Diana Widmann, Leiterin der Gemeindebibliothek Krailling, mit Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“: 13 Ausleihen im vergangenen Jahr – „das Buch ist eigentlich ständig weg“. Foto: denise höfle

Büchereien: Sarrazin-Buch ist der Dauerbrenner

Würmtal - Ein Jahr ist vergangen, seit Thilo Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ für Furore sorgte. Das Interesse im Würmtal für Sarrazins Thesen ist bis heute ungebrochen.

In den einzelnen Gemeindebüchereien wird das Buch mindestens einmal pro Monat ausgeliehen. In Neuried und Krailling avancierte „Deutschland schafft sich ab“ gar zum absoluten Dauerbrenner.

Gegenüber der Ausleihe liegt „Deutschland schafft sich ab“ in der Neurieder Gemeindebücherei aus - wenn die Ausgabe nicht gerade vergriffen ist. 18 Mal wurde Sarrazins Buch im vergangenen Jahr ausgeliehen. Bedenkt man, dass Sachbücher eine Leihfrist von vier Wochen haben und zwei Verlängerungen möglich sind, lag der Bestseller nie lange im Regal. „Das Buch ist eigentlich immer ausgeliehen“, sagt Neurieds Bücherei-Chefin Irene Latka. Die Leute interessiere Sarrazin immer noch. „Dass das so lange geht, hätte ich nicht gedacht“, wundert sich Latka.

Ähnlich begehrt ist „Deutschland schafft sich ab“ bei den Kraillingern. „Besonders anfangs hatten wir viele Vorbestellungen“, berichtet Diana Widmann, Chefin der Kraillinger Bücherei. Mit 13 Ausleihen im vergangenen Jahr ist „Deutschland schafft sich ab“ eines der Bücher, die „eigentlich ständig weg sind“, so Widmann.

In den Gemeindebüchereien Planegg und Gräfelfing flaut der Hype um das umstrittene Buch dagegen langsam ab. „Das war eine Welle, die in den Zeitgeist gepasst hat“, resümiert Michael Heißmeyer von der Bücherei in Gräfelfing. Zwei Exemplare des neuen Sarrazin nahm die Bücherei im September 2010 in ihren Fundus auf. 19 Ausleihen sind im System vermerkt. „Das ist nicht schlecht, aber immer noch Durchschnitt“, so Heißmeyer.

In Planegg entbrannte im vergangenen Jahr eine hitzige Diskussion um den Bestseller. Ursula Thym, die bis April die Gemeindebücherei leitete, weigerte sich zunächst, das Buch zu kaufen. Sie habe den Eindruck gewonnen, dass in dem Buch rassistische Thesen verbreitet werden. Das wolle sie nicht unterstützen, machte sie damals auf Anfrage des Würmtal-Merkur deutlich. „Danach gab es viele Anfragen und Leserbriefe“, berichtet Lisa Marie Neubeck, die im Mai die Leitung der Bücherei übernahm. Ende September stand „Deutschland schafft sich ab“ schließlich auch in der Planegger Bücherei im Regal. Seitdem wurde das Buch, das in Deutschland zum Politikum wurde, 14 Mal ausgeliehen.

Nicht politisch, aber ebenso skandalträchtig ist Charlotte Roches Roman „Schoßgebete“, der am Mittwoch im Handel erschien. 2008 rüttelte die junge Autorin bereits mit „Feuchtgebiete“ an den Grundfesten des guten Geschmacks. Obwohl der Roman zum Bestseller avancierte, schaffte weder die Gemeindebücherei Planegg noch die Gemeinde Neuried das Buch an. Auch „Schoßgebete“ wird Irene Latka nicht in ihren Fundus aufnehmen. „Für so etwas gebe ich kein Geld aus“, sagt sie.

Nicht so in Planegg: Anders als ihre Vorgängerin will Lisa Marie Neubeck den neuen Roche-Roman ordern. „Die Nachfrage ist schließlich da“, so Neubeck. In Krailling und Gräfelfing steht der Roman spätestens, sobald er sich auf der Bestsellerliste platziert hat, im Regal. Und das dürfte auch diesmal nicht lange dauern.

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