"Aufbegehren führt zu Kopfverlust": Zwei Kabarettisten mit Einblicken in das Leben

- Räuber Kneißl als Paradigma für den scheiternden Menschen

VON MARTIN BISCHOF Pasing - "Die Woch± fangt ja guad an..." Der Legende nach sollen dies die letzten Worte des berüchtigten Räubers Matthias Kneißl (1876 - 1902) gewesen sein, als er - allerdings an einem Freitag - auf dem Schafott darauf wartete, dass durch das Fallbeil sein Haupt vom Leibe separiert werde. Demgemäß hieß auch das brandneue Duo-Programm von dem einst bayerisch-diatonischen Jodelwahnsinnigen Otto Göttler und dem hintersinnig singenden Bär an der Gitarre Sepp Raith "Aufbegehren führt zu Kopfverlust".

Es wurde jetzt bei einer der immer beliebter werdenden "Kultur & Mehr"-Veranstaltungen im Prinzregent Garten in Pasing aufgeführt. Den zwei passionierten Musikern ist es ausgezeichnet gelungen, mit einem bunt gemischten Instrumentarium die Stationen und Stimmungen im Leben und Sterben des Matthias Kneißl einzufangen. Ob mit temperamentvollem bayerischen Zweigsang, mit Gitarre, Zither, Diatonischer oder eigenwilligen Kombinationen mit der Teufelsgeige und Bachtrompete wie beim "Bürger nach Maß".

Stets fesselten sie das Publikum mit ihren hintersinnigen Umleuchtungen und oft auch in die heutige Zeit transportierten Gleichnissen aus der Lebenstragik von Kneißl.

Mit ihrer nachdenklich schwermütigen Klage "Sicht mi denn koana ned, hea±d mi denn koana ned, gspiad mi denn koana ned, sicht mi denn koana ned?" haben Göttler & Raith dann wohl auch noch ganz nebenbei das erste bayerische Pendant zu dem bekannten "See me, feel me, touch me, heal me"-Ohrwurm aus der Rockoper "Tommy" von The Who geliefert.

Otto Göttler erklärte: "Es wurde zwar ein Mythos vom wilden Räuber aufgebaut, doch hatte er auch immer wieder versucht, sein Geld auf ehrliche Weise zu verdienen. Ist dann aber immer wieder auf die schiefe Bahn geraten. Stets auf der Flucht, hat er nie seine Füße auf den Boden gekriegt. In dem Text zu dem Stück hab± ich also versucht, mich in die Lage des Matthias Kneißl hineinzuversetzen, als er in den verschneiten Wäldern der Gegend zwischen Dachau, Aichach und Friedberg Schutz vor seinen Verfolgern suchte. Ein allzeitig gültiges Sinnbild für Menschen, die auch in der heutigen Zeit ihren Platz in der Gesellschaft suchen und tragisch scheitern."

Ganze vier Zugaben waren der Beweis für ein starkes erstes Programm der Beiden.

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