Rat beschließt Kommunalwerk

Gräfelfing - Gräfelfing hat sich lange Zeit gelassen mit einem Konzept zur Übernahme des Stromnetzes - nun liegt es vor. Am Dienstag beschloss der Gemeinderat die Vertragsentwürfe.

Seit Dienstag steht fest, dass Gräfelfing einen konzeptionell anderen Weg beschreiten will als die Gemeinden Planegg, Krailling und Gauting, die mit den Stadtwerken München als Partner das Regionalwerk Würmtal gründen wollen. Dabei lässt sich die Entscheidung nicht auf die Partnerwahl verkürzen; die steht in Gräfelfing weiterhin aus. Vielmehr geht es um die Wahl eines zielführenden betriebswirtschaftlichen Modells.

Bekanntlich sind die Konzessionsverträge der Gemeinden mit dem bisherigen Netz-Inhaber E.on ausgelaufen. Dies eröffnet den Kommunen die Möglichkeit, von dem gesetzlichen Anspruch Gebrauch zu machen, das Netz zu übernehmen, um es selbst zu betreiben oder an einen Dritten zu verpachten - in beiden Fällen eine lukrative Angelegenheit.

Wie aus Kreisen des Gräfelfinger Gemeinderates verlautete, sehen die Verträge, die das Gremium nun mit großer Mehrheit verabschiedete und die an E.on und die Stadtwerke als Angebot gesandt werden, folgendes Konstrukt vor: Die Gemeinde schließt mit dem späteren Partner (im Falle E.ons wäre das eine zu gründende Tochterfirma) einen neuen Konzessionsvertrag ab. Dieser Partner kauft von E.on das Netz und bringt es in eine Gesellschaft ein, von der Gräfelfing anschließend 51 Prozent erwirbt.

Da dieses „Kommunalwerk“ weder über Mitarbeiter noch über das Know-how zum Betrieb des Netzes verfügt, schreibt es die technische und wirtschaftliche Betriebsführung aus und vergibt sie für drei Jahre an den wirtschaftlichsten Anbieter. Dabei kann es sich um jedwelches Unternehmen der Energiewirtschaft handeln, auch um E.on oder die Stadtwerke. Während dieser drei Jahre kann das Kommunalwerk in den operativen Netzbetrieb hineinwachsen und das Netz nach Ablauf des Vertrages übernehmen, um es selbst zu führen, oder den Vertrag verlängern beziehungsweise neu ausschreiben.

Der wesentliche Unterschied zum Regionalwerk Würmtal ist, dass jenes das Netz auf zehn Jahre an die Stadtwerke München verpachtet und sich faktisch auf das Niveau einer Finanzbeteiligung zurückzieht - freilich mit fest vereinbarten, insofern risikofreien Pachteinnahmen. Einen energiepolitischen, strategischen Gestaltungsraum gibt es während dieser Zeit indes nicht.

Gräfelfing hingegen würde in absehbarer Zeit tatsächlicher Betreiber des Netzes sein. Die Gemeinde könnte über den qualitativen Zustand des Netzes entscheiden und es mit neuen Schnittstellen an ökologische Energie-Erzeugung koppeln und diese auf kommunaler Ebene einspeisen. Und schließlich dürfte der Gewinn in diesem Fall höher sein, weil kein Dritter mehr mitverdient.

Sollten die Verhandlungen mit E.on oder den Stadtwerken zu einem schnellen Abschluss kommen, würde das Konstrukt bereits Anfang 2012 ans Netz gehen. Eine große Unbekannte ist freilich in beiden Fällen der Preis, den E.on aufrufen wird. Er dürfte mehrere Millionen Euro betragen.

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