Belasteter Boden: Auf dem Feld zwischen Butenandt-Siedlung, Friedhof und Fürstenrieder Straße sollen einem Plan von CSU und FDP nach Wohnungen entstehen. f: js

Autos, Kühlschränke und Hausmüll im Boden

Planegg - Ist der Boden östlich des Planegger Friedhofs zu kontaminiert für Wohnungsbau? Dies hatte Bürgermeisterin Annemarie Detsch angedeutet. Ein Gutachten von 1993 gibt Aufschluss.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Bevölkerung rasch mit dem Wiederaufbau der zerstörten Städte. Die Nachfrage nach Kies war besonders hoch. Die Vorkommen zwischen Gräfelfing und Krailling wurden deshalb in großem Stil ausgebeutet, wie sich auf Luftbildern aus dem Jahr 1946 erkennen lässt. Die ausgekiesten Gruben wurden später von den Bürgern als Mülldeponien genutzt und dann zugeschüttet. Der Umweltschutzgedanke war nur schwach ausgeprägt.

Heutzutage müssen Kommunen vielerorts Millionenbeträge in die Entsorgung dieser Altlasten investieren. Denn wenn das Gerümpel nicht aus dem Boden geholt wird, scheidet die Fläche als Baugrund aus. Eine ausgekieste und mit Müll verfüllte Fläche befindet sich unter anderem auch östlich des Planegger Friedhofs. Dort sollen nach dem Willen von CSU und FDP 300 Wohnungen entstehen. Diesen Plan hat Bürgermeisterin Annemarie Detsch im Interview mit dem Münchner Merkur vergangene Woche mit Verweis auf „kontaminierte Flächen“ in Frage gestellt. Doch: Was befindet sich wirklich im Boden?

Ein Gutachten aus dem Jahr 1993 mit dem Titel „Orientierende Altlastenvoruntersuchung“ gibt darüber Aufschluss. Es liegt im Planegger Umweltamt. Daraus geht hervor, dass in besagter Grube bis in die 70er Jahre hinein große Mengen an Unrat entsorgt wurden. Erst 1976 wurde dies gesetzlich verboten. „Es kann alles drin sein. Ältere Gemeinderäte haben von Autos und Kühlschränken berichtet. Östlich vom Friedhof ist es vor allem aber Hausmüll“, sagt Planeggs Umwelt- und Bauamtschef Richard Richter. Genauen Aufschluss über die Verfüllung ergibt auch das Gutachten nicht, denn 1993 wurden nur Stichproben gemacht. Damals kamen die Fachleute immerhin zu dem Schluss, dass weder für das Grundwasser noch für die landwirtschaftliche Fläche Gefahren bestehen. Auch Deponie-Gase wurden nicht gemessen. „Die Gemeinde bekam damals keine Auflagen“, so Richter. Auf die heutige Zeit lässt sich diese Aussage aber nicht übertragen.

„Die Abbauvorgänge in 20 Jahren können vieles verändert haben“, sagt Richter. Bevor die Wohnungspläne weitergesponnen werden, sollte eine Baugrunduntersuchung stattfinden, fordert der Bauamtschef. Bekannt ist, dass die Kiesgrube damals rund 16 Meter tief war, also bis zum Grundwasser reichte. Es dürfte sich deshalb um etliche Tausend Kubikmeter Altlasten handeln, die für viel Geld entsorgt werden müssten.

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