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Wirt Klaus Oeding vom „Lochhamer’s El Diablo“ hat bereits Alternativen zum Plastik-Strohhalm getestet. Ergebnis: Für Cocktails wie jenen im Bild geeignet, doch Heißgetränke sind ein Problem.

Kampf gegen Plastik

Beim Strohhalm zurück zur Natur

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Strohhalme aus Plastik sollen bald Geschichte sein. Die Gastronomen im Würmtal sind schneller als die EU mit ihrem Verbot. Sie suchen und finden bereits Alternativen.

Würmtal– Ein Strohhalm wird wenige Minuten benutzt. Ist er aus Plastik, braucht er Jahrhunderte, um abgebaut zu werden. Also soll es in der Europäischen Union bald keine Halme mehr aus Plastik geben. Die Wirte im Würmtal finden das richtig. „Man kann Latte Macchiato auch ohne Strohhalm trinken“, findet Ludmilla Kaspar vom Wirtshaus Lorber in Neuried. Und so, wie es derzeit aussieht, könnten Plastikstrohhalme im Würmtal bereits Geschichte sein, bevor sie in der Europäischen Union verboten sind. Die Gastronomen im Würmtal haben dem Plastik bereits den Kampf angesagt.

„Ich finde das schwer in Ordnung“, sagt der Geschäftsführer des „Lochhamer’s El Diablo“, Klaus Oeding. „Irgendwo muss man anfangen.“ Doch einfach ist die Suche nach Alternativen nicht. Er habe bereits angefangen, Strohhalme zu kaufen, die schneller abbaubar seien. „Die sehen aus wie Plastik“, sagt er. Das Problem: Sie sind von zweifelhafter Qualität. „Im Kaffee schmelzen die weg.“ Habe ein Getränk eine Temperatur von mehr als 49 Grad Celsius, sei es vorbei mit dem Saugen. „Jetzt sind wir wieder auf der Suche.“ Und die ist nicht leicht. „Alternativen sind fast nicht bezahlbar“, sagt er, wenn er an Bambus oder Kork denkt. Mehrweghalme findet er unhygienisch. Derweil ist er zurück beim altbewährten Halm aus Plastik. Aber: „Ich bin da dran und mein Lieferant auch.“

In der Gaststätte Heide-Volm führt kein Weg mehr zurück zum Plastik. „Wir haben im Sommer angefangen, auf umweltfreundlich umzustellen“, sagt Daniela Heide. Jetzt gebe es dort Halme aus Papier. „Da gibt es witzige Modelle, die auch im Glas hübsch aussehen.“ Damit habe nicht nur die Umwelt, sondern auch das Auge etwas von der Neuerung. Eventuell profitiert auch noch der Wirt, denn „der Gast muss schneller trinken“, meint Heide. Die Papierhalme weichen schnell auf.

Im Forsthaus Kasten lassen sich die Wirte noch ein wenig Zeit, bis sie umstellen. Erst würden die Restbestände aufgebraucht, erklärt Johanna Barsy. Bevor die nächste Biergartensaison beginnt, will sie sich aber Gedanken gemacht haben. „Dann werden wir etwas aus Naturmaterialien nehmen“, meint sie.

Auch der Geschäftsführer des Planegger Mi casa Su casa, Rosario Morgana, findet es gut, auf die gewohnten Halme zu verzichten, weil Plastik die Umwelt schädige. „Wenn es eine Alternative gibt, warum nicht“, meint er. Schließlich biete sein Lokal auch den umweltfreundlichen Würmtalbecher an. „Das funktioniert eigentlich gut. Wir sind immer für neue gute Sachen“, sagt er.

Ludmilla Kaspar vom Wirtshaus Lorber denkt, sie könne Alternativen wie jene aus Bambus anbieten. Aber eigentlich findet sie, könne man auch ganz auf Halme verzichten. Ins Zweifeln kommt sie bei dieser radikalen Maßnahme nur, wenn sie an ihre jüngsten Gäste denkt. Doch dann sagt sie: „Kinder trinken auch gerne aus dem Glas.“

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