Landrat Christoph Göbel informierte die Neurieder über die aktuellen Flüchtlingszahlen im Landkreis.

Investor bietet Areal als Standort an

Asyl-Unterkunft am Hettlage-Gelände?

Neuried - Beim „Politischen Frühschoppen“ der örtlichen CSU sprach Landrat Christoph Göbel zum Thema Nummer eins – die Bewältigung des Flüchtlingszustroms.

In Neuried mit seinen rund 8900 Einwohnern leben bisher nur 14 Flüchtlinge. Im Sommer werden drei Holzmodulhäuser des Gräfelfinger Modells für 96 Asylbewerber gebaut. Höchst anschaulich erläuterte der Gräfelfinger Ex-Bürgermeister, welchen Spielraum er als Münchner Landrat vor Ort hat. Und welchen eben nicht: 16 Prozent der Flüchtlinge in Deutschland „haben wir in Bayern aufzunehmen.“ Denn nach dem „Königsteiner Schlüssel“ stehe der Freistaat an zweiter Stelle – gemessen an der Einwohnerzahl und Finanzkraft. Im Landkreis München müsse man derzeit pro Woche 56 Flüchtlinge aufnehmen. Zu saisonalen Hochzeiten im vergangenen Sommer seien es 144 gewesen, so der Landrat.

Unter den Bürgermeistern im Landkreis München herrsche Konsens „über die Parteien hinweg“, sagte Göbel. Aktuell müssen bis Herbst 9000 Flüchtlinge auf 29 Städte und Gemeinden „gleichmäßig“ verteilt werden. Nur so würden einzelne Orte und ihre Helferkreise nicht überlastet. Das Problem mit dem Flüchtlingsstrom bleibe: „Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht.“ Deshalb „müssen wir in die Arbeit einsteigen.“ Schon nach der Genfer Flüchtlingskonvention hätten aus Kriegsgebieten zugewanderte Syrer, Afghanen, Nigerianer, Eritreer, Verfolgte aus arabischen Staaten oder christliche Minderheiten aus dem Irak mindestens drei Jahre Bleiberecht. Ausnahme seien die zehn Prozent Senegalesen. Der Staat gelte als „sicheres Herkunftsland.“ Doch weil Asylbewerber von dort ihre Reisepässe verschwinden ließen, sei es schwierig, sie wieder abzuschieben, erläuterte Göbel das Problem.

In Neuried gebe es durchaus Handlungsbedarf: 229 Menschen müsste die Gemeinde eigentlich aufnehmen. „Die Ist-Zahl ist 14“ in dezentralen Unterkünften. Am Maxhofweg an der M 4 sollen deshalb wie in Gräfelfing und in Planegg drei Holzständer-Modulhäuser gebaut werden, erläuterte der Landrat. Dort gebe es Platz für 96 Flüchtlinge in Achter-Einheiten. Alternative wäre die Unterbringung in der neuen Mehrzweckhalle. Doch Asylbewerber in der Halle seien die „denkbar schlechteste Lösung für Neuried“, sagte Göbel unter Applaus der zahlreichen Besucher.

Einziges Problem am Standort Maxhofweg sei derzeit noch die Erschließung: „Wir sind dran“, versicherte Bürgermeister Harald Zipfel. Nach jetzigem Planungsstand verlaufe die künftige Zufahrt über einen Radweg, den Schulkinder benutzten, merkte eine Zuhörerin kritisch an. Er verhandle wegen zwei Metern mit einem Grundeigentümer, damit das Gebäude über den rückwärtigen Bereich erschlossen wird, berichtete Neurieds Rathauschef. Aber auch mit den Modulbauten am Maxhofweg „haben wir 119 Asylanten noch nicht untergebracht“, rechnete ein Zuhörer vor: „Werden die dann am Rathaus abgeladen?“

Andreas Lesser, Investor des Hettlage-Geländes Neuried, machte einen konkreten Vorschlag. Da er noch kein Baurecht habe, könne man auf seinem Grundstück mit marodem unbewohnbarem Fabrikgebäude vorübergehend Container aufstellen. „Ich rufe Sie am Montag an“, so der Landrat erfreut. „Werden denn Privatgrundstücke beschlagnahmt?“, fragte eine Neuriederin besorgt. „Das wäre die Ultima Ratio“, wenn alle Möglichkeiten der öffentlichen Hand, wie etwa Bundeswehrflächen, ausgereizt sind: „Ich habe da Vertrauen in die Kommunalpolitik“, sagte Göbel.

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