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An der Münchener Straße ist es derzeit ungemütlich: Anwohner Richard Eck kommt kaum aus seinem Haus. Er muss sich mit mehreren tausend Euro an Bürgersteig-Sanierung und LED-Beleuchtung beteiligen. Insgesamt sollen die Anlieger 570 000 Euro übernehmen.

Straßenausbaubeitragssatzung

Bürger müssen 570 000 Euro zahlen

Die Anwohner und Gewerbetreibenden der Münchener Straße in Gauting werden zur Kasse gebeten. 55 Prozent der Sanierung zahlen die Bürger.

Gauting – Was auf der Münchener Straße passiert, regt zur Zeit viele Leute auf. Die einen stehen wegen der Bauarbeiten im Stau, die anderen leiden unter dem Umleitungsverkehr. Die Anlieger der Straße haben am Donnerstagabend in einer Versammlung im Bosco eine erste Ahnung bekommen, was finanziell auf sie zukommt: Summen in Höhe von bis zu mehreren tausend Euro, die zum Teil heuer noch fällig werden.

Der Unmut unter den etwa 200 versammelten Anliegern sei groß gewesen, berichtet Gemeinderat Richard Eck. Als betroffenen Grundeigentümer hatte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger auch den UBG-Vertreter geladen. „Zu spät“, findet Eck. Denn die Anwohner seien mit der beschlossenen Sanierung bereits vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie müssten die Sanierung des Bürgersteigs und die neue Straßenbeleuchtung mitzahlen. Die eigentliche Straßensanierung übernimmt das Staatliche Bauamt – die Münchener Straße ist eine Staatsstraße.

Wie berichtet, wird das Staatliche Bauamt München die Erneuerung der Münchener Straße am 11. Juli starten. Die Umleitung bereits seit Anfang Juni ist den neuen Leitungen geschuldet, die der Würmtalzweckverband verlegt. Im Zuge der Arbeiten will die Gemeinde Gauting den Bürgersteig erneuern und auch die Straßenbeleuchtung auf LED umrüsten. Die allein dafür zu erwartenden Kosten von rund einer Million Euro stellte sie den Anwohnern in der Versammlung vor. 55 Prozent davon, knapp 570 000 Euro, müssen laut Straßenausbaubeitragssatzung die Anwohner bezahlen.

Die Kommune hatte 490 Bürger angeschrieben und zur Versammlung eingeladen. So viele werden allerdings vermutlich nicht zahlungspflichtig sein, meint Bauamtsleiter Rainer Härta. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur verteidigte er den Zeitpunkt des Info-Abends: „Was die Leute am meisten interessiert, ist, was sie an Kosten zu erwarten haben.“ Das sei erst jetzt klar gewesen, und das sei am Donnerstag bei den beauftragten Fachleuten auch vor allem abgefragt worden.

Das Fachbüro hat ausgerechnet, dass pro Quadratmeter 2,81 Euro zu entrichten sind. „Es gibt zudem verschiedene Stellschrauben, die richten sich danach, welches Baurecht auf dem Grundstück ist und ob es gewerblich genutzt ist oder nicht“, sagt Härta.

Jakob Gschwendtner, Miteigentümer des Gasthauses an der Münchener Straße, hat am Donnerstag erfahren, dass zu den 2,81 Euro für seine Immobilie ein 40-prozentiger Zuschlag draufkommt. Denn in seinem Anwesen seien neben vier Wohnungen auch das Griechenlokal „Mythos“ und ein Teppichgeschäft untergebracht. „Unter den Betroffenen gab es Unmut, weil zunächst nämlich gar nicht klar gewesen ist, dass sie nur beim Gehweg und den neuen LED-Lampen mitzahlen müssen“, berichtet Gschwendtner. Für Richard Eck beträgt die Summe voraussichtlich „mehrere tausend Euro“, wie er sagt.

Bürgermeisterin Kössinger verteidigte laut Härta am Donnerstag erst einmal die Existenz der Straßenausbaubeitragssatzung, die Bürger zur Beteiligung an Straßensanierungskosten verpflichtet. Gauting als Kommune, die finanziell nicht gut dasteht, ist zu einer solchen Satzung gesetzlich verpflichtet. Dass die Münchener Straße sanierungsbedürftig sei, stehe dabei außer Frage, unterstrich der Bauamtsleiter. „Die Straße wurde zuletzt vor 45 Jahren erneuert. Schon nach 25 Jahren gilt eine Straße laut Rechtssprechung als verschlissen. Die Sanierung ist längst überfällig.“

Rund 470 000 Euro beträgt der Anteil der Gemeinde Gauting an Gehsteig und LED-Beleuchtung – das sind die 45 Prozent, die sie laut Ausbaubeitragssatzung zu tragen hat. Dazu kommt, was sie als Anlieger der Münchener Straße beisteuern muss. Polizei und Feuerwehr sind auf einem kommunalen Grundstück untergebracht.

Ein Teil der Beiträge wird laut Härta voraussichtlich im Herbst eingezogen. „Die Gemeinde muss ja in Vorleistung gehen“, sagt der Bauamtsleiter. Deshalb wolle sie etwa 60 Prozent des zu erwartenden Bürgeranteils erheben, bevor die endgültige Abrechnung vorliegt. „Die Gemeinde wird von ihrem Recht auf Vorausleistung Gebrauch machen."

Christine Cless-Wesle und Sandra Sedlmaier

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