Lärmkarte aus der Informationsbroschüre: Die Darstellung zeigt die Differenz der erwarteten Schall-Immissionen mit und ohne Ortsumfahrung und verdeutlicht die Verlagerung der Belastung aus der Ortsmitte an den äußeren Rand des Gewerbegebietes. Grün bis gelb sind Entlastungen markiert, orange bis lila neue Belastungen. Letztere sind dort am größten, wo heute noch keine Straße verläuft und die Umgehungsstraße geplant ist. Grafik: Gemeinde Gräfelfing

Bürgerentscheid Umgehungsstraße: Broschüre mit Informationen und Gesprächsstoff

Gräfelfing - Das Werben um Stimmen beim Gräfelfinger Bürgerentscheid zur Umgehungsstraße nun auch offiziell eröffnet. Jeder Haushalt erhält eine Informationsbroschüre aus dem Rathaus.

Auf den 35 Seiten mit Text, Farbfotos und Grafiken gibt es so viel Information, einschließlich umfassender Argumentation für und gegen das Projekt, dass kaum Fragen offen bleiben dürften. Trotzdem bietet die Kommune auch zwei Informationsabende im Bürgerhaus an (wir berichteten).

Für Diskussionsstoff ist jedenfalls reichlich gesorgt, und die Informationsbroschüre leistet diesem Umstand Vorschub. Das liegt unter anderem an den letzten Seiten des Büchleins: Darauf haben sämtliche Ratsfraktionen Gelegenheit bekommen, ihre Sicht der Dinge zur Umgehungsstraße darzulegen - ob sie nun für oder gegen das Projekt sind und aus welchem Grund.

Auf den ersten 19 Seiten der Broschüre kommt die Gemeindeverwaltung zu Wort. Dabei wird das Projekt detailliert in allen baulichen Abschnitten vorgestellt, etwa die Verlegung der Autobahnanschlussstelle, der Rückbau der Würmtalstraße und der Bau der Umgehungsstraße zwischen Autobahn und Würmtalstraße.

Auch die Kosten von insgesamt 14,5 Millionen Euro sind detailliert aufgeführt und begründet. Dabei erwähnt die Broschüre, dass die Kommune Fördergelder von bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten erwarten kann.

Insgesamt spricht sich dieser erste Teil der Broschüre deutlich für die Umgehungsstraße aus, wie es der aktuellen Beschlusslage im Gemeinderat entspricht. Dazu passt das Vorwort von Bürgermeister Christoph Göbel, in dem es unter anderem heißt: „Dies ist eine Chance, die Gräfelfing ergreifen sollte. Damit können die bewohnten Ortsgebiete gut und nachhaltig vom Verkehr entlastet werden.“ Verkehrsentlastung sei ein seit Jahrzehnten vieldiskutiertes Thema in Gräfelfing. Göbel: „Jetzt ist die Zeit gekommen, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen.“

Die Stellungnahmen der Fraktionen verdeutlichen, dass der Gemeinderat mittlerweile in dieser Frage in zwei Lager zerfällt. Das Projekt befürworten nur noch die CSU und der Bürgerverein. Die CSU-Fraktion begründet dies unter anderem mit der Verlagerung von Durchgangsverkehr auf die neue Ortsumfahrung „und damit raus aus den Wohngebieten“. Zudem sei die Umfahrung eine Voraussetzung für umfassenden Lärmschutz entlang der Autobahn und an der Würmtalstraße. Der Bürgerverein, der schon immer für eine Umgehungsstraße war, sieht das Projekt als Möglichkeit, den drohenden Verkehrsinfarkt auf Teilen des innerörtlichen Straßennetzes vorzubeugen.

Gegen das Projekt sprechen sich IGG, Grüne, AIG, SPD und neuerdings auch die FDP aus. Sie bezweifeln die entlastende Wirkung der Maßnahme („unterhalb der Wahrnehmungsschwelle“ schreiben die Grünen) beziehungsweise sehen diese als zu gering an im Verhältnis zu den Kosten und den Mehrbelastungen an anderer Stelle. Zudem werde mit dem Projekt eine Milionensumme gebunden, die für andere Investitionen im Ort fehle.

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