alle Ehre, sondern auch mit ihrer "pretty voice".

Außer dem Gesang dieser jungen Lady und Antolinis berauschenden Trommel- und Schlagzeugklängen waren an jenem Abend wunderbare Soli der Stammmitglieder seiner Formation "Jazz Power" zu hören: Steve Hooks` einfühlsames Saxophonspiel, David Gazarovs zwischen Entertainer- und Klassikklängen changierendes Piano und Rocky Knauers Bassgegenstimme.

Im Duett mit dem Saxophon

Neben einem umwerfend dröhnenden Schlagzeugfeuerwerk zeigte Antolini seine Kunst, die Trommel nicht nur zu schlagen, sondern auch zu streicheln, beispielsweise beim groovigen und samtig-seidig von Barn gesungenen "How high the moon". Barn hauchte nach Monroe-Manier "Let`s catch the A-Train" im Duett mit dem Saxophon und flüsterte Antonio Carlos Jobims "Corcovado"-Bossa-Nova-Latin-Jazz ins Mikro. Ein Abend der feurigen Trommelwirbel, jedoch nicht ohne glamouröses i-Tüpfelchen.

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