Bebauung der Sanftlwiese: Nur ein Minimalkonsens

Krailling - Die umstrittene Bebauung der Sanftlwiese wird den Kraillinger Gemeinderat noch monatelang beschäftigen. Am Dienstagabend verständigte er sich lediglich auf einen Minimalkonsens.

Das Bauvorhaben auf der Kraillinger Sanftlwiese macht keine Fortschritte. Zwar hat der Investor seine Entwürfe aufgrund von Bürger-Protesten modifiziert (wir berichteten), ein für alle Seiten tragbares Konzept ist dennoch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Auf Grundlage der Ortsentwicklungsplanung soll ein weiterer Entwurf ausgearbeitet werden.

Dreieinhalb Stunden beschäftigte sich der Gemeinderat am Dienstag mit den von Bürgern eingebrachten Bedenken und Anregungen. Am Ende kam lediglich ein Minimalkonsens heraus, die zentralen Fragen der Baudichte und der Zwei- oder Dreigeschossigkeit der Gebäude wurden ausgeklammert. FBK, FDP, SPD und Grüne lehnten es ab, sich zu diesem Zeitpunkt mit den „neuen“ Varianten zu befassen, die eine Zurücknahme und einen teilweisen Verzicht der Dachterassen-Wohnungen vorsehen. Diese Varianten seien den Kraillingern bei der Bürgerbeteiligung und Bürgerversammlung im November nicht bekannt gewesen, so die Argumentation. Gleichzeitig kritisierten die Fraktionen, dass der im Zuge der Ortsentwicklungsplanung ausgearbeitete Bebauungsentwurf in der Schublade verschwunden sei. „Ich finde es dreist, wenn man ein Jahr mit den Bürgern eine Planung macht und dann etwas ganz anderes vorgelegt bekommt“, sagte Michaela Weiss (FBK). Der damalige Entwurf der Ortsplanerinnen Martina Schneider und Manuela Skorka, der ein Mehrgenerationenwohnen und eine Bebauung mit so genannten Winkelhof-Gebäuden vorsieht, soll nun als Grundlage für eine Alternativplanung dienen. Skorka warnte jedoch: „Ich finde es schlecht, wenn wir einen Gegenentwurf vorlegen und in Konfrontation zum Investor gehen.“ Die Alternativplanung soll deshalb in enger Abstimmung mit den Starnberger Bauträgern Walter Essler und Sven Radtke erstellt werden.

Zumindest auf einige, wenige Rahmenbedingungen verständigte sich der Gemeinderat. Einigkeit besteht darüber, dass auf dem rund ein Hektar großen Areal keine Einfamilien- oder Doppelhäuser gebaut und Wohnungen ausschließlich barrierefrei errichtet werden sollen. Auch die Erweiterung der bestehenden Tiefgarage und die Erschließung des Quartiers über die Margaretenstraße sind weitgehend unstrittig. Die Gemeinde will noch prüfen lassen, ob in der Tiefgarage auch öffentliche Parkplätze sowie Stellplätze für benachbarte Anlieger und Ladeninhaber der Margaretenstraße möglich sind; bisher hatte das vom Investor beauftragte Planungsbüro Morphologic 72 Stellplätze vorgesehen.

Als unproblematisch stuft der Gemeinderat die Verkehrszunahme ein. Für 49 neue Wohneinheiten wird eine Erhöhung von bislang 5500 auf 5716 Fahrten pro Tag prognostiziert - ein Verkehraufkommen, das nach Auffassung des Ratsgremiums angrenzende Straßen aufnehmen könnten. Die Auswirkungen auf die Luitpoldstraße soll ein Verkehrsplaner eigens untersuchen.

Auf Drängen von Richard Siebler (CSU-Fraktion) kam der Gemeinderat überein, auf der Sanftlwiese eine höhere Baudichte in Aussicht zu stellen, wenn im Gegenzug über einen städtebaulichen Vertrag eine soziale Nutzung vereinbart wird; eine konkrete Geschossflächenzahl stand aber nicht zur Debatte. Vom Eigentümer ist angedacht, Kraillingern Wohnungen in einem Einheimischenmodell vergünstigt anzubieten. Dies würde nicht die Gemeinde, sondern in erster Linie die Familie Sanftl finanzieren. Sie ist weiterhin Eigentümerin des Geländes, die Investoren, die bislang nur als Käufer auftraten, sind noch nicht ins Grundbuch eingetragen.

Wie weit die Investoren den neuen Weg mitgehen, bleibt abzuwarten. „Wir müssen das erst verarbeiten und diskutieren“, sagte Sven Radtke am Mittwoch auf Anfrage. Es sei schwierig, immer wieder auf neue Wünsche und Anforderungen zu reagieren. Auf jeden Fall werde man erst einmal das Gespräch mit Bürgermeisterin Christine Borst, Bauamt und Ortsplanerinnen suchen.

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