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Festakt im größten Hörsaal der LMU: Hier applaudieren die Festgäste dem Forscher Peter Becker (rechte Bankreihe vorne 1.v.l.), dem Vater des BMC.

Biomedizinisches Zentrum Planegg-Martinsried

Eine Uni ohne U-Bahn-Anschluss

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Planegg - Fast 150 Millionen Euro haben Bund und Land in den Aufbau eines Biomedizinischen Centrums in Planegg-Martinsried gesteckt. Einziger gravierender Makel: Die lange versprochene Verlängerung der U6 gibt es immer noch nicht.

Schilder weisen den Weg zur Spitzenforschung: Links geht’s zur Physiologischen Genomik, rechts zur zellulären Physiologie, geradeaus zur Proteinanalytik. Biomedizin oder auf Englisch „Lifesciences“ (Lebenswissenschaften) nennt sich das, was acht Lehrstühle und fast 60 Forschergruppen im neuen Biomedizinischen Centrum betreiben. Im grün getäfelten Bau in Hufeisenform reiht sich Labor an Labor, Seminarraum an Seminarraum.

Kernstück in der Mitte ist ein halb im Erdboden versenkter großer Hörsaal für 950 Studenten – größer als das Audimax im Uni-Hauptgebäude. Das einzig Altmodische in dem Renommiersaal des BMC sind eine große Kreidetafel und die gewohnt engen Klappstühle – auf denen gestern hunderte Festgäste zur Einweihungsfeier Platz nahmen. Auf einen quetschte sich auch Ministerpräsident Horst Seehofer. „Das wäre auch ein schöner Konzertsaal“, witzelte er, und bemühte bei seiner Rede Superlative. „Das Wort Durchschnitt gibt es nicht im Bayerischen“, meinte Seehofer und sprach von einem „Leuchtturm“ der Forschung, einem „Aushängeschild“.

Aber Durchschnittsware wollen die Forscher am BMC ohnehin nicht liefern. „Wir werden dieses Gebäude mit Forschungsexzellenz füllen“, versprach Prof. Peter Becker, Molekularbiologe und so etwas wie der Vater des BMC. Künftig sind mit Ausnahme der Anatomie hier alle medizinischen Disziplinen vertreten. Die ganze medizinische Forschung Münchens ist am BMC neu sortiert – bisher hatten die Mediziner nicht einmal ein eigenes Audimax. Der Standort Martinsried, so verspricht es die Ludwig-Maximilians-Universität, ist schon heute „eine der weltweit wichtigsten Adressen für Lifesciences“. So sieht es auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka: „Die besten der besten“ kämen nach Martinsried, allein drei Leibniz-Forschungs-Preisträger. Das hat auch die Gemeinde Planegg erkannt, die offiziell den Titel „Universitätsgemeinde“ auf den Ortsschildern beantragt hat, wie Bürgermeister Heinrich Hofmann sagte.

„Paradiesisch“, raunt Ministerpräsident Horst Seehofer, als er beim Rundgang einen Blick zur Proteinanalytik wirft. Viel ist nicht zu sehen, ein hermetisch verschlossenes Gerät ähnlich wie ein Kühlschrank brummt vor sich hin. Es kostet eine Million, sagt Forscher Becker. Einen Blick in die Labore gibt es nicht, dafür schlendert die Besuchergruppe an Warnschildern („Radioaktiv“) vorbei. Irgendwo hinter einer der schmalen Türen gibt es auch einen Trakt für Versuchstiere – Biomedizin bedingt Tierversuche an Mäusen und Ratten (zu 90 Prozent), aber auch Fröschen und Fliegen, bestätigt die Pressestelle der Universität.

Am Ende fragt Seehofer: „Wo leben denn eigentlich die Studenten“, worauf Prof. Becker etwas in Verlegenheit gerät. Denn ein Studentenwohnheim gibt es in Martinsried nicht. „Sie sind in der ganzen Stadt verstreut“, sagt Becker und erklärt, dass „die Parkplätze schon ziemlich voll“ sind. Auch an der Bushaltestelle des BMC warten am Montagnachmittag Trauben von Studenten auf einen der Busse, die angeblich im Fünf-Minuten-Takt Richtung U-Bahn-Station Großhadern fahren. Eine Verlängerung der U6 ist auch der sehnlichste Wunsch von Planeggs Bürgermeister Hofmann, der den „Brain Train“ auch in seiner Rede deutlich anmahnt. Ursprünglich war sie schon für dieses Jahr versprochen worden, jetzt ist von 2020 oder gar 2021 die Rede. Kaum hat Hofmann das gesagt, da winkt der im Hörsaal eingeklemmte Seehofer einen Referenten zu sich, der schnell nachblättern muss. „Mit einem Baubeginn 2016 können Sie rechnen“, sagt Seehofer dann. Das Geld sei da. „Das ist doch eine schöne Botschaft.“

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