Wohnungsbau in Gräfelfing

Angriff auf ein Tabu

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Gräfelfing - „Wenn Grün immer Grün bleiben muss, kommen wir nicht weiter.“ Mit unkonventionellen Vorschlägen wollen Pasinger Architekten in Gräfelfing günstigen Wohnraum schaffen.

Dafür, dass die Architekten Lothar Grassinger und Wolfgang Emrich im Gräfelfinger Bauausschuss am Donnerstag ein Tabu-Thema genüsslich filetierten, blieben die Gemeinderäte bemerkenswert ruhig. Beschlossen ist freilich noch lange nichts.

Lieber heute als morgen würde das Büro Grassinger Emrich nämlich die Baulücke zwischen der Heitmeiersiedlung und Pasing zu einem Drittel schließen. Der Eigentümer des Ackers östlich der Pasinger Straße habe sich zum Verkauf von 38 000 m2 Fläche bereit erklärt – zu einem Preis, der unter 500 Euro/ m 2 liegen würde. Bauland in München koste auf dem freien Markt 2000 Euro/m2 und sei damit für den sozialen Wohnungsbau unerschwinglich. Auf dieser Fläche könnten sie dagegen 200 geförderte Wohneinheiten unterbringen – „für Polizisten, Erzieher oder Krankenpfleger“, warben die Architekten.

Als zweite Variante, die bei den Gemeinderäten jedoch gleich auf Ablehnung stieß, schlugen Grassinger und Emrich eine Fläche am Westrand von Großhadern, nördlich der Würmtalstraße, vor. Dieser Acker gehört dem selben Eigentümer und liegt ebenfalls auf Gräfelfinger Flur.

Lothar Grassinger warb engagiert für diese neue Herangehensweise. Für günstigen Wohnraum müssten landwirtschaftliche- oder Grünflächen erschlossen werden, weil nur diese bezahlbar seien. „So könnte man dem Druck Abhilfe schaffen.“ Und dann die höchsten Töne der Marketing-Klaviatur: „Können wir unseren Enkeln gegenüber vertreten, dass sie wegziehen müssen?“

Bürgermeisterin Uta Wüst gab zu bedenken, es sei „unfair“, wenn Gräfelfing stets den Grüngürtel stellen müsse, während seine Nachbarn bis an ihre Grenzen heranbauten. Walter Frank (CSU) und Florian Ernstberger (BVGL) waren dem Vorschlag bei der Heitmeiersiedlung nicht ganz abgeneigt. Und selbst Frank Sommer (Grüne) sagte, die Baurechtsausweisung sei nicht das Hauptproblem. Er befürchte jedoch, dass diese Wohnungen nur kurz bezahlbar blieben und dann dem freien Markt anheimfielen. Sommer: „Dann haben wir ein Strohfeuer entzündet.“

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