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In diesem Bushäuschen ließ der Busfahrer Lucy (9) im Sturm stehen. Mama Susanne sagt: „Der Mann hätte mal auf sein Herz und nicht auf die Vorschriften hören können.“

Keine Fahrkarte

Busfahrer lässt Mädchen im Sturm stehen

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Gräfelfing – Weil sie keine Fahrkarte hatte, ließ ein Busfahrer die neunjährige Lucy aus Lochham nicht einsteigen - obwohl draußen ein Unwetter tobte.

Donnerstag vorletzter Woche: Über dem Würmtal geht ein heftiges Sommergewitter nieder. Der Wind beugt Bäume und Äste, Laub wirbelt durch die Luft. Hinzu kommt Platzregen – und Hagel. In kurzer Zeit bilden die Eiskörner auf Straßen und Gehwegen eine durchgängige Schicht; es sieht aus wie im Winter. Die Temperatur fällt rapide.

Es ist der Zeitpunkt gegen 16 Uhr, als Lucy mit ihrem Roller in Lochham auf dem Heimweg ist. Sie kommt von der Schule der Phantasie an der Bahnhofstraße und will nach Hause, unmittelbar hinter der Pasinger Ortsgrenze. Das Gewitter überrascht die Neunjährige in der Friedenstraße. „Plötzlich hat es so stark gehagelt, dass mir die Körner weh getan haben“, erinnert sich Lucy. Sie entsinnt sich, kurz zuvor an einem Bus-Häuschen vorbeigekommen zu sein, macht kehrt und stellt sich unter. Es ist die Haltestelle „Im Birket“, in der das Kind Schutz findet.

Plötzlich – der Sturm tobt unvermindert – naht ein Bus der Linie 160 in Fahrtrichtung Pasing. Der Wagen hält, und Lucy beschließt, eine oder zwei Stationen mitzufahren, „damit der Hagel mich nicht so trifft“. Dann wäre sie in zwei Minuten zu Hause und in Sicherheit. Daraus wird nichts. „Der Busfahrer hat gefragt, ob ich eine Fahrkarte oder Geld habe“, sagt Lucy. Sie muss verneinen. „Da hat er gesagt: ,Dann kann ich dich nicht mitnehmen.’“ Türe zu, Abfahrt.

Für Lucys Mutter Susanne ist das ein Verhalten, das an verweigerte Hilfeleistung grenzt. „Mein Kind befand sich allein und verängstigt in einer Notsituation. Ich habe Lucy mit dem Auto gesucht, konnte aber in dem Regen und Hagel kaum was sehen. Da hätte der Mann statt der Vorschriften mal den gesunden Menschenverstand und sein Herz fragen sollen.“ Schließlich kam Lucy weinend und verstört zu Hause an.

Matthias Korte, Pressereferent der Münchner Verkehrsbetriebe (MVG), sagt auf Merkur-Anfrage: „Grundsätzlich sehen die Beförderungsbedingungen einen gültigen Fahrschein vor. Allerdings kontrollieren die Fahrer den Fahrschein eigentlich erst in den Abend- und Nachtstunden. Und wir sind keine Unmenschen“, so Korte. „Es kann spezielle Einzelfälle geben, in denen Ausnahmen zu rechtfertigen wären. Die beschriebene Situation wäre vielleicht ein solcher Fall gewesen.“ Sprich: Es hätte einen Handlungsspielraum gegeben. Eine abschließende Beurteilung war dem MVG-Sprecher indes nicht möglich: Er ließ alle in Frage kommenden Fahrer befragen – doch keiner konnte oder wollte sich an Lucy erinnern.

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