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Baum mit Frühlingsgefühlen in Martinsried: Der warme Winterbeginn hat in der Natur Verwirrung gestiftet.

Warmes Wetter lässt Bäume im Würmtal austreiben

Frühlingsgefühle im Dezember

Würmtal - „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“, heißt es in dem beliebten Volkslied. Derzeit steht zwar gerade erst Weihnachten vor der Tür, doch manche Bäume im Würmtal haben schon heftige Frühlingsgefühle.

Als Gerwin Oberndorfer aus Martinsried kürzlich durch seinen Ortsteil schlenderte, traute er seinen Augen kaum. Beim Sonntagsspaziergang bemerkte er, dass die Bäume austreiben. Und das zwei Wochen vor Weihnachten.

„Ich bin jetzt 82 Jahre alt, aber sowas Verrücktes habe ich noch nie gesehen“, erzählt der ehemalige Gärtner, der während seines Spaziergangs auf einer Bank bei der Kreissparkasse Platz genommen und von dort aus einen Blick auf den Grünstreifen geworfen hatte.

Schuld am ungewöhnlich frühen Ausschlagen der Bäume sind die milden Temperaturen. „Sobald der erste schwere Frost kommt, gehen die frischen Triebe und Blätter ein“, erklärt Sabine Strack, Diplom-Forstwirtin und in der Gemeinde Gräfelfing unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Der Kraftaufwand zehrt an den Reserven der Bäume. Als Folge würden sie beispielsweise in der nächsten Saison vermutlich etwas später ausschlagen. Außerdem könnte es sein, dass die Belaubung schütterer ausfällt. „Man wird es den Bäumen beim nächsten Austrieb auf jeden Fall ansehen“, so Strack. Aufgrund der für diese Jahreszeit untypischen Temperaturen gerieten die Bäume nicht nur aus dem natürlichen Takt, sondern gingen auch geschwächt in die neue Saison.

Weniger anfällig für Wetter-Kapriolen jeglicher Art sind Pionierbaumarten. Sie sind die ersten Baumarten, die Freiflächen besiedeln. Diese Baumarten, zu denen unter anderem die Hängebirke und die Eberesche zählen, weisen eine hohe Resistenz gegenüber Klimaextremen auf.

Für Obstbäume hingegen ist das derzeitige Klima kritisch. Auch einige von ihnen hielten den Spätherbst schon für das Frühjahr; im Oktober blühten in Gräfelfing vereinzelt Obstbäume . „Diese Bäume werden vermutlich weniger Früchte tragen“, so Sabine Strack.

Der Gärtner der Gemeinde Neuried hingegen sieht derzeit noch keine Gefahr. Blüten und Knospen seien zwar zum Teil bereits vorhanden, aber noch nicht geöffnet. „Erst wenn die Temperaturen weiterhin so mild bleiben, öffnen sie sich und sind verloren“, so der Gärtner.

Schlimmere Folgen für Bäume und Sträucher habe der Spätfrost. Kommt es im Frühjahr nach einer Wärmeperiode zu Temperaturen unter null Grad, nehmen die in voller Entwicklung befindlichen Pflanzen Schaden. Extremer Spätfrost während der Blüte kann auch große Teile der Ernte vernichten. „Momentan ist die Lage noch entspannt“, so der Gärtner.

Karin Priehler

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