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Aus den Händen der Bürger: Jule Hofer (15) und Jakob Hillenbrand (84) überreichen Bürgermeister Heinrich Hofmann das Gutachten.

Bürgergutachten

"Alles soll moderat sein"

Planegg - Planeggs Bürger wollen keine rasanten Entwicklungen. Zumindest nicht die 55 Frauen und Männer, die am Bürgergutachten beteiligt waren, das am Dienstag im Foyer des Rathauses Bürgermeister Heinrich Hofmann überreicht wurde.

„Moderat, alles soll moderat sein – moderates Wachstum, moderates Bauen“, fasste Professor Hilmar Sturm die Wünsche der Bürger zusammen. Seine Münchner Gesellschaft für Bürgergutachten (gfb) hatte gemeinsam mit dem nexus-Institut aus Berlin im Auftrag der Gemeinde das Gutachten erstellt. 50 zufällig ausgewählte Bürger sollten sich beteiligen. Weil das Interesse der angeschriebenen Planegger sehr groß war, wurden es 55 – 31 Frauen und 24 Männer. Mit einer der ältesten Teilnehmer war Jakob Hillenbrand. Der 84-Jährige übergab mit der 15-jährigen Jule Hofer das Gutachten an Hofmann. „Ich will dem Gemeinderat nicht sagen, er soll das Gutachten als Bibel betrachten. Aber wenn er im Zweifel ist, soll er es zur Hand nehmen“, so Hillenbrand. Tatsächlich ist im Februar ein Klausurwochenende geplant, an dem sich die Gemeinderäte mit dem Bürgergutachten auseinandersetzen wollen. „Das ist ein Leitfaden für uns, an dem wir uns entlangdiskutieren“, versprach Hofmann. An vier Tagen im Juli hatten die Bürger 16 Arbeitseinheiten à eineinhalb Stunden absolviert, in Kleingruppen diskutiert, Themenkomplexe wie Siedlungsentwicklung, Wirtschaft und Gewerbe oder Rad- und Fußverkehr abgearbeitet, mit Politikern gesprochen, auf einer Rundfahrt Eindrücke gesammelt und schließlich Leitlinien entwickelt. Den Teilnehmern liegt der dörfliche Charakter der Gemeinde durch lockere Bebauung besonders am Herzen. Sie schätzen die zentrale Lage, umgeben von Grün, dessen Erhaltung hohe Priorität eingeräumt wird. Die Verkehrsbelastung, insbesondere in der Germeringer Straße, empfinden sie als belastend. Den Bürgern liegt an einem langsamen Wachstum der Bevölkerung, als Richtwert wurden 0,5 Prozent jährlich ermittelt. Es sollen mehr mehrgeschossige Wohnhäuser als Einfamilienhäuser entstehen, der Grünzug zwischen Planegg und Martinsried durch Bänke oder einen Radweg aufgewertet werden. Beide Ortsteile sollen entwickelt werden und „ein bisschen zusammenwachsen“, sagte Christine von Blanckenburg vom nexus-Institut. Allerdings soll Martinsried mit Uni-Campus und Biotechnologie-Unternehmen auch als eigene Marke entwickelt werden. „Es war keine Wünsch-dir-was-Veranstaltung. Die Gemeinde kann zufrieden sein“, so von Blanckenburg. Eine Empfehlung, die die Bürger dem Gemeinderat geben, lautet: „Alle Maßnahmen sind unter Einhaltung eines ausgeglichenen und schuldenfreien Haushalts durchzuführen.“

nik

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