Leitete die Versammlung: Eduard Katzameyer. js

BIM-Anwalt übt scharfe Kritik

Planegg - Ohne Einigung ist der Erörterungstermin im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zum Bau der U-Bahn über die Bühne gegangen.

Der Anwalt der Bürgerinitiative Martinsried (BIM) kritisierte Gemeinde und MVV scharf und forderte eine Tiefgarage mit 300 P&R-Plätzen.

Nur rund 30 von über 1200 Einwendern waren am Freitagmorgen ins Planegger Kupferhaus gekommen, um dem von der Regierung von Oberbayern anberaumten Erörterungstermin beizuwohnen. Der Anwalt der Bürgerinitiative Martinsried, Christoph Werner, warf der Regierung vor, den Termin bewusst in eine Woche mit Feiertag gelegt zu haben. Etliche Einwender hätten den „Brückentag“ genutzt, um wegzufahren. Werner: „Das ist eine klare Geste gegen die Einwender. Es ist offenbar gewünscht, dass möglichst wenige kommen.“ Eduard Katzameyer, der als Vertreter der Regierung von Oberbayern die Versammlung leitete, wies den Vorwurf zurück. Der Termin sei unproblematisch, der Feiertag sei schließlich am Mittwoch gewesen.

Werner nahm nun richtig Fahrt auf und hielt der Gemeinde eine „systematische Nichtinformationspolitik“ vor. Die Regierung sei zudem parteiisch und habe sich bereits im Vorfeld auf die Seite der Gemeinde geschlagen. Er würde eigentlich einen Befangenheitsantrag gegen die Regierungs-Mitarbeiter stellen, „aber wohin dieser führen würde, wissen wir alle, schließlich entscheidet der Regierungspräsident darüber“, polterte Werner.

Der Anwalt der Bürgerinitiative kam daraufhin auf die Planungen zu sprechen. Die von der Gemeinde vorgesehenen 100 P&R-Plätze seien viel zu wenig, betonte Werner. Er zitierte aus zwei Gutachten von Professor Wirth und Basler&Partner, welche die Gemeinde vor Jahren in Auftrag gegeben hatte, um die Forderung der Bürgerinitiative nach mehr P&R-Plätzen zu untermauern. Planeggs Rathaus-Geschäftsführer Stefan Schaudig konterte, dass diese Gutachten nicht Gegenstand der Planfeststellung seien, zudem habe Werner Zahlen aus dem Zusammenhang gerissen und falsch interpretiert. Stattdessen habe ein Gutachten des MVV ergeben, dass 100 Parkplätze am künftigen U-Bahnhof ausreichend seien.

Dieses Gutachten wollte Werner jedoch nicht anerkennen. „So etwas Miserables habe ich in meiner Karriere noch nie gesehen.“ Die Behauptungen basierten auf Mutmaßungen, nicht auf Prognosen oder Zählungen. „Das ist kein Gutachten, sondern ein Schlechtachten“, ereiferte sich Werner, der eine neue Expertise zur Klärung der notwendigen Stellplätze beantragte. Michael Trost vom MVV räumte ein, dass es keine wissenschaftliche Methode gebe, P&R-Aufkommen genau vorherzusagen. Angesichts des eingeschränkten Einzugsgebiets der künftigen Haltestelle seien 80 bis 100 Stellplätze aber ausreichend. „Martinsrieder müssen nicht mit dem Pkw kommen, sondern können Bus oder Rad nutzen“, so Trost. Eine große P&R-Anlage werde das Verkehrsaufkommen in Martinsried weiter erhöhen, warnte der MVV-Experte, denn dann würde Verkehr aus anderen Kreisen angezogen. BIM-Vorsitzende Barbara Gutmann forderte den Bau einer Tiefgarage südlich der Würmtalstraße mit 300 Stellplätzen. Diese sei wichtiger „als Spiel und Spaß am Gymnasium“. Schaudig entgegnete, dass sich das von Gutmann angedachte Grundstück nicht in Gemeindebesitz befinde und außerdem vom Campus als ökologische Ausgleichsfläche genutzt werde.

Am frühen Nachmittag ging der Erörterungstermin zu Ende. Die Regierung wird die Anträge und Einwendungen in den kommenden Monaten prüfen und dann eine Entscheidung fällen.

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