Entwurf für das Neurieder Rathaus
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So könnte das neue Neurieder Rathaus aussehen: Entwurf des Architekturbüros „Ackermann+Renner“ .

Neurieder Ortsmitte-Wettbewerb mit Rathausneubau

Berliner Büro macht das Rennen

Der Sieger steht fest: Das Preisgericht kürte den Entwurf der Berliner Architekten „Ackermann + Renner“ und des Landschaftsplaners „raum + zeit“ zum Gewinner des Wettbewerbs für die Neurieder Ortsmitte mit Rathausneubau.

Neuried – Das neue Gesicht Neurieds: Um nichts weniger ging es beim Realisierungswettbewerb zur Ortsmittegestaltung. Dementsprechend erleichtert war Bürgermeister Harald Zipfel, dass nun endlich ein Ergebnis vorliegt. Ganz knapp sei es gewesen. Und auch Architekt Thomas Meusburger ließ durchscheinen, dass es sich die Jury mit der Vergabe der ersten drei Plätze nicht leicht gemacht hatte. Man habe „sehr intensiv über Inhalte diskutiert“, so der Vorsitzende des Preisgerichts.

70 Architekturbüros bewarben sich

Dabei hatte Monika Beltinger vom betreuenden Büro Lars Consult bereits eine Vorauswahl getroffen. 70 Architekturbüros aus ganz Europa hatten sich beworben. Nachdem acht bereits gesetzt waren, wurden die restlichen zwölf Teilnehmer per Losverfahren bestimmt. 18 schafften es dann insgesamt, ihre Entwürfe fristgerecht zum 26. August 2020 einzureichen. Diese wurden Ende Januar der Wettbewerbsjury zur Beurteilung vorgelegt, die zwei Tage lang um eine Entscheidung gerungen hat. Welche Kriterien letztlich für die prämierten Entwürfe gesprochen hatten, erläuterte Preisgerichtsvorsitzender Meusburger am Dienstagabend.

Lichtdurchflutetes Rathaus

Mit ihrem Plan von einem lichtdurchfluteten viergeschossigen Rathaus und einem großzügigen, „wohlproportionierten“ Platz davor überzeugte das Konzept der Architekten Schaudt aus Konstanz und den Landschaftsarchitekten Siegmund und Winz aus Balingen die Jury. Die Anordnung des Sitzungssaales im ersten Stock nebst dazugehörigem Rathausbalkon stieß ebenfalls auf breite Zustimmung. Kritisch äußerte sich das Preisgericht allerdings über ein fehlendes „Angebot an Aufenthaltsflächen in der neuen Mitte von Neuried“ und das nahezu vollverglaste Rathaus. Dieses könnte sich im Sommer zu stark aufheizen. „Zu klein dimensioniert“ seien außerdem die Raumreserven im Rathaus. Letztlich schaffte es der Entwurf auf den dritten Platz.

Städtebauliches Konzept überzeugt

Beim Zweitplatzierten geriet der Vorsitzende des Preisgerichts erstmals „ins Schwelgen“. Das Architekturbüro Puppendahl aus Recklinghausen und die Freisinger Landschaftsarchitekten Grabner, Huber, Lipp punkteten vor allem mit ihrem städtebaulichen Konzept. Das neue Rathaus verfügt über einen vorgelagerten, eingeschossigen Baukörper mit Sitzungssaal und Trauzimmer, was zwar die zur Verfügung stehende Freifläche reduziere, aber auch verschiedene Aufenthaltsqualitäten biete, so die Jury. Es gibt mehrere „Höfe“, die verschiedene Nutzungsmöglichkeiten zulassen. Ein Kritikpunkt war die zu geringe Baudichte, welche das Potenzial an diesem Standort nicht nutze.

„Tolle Harmonie“ zwischen Gebäuden

Am meisten überzeugte die Preisrichter schließlich der Entwurf der Berliner Architekten „Ackermann + Renner“, die zusammen mit dem Landshuter Landschaftsarchitekturbüro „raum + zeit“ in den Wettbewerb gingen. Dem neuen Rathaus haben die Planer einen zweiten markanten Baukörper in Trapezform zur Seite gestellt, ein Gewerbeobjekt. Zwischen den Gebäuden herrsche eine „tolle Harmonie“, urteilte Meusburger. Positiv vermerkte die Jury, dass das neue Rathaus auch – wie gefordert – über Entwicklungspotenzial in Form von Erweiterungsflächen verfügt. Dass das Amtsgebäude dadurch ziemlich groß wird, war aber auch einer der Kritikpunkte am Entwurf. Die differenzierte Fassadenausbildung verhindere aber, dass das neue Rathaus wie ein massiver Klotz wirke. Begeistert – wenn auch erst auf den zweiten Blick – waren die meisten von der interessanten Fassadengestaltung. Die Architekten haben hier Backstein vorgesehen. Der sei zwar ortsunüblich, es gebe ihn aber von weißgeschlämmt bis pechschwarz. Die in der Jury vertretenen Gemeinderäte zeigten sich zunächst einmal aufgeschlossen. Gleiches gilt für die Aufteilung der vier Geschosse im Inneren. So sollen Erdgeschoss sowie erstes Obergeschoss höher werden als die übrigen Stockwerke.

Pluspunkte für die Wohnbebauung

Pluspunkte sammelte das Gesamtkonzept aber auch für die Wohnbebauung im Norden des 11000 bis 13 000 Quadratmeter großen Areals. Die Gebäude sind in Hofform angeordnet. Da habe man gesehen, dass man nicht alles „zuknallen“ könne, so der Bürgermeister. Es brauche auch Freiräume. Was einer Verwirklichung jetzt noch im Wege steht: die Finanzen. So hofft wohl nicht nur Landschaftsarchitekt Tobias Nowak von „raum+ zeit“, dass für das Gewerbeobjekt bald ein Investor gefunden wird. Dann, so ist sich die Jury sicher, seien auch Gemeinderat und Bürger von den Plänen zu überzeugen. Margot Deny

Die Ausstellung aller 18 Entwürfe für die neue Neurieder Ortsmitte kann bis 13. Februar in der Mehrzweckhalle besichtigt werden: montags bis freitags von 16 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr.

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