Infoabend zu Asyl-Unterkünften

Standortfrage ist entschieden

Planegg  Für eine neue Standort-Diskussion ist keine Zeit, sagt Landrat Christoph Göbel. Die Asylbewerberunterkünfte am Friedhof und im Parc de Meylan werden kommen.

Wie zu erwarten, war der Andrang in Planegg nicht geringer als bei der Informationsveranstaltung Ende Mai in Martinsried: Mehr als 500 Planegger und Martinsrieder strömten am Montag ins Kupferhaus, um sich auf den neuesten Stand in Sachen Asylbewerber-Unterkünfte zu bringen.

Musste sich Bürgermeister Heinrich Hofmann in Martinsried noch alleine den besorgten Fragen und teils hitzigen Wortgefechten der Anwohner stellen, hatte er jetzt Unterstützung durch Landrat Christoph Göbel. Unter einigen Zwischenrufen appellierte Hofmann eingangs an die Bürger, den demokratischen Prozess, die Abstimmung des Gemeinderates für die beiden Standorte Parc de Meylan und Friedhofsparkplatz, zu akzeptieren. Ebenso die Ablehnung des Bürgerantrages aus Martinsried, den Parc de Meylan als Standort für eine Flüchtlingsunterkunft fallen zu lassen. „Ich habe Verständnis dafür, dass es Ihnen schwerfällt, damit einverstanden zu sein“, so Hofmann. „Aber ich bitte Sie: Gehen wir aufeinander zu und widmen uns gemeinsam der großen Aufgabe, diesen neuen Mitbürgern eine Heimat zu geben.“

Der Bau der beiden Unterkünfte für je 50 Personen solle so schnell wie möglich gestartet werden, sagte Hofmann. Er gehe zum jetzigen Zeitpunkt von einem Bauabschluss auf dem Bolzplatz in Martinsried Ende November aus, während die Arbeiten in der Fürstentrieder Straße beim Friedhof früher beendet würden. Auch an Landrat Göbel appellierte der Rathauschef: „Bitte verzichten Sie auf eine Traglufthalle mit 300 Asylbewerbern in Martinsried am Klopferspitz.“ Die Gemeinde habe mit der Turnhallenbelegung im Planegger Feodor-Lynen-Gymnasium ihren Beitrag für die Gemeinschaft bereits geleistet. Dem Helferkreis Asyl und den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung sei nicht mehr zuzumuten. Laut Bürgermeister soll die Turnhalle bis Ende der Sommerferien geräumt werden. Das bestätigte der Landrat. Allerdings könne er sich zu der Problematik Traglufthalle in Martinsried noch nicht festlegen. „Wir benötigen einen siebten Standort. Ob es die Fläche am Klopferspitz sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen“, erklärte er. Fakt sei, dass 3800 Menschen bis Jahresende im Landkreis München untergebracht werden müssten. Wobei die Verteilung sich an der Einwohnerzahl der jeweiligen Gemeinde orientiere. Das bedeute für Planegg bei 10 459 Einwohnern 119 Flüchtlinge. Momentan sind es mit der Turnhallen-Belegung 200. Obwohl es bei dieser Veranstaltung mehr um den Standort Planegg gehen sollte, ergriffen ausschließlich Martinsrieder Bürger das Wort. Kritisiert wurden immer wieder die Standortwahl am Parc de Meylan, die Missachtung der 325 Unterschriften und das Stellen in die „falsche Ecke“ durch die Gemeinderäte. „Ich bin bestürzt, dass wir in die gefühlskalte Ecke gepackt werden, wenn wir uns für den Erhalt unseres Parks einsetzen“, sagte der Martinsrieder Thomas Frank. Monika Schwank, als direkte Anwohnerin am Parc de Meylan, fürchtet einfach um die Sicherheit der Kinder auf dem Spielplatz. Landrat Göbel versuchte die Argumente zu entkräften und zu beschwichtigen: „Ich sehe keinen von Ihnen in der rechten Ecke und verstehe auch ihre Ängste. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber.“ Er sehe den Zustand, dass der Park die Begegnungsstätte der Martinsrieder sei, eher als ideal an. Schließlich müsse die Integration der Kriegsflüchtlinge, von denen an die 90 Prozent sicherlich anerkannt werden, das Hauptanliegen sein. Gegenüber zwei Martinsriedern, die vehement den Park als Standort ablehnten und auch die Häufung der Unterkünfte in Martinsried – am Bolzplatz, eine Traglufthalle – und die Gräfelfinger Großunterkunft in Ortsnähe anprangerten, verschärfte Christoph Göbel kurzfristig den Ton: „Es ist wesentlich leichter einen Standort zu kritisieren, als einen besseren zu benennen. Was heute Abend übrigens noch nicht geschehen ist.“ Und weiter: „Ich muss jede Woche 90 Menschen unterbringen. Es ist keine Zeit mehr für eine neue Suche. Die Gemeinde bietet mir diesen Platz an, und ich werde dieses Angebot nutzen. Das sage ich Ihnen in aller Deutlichkeit.“ Außerdem gebe es zu keinem Zeitpunkt eine gleichzeitige Belegung der Notunterkünfte Turnhalle, Traglufthalle und der gebauten Quartiere. Einen schönen Wunsch in dieser ganzen Debatte hatte an diesem Abend Paolo Puosi. Der hatte zuvor als einer der Koordinatoren für die „Gruppe Turnhalle“ des Helferkreises Asyl einen kleinen Einblick in die Arbeit der 80 Ehrenamtlichen gegeben: „Ich lebe seit 25 Jahren hier in Deutschland und habe viel Offenheit und Freundlichkeit erfahren. Genau das wünsche ich mir auch für die Jungs in der Turnhalle hier nebenan.“

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