„Da gibt es derzeit auch nichts rückgängig zu machen“: Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann über den Beschluss zum Bau der Gewerbetrasse Martinsried. foto: fkn

"An die Beschlüsse halte ich mich"

Planegg - Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann spricht im Interview über den Bau der Gewerbetrasse, mögliche Enteignungen und die rot-grüne Mehrheit im Rat.

Der Bau einer Umgehungsstraße im Westen von Martinsried hat schon zahlreiche Planegger Bürgermeister schwer beschäftigt. Außer Gutachten und Verkehrszählungen in Auftrag zu geben, ist aber über Jahrzehnte wenig geschehen. Ob der aktuelle Beschluss zum Bau der Sillat- und Gewerbetrasse dieses Mal umgesetzt wird, darüber hat der Würmtal-Merkur mit Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann gesprochen.

-Sie haben kürzlich im Verkehrsausschuss gesagt, dass sich die Verhandlungen mit den Eigentümern der Grundstücke entlang der Sillat-Trasse schwierig gestalten. Wie viele für den Bau erforderliche Grundstücke befinden sich bereits im Besitz der Gemeinde, wie viele konnten noch nicht erworben worden? Bürgermeisterin Annemarie Detsch hatte im Januar 2014 erzählt, dass das Rathaus mit drei von zwölf Grundstückseigentümern handelseinig sei.

Hofmann: Im Bereich der Sillat-Trasse hat die Gemeinde Zusagen von 75 Prozent der Grundstückseigentümer; der verbleibende Rest wird wegen Boden- und Wertgutachten et cetera vielleicht bis zu den Sommerferien soweit sein, dass dann Gespräche geführt werden können; der Ausgang ist allerdings noch ungewiss.

-Würden Sie als Bürgermeister auch Enteignungen in Erwägung ziehen, sollte es zu keiner Verhandlungslösung mit Eigentümern kommen?

Ja, würde ich in Abstimmung mit den Gremien in Erwägung ziehen. Sehe aber hier in 2015 noch keinen Entscheidungsbedarf.

-Im Wahlkampf hatten Sie gesagt, dass Sie den Bau der Gewerbetrasse ablehnen. Allerdings gibt es einen gültigen Gemeinderatsbeschluss für den Bau der Straße bis zum AEZ. Inwiefern setzen Sie diesen Beschluss als Bürgermeister um? Welche Fortschritte konnten bei diesem Trassenabschnitt in den Kaufverhandlungen mit den Grundstückseigentümern erzielt werden?

Ich hatte im Wahlkampf gesagt, dass ich persönlich die Gewerbetrasse nicht mehr zielführend finde. Meine Aussagen in der Elefantenrunde waren selbstverständlich damals auch schon mit der SPD-Fraktion abgestimmt. Inzwischen kann auch die Bürgerinitiative Martinsried damit leben, dass dieses tatsächlich so meine Aussage war. Der Gemeinderatsbeschluss war mir sehr wohl bekannt. Dieser lautete: die Gewerbetrasse planungsrechtlich zu sichern! Nicht mehr und nicht weniger! Der zweite Beschluss an diesem Abend im November 2013 lautete: In einem ersten Bauabschnitt soll die Sillat-Trasse gebaut werden. Und an beide Beschlüsse halte ich mich. Im oberen Teilstück der Gewerbetrasse verhält es sich derzeit in etwa so, dass circa zwei Drittel der Grundstücke zugesagt sind beziehungsweise als unproblematisch scheinen und ein Drittel noch verhandelt werden muss.

-Die SPD-Fraktion und Annemarie Detsch haben dem Bau der Gewerbetrasse 2013 zugestimmt. Gibt es Bestrebungen von Ihrer Seite oder der SPD, den Beschluss von 2013 rückgängig zu machen?

Die SPD-Fraktion hat den beiden eben genannten Beschlüssen zugestimmt, da gibt es derzeit auch nichts rückgängig zu machen, da die SPD-Fraktion und ich der Meinung sind, dass wir hier Schritt für Schritt - immer auch die Haushaltslage im Blick - vorgehen werden.

-Ihre Vorgängerin bemühte sich bei weitreichenden Entscheidungen immer um breite Mehrheiten. Sie wollten die Politik von Annemarie Detsch fortsetzen, sagten Sie mehrfach im Wahlkampf. Den provisorischen Walldurchstich als Verbindung zwischen Röntgenstraße und Fraunhoferstraße zur Entlastung der neuen Ortsmitte haben Sie kürzlich mit rot-grüner 5:4-Mehrheit durchgedrückt. Darf man sich künftig öfter auf knappe Entscheidungen bei Abstimmungen gefasst machen?

Nur weil der Antrag der FW/Dynamischen erst in der Sitzung vorgelegt wurde. Ohne Skizze, ohne klare Beschreibung, sah ich keinen Anlass, auch aus vorplanerischen Zeitgründen, den Verwaltungsantrag zurückzuziehen. Im Übrigen wurde nach fast zwei Stunden Diskussion der Antrag der FW/Dynamischen mit 6:3 abgelehnt. Nun, wie dem auch sei, wir werden vermutlich zu diesem wichtigen Vorhaben in den kommenden Wochen sicher noch mal Gelegenheit haben, die Verwaltungsvariante und die Variante FW/Dynamische an Hand von Skizzen, vorhandenen Verkehrszahlen und Zeitabläufen zu besprechen - eventuell auch abzustimmen.

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