in Corona-Testzentrum betreiben die Würmtaler Firmen Mikrogen und MZV amMünchner Flughafen bereitet eine Mitarbeiterin Reagenzien für die Untersuchung der Rachenabstriche vor.
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Ein Corona-Testzentrum betreiben die Würmtaler Firmen Mikrogen und MZV am Terminal 2 des Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafens. Auf unserem Foto bereitet eine Mitarbeiterin Reagenzien für die Untersuchung der Rachenabstriche vor.

Labor am Münchner Flughafen

Bis zu 1000 Corona-Schnelltests am Tag - auch dank Firmen aus dem Würmtal

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Corona-Antigen-Schnelltests sollen die Luftfahrt retten. Hilfe bieten Firmen aus dem Würmtal. Mikrogen aus Neuried und MVZ aus Martinsried betreiben ein Labor am Flughafen.

München/Würmtal – „Wir lassen nicht locker“, sagt Fritz Schwarzmann, zuständig für Molekulare Diagnostik bei der Firma Mikrogen. Mit diesem Anspruch forschen er und seine Kollegen in Neuried fieberhaft an immer neuen Methoden, um Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 zu identifizieren. Jetzt brachte Mikrogen bereits den fünften Corona-Test in diesem Jahr auf dem Markt.

Corona-Testsystem fast vollständig digitalisiert

Neuerdings betreibt das Unternehmen außerdem gemeinsam mit dem Martinsrieder MVZ das Labor „Test & Fly“ mit eigenem Testzentrum im Terminal 2 des Flughafen München. Dort können täglich bis zu 1000 Menschen getestet werden – und zwar schnell. Zum einen gibt es dort die Antigen-Schnelltests von Roche. Aber auch die Ergebnisse der PCR-Tests von Mikrogen sollen am Flughafen schneller vorliegen als anderswo. Der Anspruch ist, dass abfliegende Passagiere nach drei bis vier Stunden ihre Ergebnisse haben. „Um die 200 Minuten war das Schnellste, das wir geschafft haben“, sagt Schwarzmann. Die Bestzeiten hingen im Labor aus – um sie zu übertreffen. Das Corona-Testsystem ist fast vollständig digitalisiert. Der Termin für den Abstrich wird online gebucht und bezahlt, das Ergebnis gibt es als Push-Nachricht auf das Smartphone und per E-Mail als pdf.

Wer bei Mikrogen arbeitet, muss Flexibilität mitbringen. Die ersten Corona-Tests im Frühjahr erfreuten sich so großer Nachfrage, dass die Wissenschaftler, die sonst die Tests entwickeln, plötzlich Schachteln falten und die Tests versandfertig machen mussten. Jetzt sind Schwarzmann und seine Kollegen im neuen Labor am Flughafen gefordert, um die Ergebnisse der Abstriche auszuwerten.

Immer neue Herausforderungen

Gleichzeitig stellen sich die Forscher immer neuen logistischen Herausforderungen. Kaum hatten sie ausreichend Enzyme gesichert, um die Tests herzustellen, stellten sie fest, dass benötigtes Verbrauchsmaterial, wie etwa Pipetten, aktuell weltweit Mangelware ist. Dass das Unternehmen parallel immer neue Tests für die vermeintlich gleiche Sache entwickelt, liegt ebenfalls an immer neuen Herausforderungen: Im Herbst mache es Sinn, wenn ein Test nicht nur Sars-Covid-2 nachweisen kann, sondern auch die Influenza, fanden Kunden von Mikrogen. Entsprechend machten sich die Forscher ein weiteres Mal ans Werk. „Das war für uns eine relativ große Herausforderung“, sagt Schwarzmann. Aber jetzt kann Mikrogen liefern. Mit einem einzigen Test zu erkennen, ob eine Infektion mit Influenza A, B oder Sars-Covid-2 vorliegt, ist kein Problem mehr. „Es gibt nicht viele, die das können“, meint Schwarzmann ein wenig stolz.

Doch auch Mikrogen kann nicht alles. Antigen-Schnelltests wie die von Roche kann die Firma nicht anbieten. „Da hat Mikrogen einfach keine Erfahrung drin“, sagt Schwarzmann ganz nach dem Motto: Schuster bleib bei Deinen Leisten. „Wir wären nicht schnell genug, würden wie da eine neue Technologie etablieren.“ Also kommen am Flughafen nicht nur die eigenen Corona-Tests zum Einsatz.

600 Tests bislang der Höhepunkt

Beide Test-Möglichkeiten finden reißenden Absatz. Die Kapazitäten von 1000 Tests pro Tag sind am Flughafen bislang nicht ausgereizt worden. 600 täglich war der Höhepunkt. „Und das war schon anstrengend.“ Aktuell ist die Auslastung des Labors deutlich geringer. „Durch den Lockdown reisen jetzt nicht mehr so viele.“ Die Urlaubszeit sei außerdem vorbei. Schwarzmann sagt, rund fünf Prozent aller Tests im „Test & Fly“ fallen positiv aus– und das, obwohl in der Regel nur Menschen ohne Symptome dorthin kommen.

Dass es schon bald einen Impfstoff gegen das Virus geben soll, freut Schwarzmann, obgleich er Mikrogen aktuell als „Corona-Company“ betrachtet und die Firma mit der Pandemie gut Geld verdient. „Ich bin einer der ersten, die sich impfen lassen“, sagt er. Bis die nötigen 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung geimpft seien, dauere es aber sicher ein Jahr. Mit Beginn der Impfzeit könnte es wieder eine erhöhte Reiselust und damit mehr Tests geben, meint er. Das neue Labor sei aber auf Dauer angelegt. Es soll Bestand haben, wenn die Pandemie längst vorbei ist.

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